NOZ: Interview mit Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Philologenverbandes
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gelitten
Kritik an "Entwertung" und "leichteren Prüfungen" - "Über
Fremdenfeindlichkeit mehr als bisher aufklären"
Osnabrück.- Der Deutsche Philologenverband sieht das Abitur
"entwertet", wenn mehr als 50 Prozent eines Jahrgangs die
Reifeprüfung machen. "Studien unter anderem in Nordrhein-Westfalen
oder Hamburg belegen: Die Qualität des Abiturs hat gelitten. Die
Prüfungen wurden leichter", sagte Verbandsvorsitzender Heinz-Peter
Meidinger in einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung"
(Samstag). Hinter einer Studienberechtigung müsse immer auch die
Studienbefähigung stehen, mahnte der Oberstudiendirektor.
An der Kritik am "Akademisierungswahn" sei "etwas dran", betonte
Meidinger. "Wir haben die berufliche Förderung vernachlässigt", fügte
er hinzu. Die Folge sei , dass Akademiker mit einem mittelmäßigen
Abschluss, speziell in Sozial- und Geisteswissenschaften oder auch in
Jura, nur schlecht bezahlte Stellen fänden. Dagegen klage das
Handwerk über einen Mangel an Lehrstellenbewerbern. "Ein
Maurerlehrling bekommt mittlerweile genau so viel Gehalt wie ein
Lehramts-Referendar. Das illustriert die Fehlsteuerung", sagte
Meidinger.
Der Verbandschef wandte sich angesichts der jüngsten
Brandanschläge auf unbewohnte Flüchtlingsheime mit dem Appell an die
Lehrkräfte, Ausländerfeindlichkeit noch mehr als bisher zum Thema im
Unterricht zu machen. Toleranz, Achtung vor dem Mitmenschen und
Ächtung von Rassismus gehörten zum Erziehungsauftrag von Schulen,
sagte Meidinger in dem NOZ-Interview. Wo immer sich ein
Anknüpfungspunkt biete, sollten Pädagogen in allen Fächern die
Möglichkeit zur Aufklärung nutzen.
Der Vorsitzende des Gymnasiallehrerverbandes plädierte ferner für
eine bessere Förderung von Migranten. "Hier ist einiges geschehen,
vor allem bei sprachlicher Förderung", sagte Meidinger. Das Problem
sei, es fehle an Pädagogen mit der Lehrbefähigung "Deutsch als
Zweitsprache". Mehr Weiterbildung und mehr Studiengänge an den
Hochschulen seien dringend nötig. Er halte es für erforderlich, dass
nicht nur jede Grundschule, sondern auch jede weiterführende Schule
in Deutschland mindestens zehn Wochenstunden "Deutsch als
Zweitsprache" anbieten könne, betonte Meidinger, der 90 000
Gymnasiallehrer vertritt.
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Lehrer: Helikopter-Eltern sind nicht Problem Nummer 1 an den
Schulen
Philologenchef spricht von "verkraftbarer Minderheit" - Meidinger
sieht unter Lehrern wie Eltern " schwierige Fälle"
Osnabrück.- Deutschlands Gymnasiallehrer haben kein ernsthaftes
Problem mit "Helikopter-Eltern", die um ihren Nachwuchs kreisen und
ihn "überbehüten". In einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker
Zeitung" (Samstag) sagte der Vorsitzende des Philologenverbandes,
Heinz-Peter Meidinger: "Das ist nicht das Problem Nummer 1 an unseren
Schulen." Er sprach von einer "verkraftbaren Minderheit" von etwa
zehn bis 15 Prozent, die übertrieben für ihre Kinder sorgten. "Das
Vertrauen der Lehrkräfte in die Mehrheit der Eltern ist stabil",
betonte Meidinger. Aber wie es unter den Pädagogen Negativ-Beispiele
gebe, so gebe es auch unter Müttern und Vätern schwierige Fälle. Ein
großes Problem seien jene Eltern , die sich überhaupt nicht um ihre
Kinder kümmerten, sagte Meidinger. Er beklagte außerdem die
Achtlosigkeit, mit der Schüler Pausenbrote in den Müll beförderten.
Dies mache ihm aus zwei Gründen große Sorge. "Da sind die
überbehüteten Kinder, die ihre fürsorglich geschmierten Brote
entsorgen und für ihr üppiges Taschengeld lieber Pommes frites
kaufen. Und da sind jene Kinder, die unversorgt sind und zuschauen
müssen", sagte Meidinger.
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Datum: 11.04.2015 - 07:00 Uhr
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