BAH-Jahresversammlung 2009: Der Arzneimittelmarkt der Zukunft - Notwendige Korrekturen
ID: 119495
BAH-Jahresversammlung 2009: Der Arzneimittelmarkt der Zukunft - Notwendige Korrekturen
Berlin
Der Arzneimittelmarkt der Zukunft Notwendige Korrekturen - unter diesem Motto diskutierte der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller e.V. (BAH) heute (16.09.2009) auf seiner 55. Jahresversammlung in Bonn wenige Tage vor der Bundestagswahl die Zukunft des Arzneimittels in der Gesundheitsversorgung und bezog Position für eine Zukunftssicherung des Pharmastandorts Deutschland mit wirtschaftspolitisch klaren und planungssicheren Rahmenbedingungen für die größtenteils mittelständisch strukturierte Arzneimittelindustrie.
Der BAH-Vorsitzende Hans-Georg Hoffmann erklärte mit Blick auf die kommende Legislaturperiode, primäre Aufgabe der Politik sei es, Rechtsklarheit zu schaffen und nicht, relevante Fragestellungen im Gesetzgebungsverfahren offen zu lassen mit der Folge, dass dann die Betroffenen selber etwa im Klagewege für Rechtssicherheit sorgen müssen. Mit Blick auf die anstehenden Probleme des Gesundheitswesens, z. B. die Finanzierung und die Finanzierbarkeit des Gesundheitsfonds, die demografische Entwicklung und die Bezahlbarkeit des medizinischen Fortschritts sei künftig eine Gesundheitspolitik mit klaren Entscheidungen geboten. Es sei deshalb nicht maßgebend, welche Koalition nach der Bundestagswahl am Ende die Parlamentsmehrheit habe und die nächste Bundesregierung bilde, sondern dass es eine Koalition sei, die in zentralen Fragen klare Entscheidungen treffe und nicht Entscheidungen offen lasse, weil ein politischer Koalitionskonsens nicht herbeigeführt werden könne.
Weiterhin stellte der BAH-Vorsitzende den "Hausaufgaben-Katalog" des Verbandes im Hinblick auf die kommende Legislaturperiode vor:
Für den Sektor der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind dies u.a. die Ablösung der Rabattverträge für Generika durch neue Modelle - vornehmlich das BAH-Erstattungspreismodell, bei der Kosten-Nutzen-Bewertung von Arzneimitteln die Einbeziehung pharmaökonomischer und gesamt-gesellschaftlicher Aspekte und die Abwehr der sogenannten 4. Hürde bei der Arzneimittelzulassung.
Weiterhin wird der BAH seine Aktivitäten zur Stärkung der Selbstmedikation, begleitet durch eine entsprechende Öffentlichkeitsarbeit, fortsetzen Als Beispiele seien hier das "Grüne Rezept" zur ärztlichen Empfehlung rezeptfreier Arzneimittel und der Switch, also der Wechsel eines Medikamentes aus der Verschreibungspflicht in die Rezeptfreiheit, genannt. Ebenso wird sich der BAH für eine weitere Stärkung der besonderen Therapierichtungen einsetzen. Nach der Entscheidung des EuGH zu Gunsten der von Privatpersonen geführten Apotheken fordert der BAH keine Produktverlagerung bisher apothekenpflichtiger Arzneimittel in andere Vertriebskanäle.
Für die Zulassung von Arzneimitteln fordert der BAH die Reduzierung der Zulassungszeiten, gerade auch im europäischen Verfahren, und von der neuen Regierung ggf. eine erfolgreiche Umstrukturierung des BfArM.
Der BAH spricht sich klar für Arzneimittelsicherheit aus, aber nicht für mehr Bürokratie da, wo sie nicht gerechtfertigt ist z.B. kein Data-Matrix-Code für rezeptfreie Arzneimittel, keine GMP für Hilfsstoffe.
Ebenso fordert auch der BAH weiterhin die Absenkung der Mehrwertsteuer für Arzneimittel auf den reduzierten Satz.
Der BAH sieht sich durch das auf der Jahresversammlung vorgestellte Allensbach-Gutachten, das die Frage untersucht hat, was die Bevölkerung im Bereich der GKV und der Selbstmedikation wirklich will, in seinem Katalog bestätigt und bestärkt, da die große Mehrheit der Bevölkerung das deutsche Gesundheitswesen zwar für leistungsfähig hält, gleichzeitig jedoch die Sorge über die Auswirkungen des Kostendrucks wächst.
41 Prozent der Bevölkerung haben schon erlebt, dass ihnen Medikamente aus Kostengründen vorenthalten wurden. Jeder Dritte hat auch schon aufgrund von Rabattverträgen der Kassen mit Arzneimittel-Herstellern andere Medikamente erhalten als zuvor.
36 Prozent der Versicherten haben in den letzten Jahren auch die Erfahrung gemacht, dass ihnen nicht verschreibungspflichtige Medikamente nicht mehr von den Kassen ersetzt wurden; gut jeder Dritte von ihnen hat daraufhin das Medikament ersetzt oder ganz darauf verzichtet. Andererseits haben 35 Prozent der Bevölkerung schon Erfahrungen mit dem ?Grünen Rezept?, mit dem Ärzte Patienten nicht verschreibungspflichtige Medikamente empfehlen, die der Patient selbst zahlen muss. gesammelt; 29 Prozent haben sich an dem ?Grünen Rezept? orientiert und das entsprechende Arzneimittel gekauft.
Die Gesundheitsreformen haben bisher in den Augen der Versicherten in erster Linie zu Leistungsminderungen geführt, nicht zu einem vermehrten Wettbewerb. 61 Prozent der gesetzlich Krankenversicherten haben den Eindruck, dass sich die Krankenkassen auf der Leistungsseite kaum voneinander unterscheiden. Entsprechend denkt nur eine Minderheit über einen Wechsel der Krankenkasse nach.
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Datum: 17.09.2009 - 19:48 Uhr
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