Außenminister Steinmeier zum Tod von Günter Grass
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Außenminister Steinmeier zum Tod von Günter Grass
Zum Tod von Günter Grass erklärte Außenminister Frank-Walter Steinmeier heute (13.04.):
Mit Günter Grass hat Deutschland heute einen seiner ganz Großen verloren. Grass war die Vaterfigur für das Denken und Schreiben der erwachsen werdenden Bundesrepublik. Einer, an dem sich viele gerieben haben - besonders diejenigen, die schnellstmöglich das Vergangene ruhen lassen wollten. In seiner erzählerischen Kraft, künstlerischen Leidenschaft, auch in seiner Fehlbarkeit, Streitbarkeit und in seiner liebevollen Knorrigkeit hat er Deutschland nicht nur literarisch verkörpert. Der Steinmetz, Künstler und Literat wusste, dass der Mensch ein "krummes Holz" ist und Veränderungen mühsam errungen werden müssen. In seinen Büchern, in seiner bildenden Kunst und in seinem Leben rang er um diese Veränderungen wie kein Zweiter.
Der Nobelpreis, mit dem er 1999 ausgezeichnet wurde, war so auch eine Ehrung für die deutsche Literatur, die wieder zur Sprache gefunden hatte, und eine Ehrung für unser Land, das in Grass' Werk sich selbst fand.
Für Grass war das Literarische stets politisch. Der Nobelpreisträger Grass war sich nicht zu schade für das Tagewerk des Gemeinsinnes. Dem Nobelpreisträger Grass war es selbstverständliche Bürgerpflicht, streitbar in öffentliche politische Debatten einzugreifen, für seine Überzeugungen einzustehen und dafür in Kauf zu nehmen, als umstritten zu gelten. Wie kein zweiter deutscher Künstler trat er ein für Rechte von Minderheiten, für soziale Gerechtigkeit und Demokratie. Für ihn, den in Danzig geborenen, war immer klar, dass es ohne eine Aussöhnung mit Polen keine Zukunft für Deutschland in Europa geben würde. Er hat von Anfang an die Ostpolitik Willy Brandts unterstützt, gefördert und verteidigt gegen all jene, die die eigene beschränkte Schwarz-Weiß-Sicht der Welt zum Maßstab erklären wollen.
Persönlich verliere ich mit Günter Grass einen zugeneigten Weggenossen und einen politischen Mitstreiter. Gemeinsam hatten wir noch einen europäischen Schriftstellerkongress auf den Weg gebracht, auf dem wir leidenschaftlich für die Notwendigkeit und Gestalt des zukünftigen Europas gestritten haben. Ich habe mich sehr gefreut, als er die teilnehmenden jungen Schriftsteller vor kurzem zu sich nach Hause eingeladen hatte. Was wir damals nicht wussten: er hat so den Staffelstab des engagierten Literaten weiter gereicht.
Der große Bürger der Stadt Lübeck wird den Tag, an dem sich die Außenminister der G7 in seiner Stadt treffen, um die aktuelle Weltpolitik zu gestalten, nicht mehr erleben. Aber er wird in seinen Werken weiterleben und sein kritisches Auge weiter auf uns gerichtet haben.
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Datum: 13.04.2015 - 19:15 Uhr
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