Lausitzer Rundschau: Gut gemeinte Hilflosigkeit
Zu den Reaktionen auf das Flüchtlingsdrama
ID: 1201503
deutschen Obrigkeiten erklärt wird, ist nur hektisches,
scheinbetroffenes Wortgeklingel, bestenfalls gut gemeinte
Hilflosigkeit. Libyen stabilisieren. Viel Spaß mit dem IS und den
Warlords, die dort wüten. Die Fluchtwelle an ihren Ursachen
bekämpfen, in den Herkunftsländern. Nur zu, ganz Afrika wartet
darauf. Eine Milliarde Menschen, 54 Staaten, die Hälfte davon in
katastrophalem Zustand oder schon zerfallen, die andere Hälfte auf
dem Weg dorthin. Den Schleusern das Handwerk legen. Nett gesagt, aber
wie umsetzen, wenn man keine Polizeigewalt hat an den Stränden, auf
denen die Boote liegen? Dann gibt es die radikale Gegenposition
derjenigen, die sich Humanisten dünken: legale Zuwanderungswege
eröffnen. Ein Ventil. Aber das reicht nicht, um den Druck aus dem
Kessel zu nehmen. Jene Flüchtlinge, die auf diese Weise kein
Einreisevisum bekommen, werden dann doch weiter die unsicheren Wege
wählen. Also alle reinlassen? Das ist die letzte Konsequenz. Aber
wie viele wären das? Eine Million, die jetzt schon an den Grenzen auf
eine Chance warten? Mehr? Europa hat keine schlüssige Antwort auf das
Drama, weil es keine Antwort gibt, jedenfalls keine kurzfristige. Es
hat nur Reflexe. Immerhin, der simpelste Reflex scheint noch zu
funktionieren, die Barmherzigkeit, die pure Menschlichkeit vor
nackter, unmittelbarer Not. Wir können nicht zuschauen, wie die
Menschen absaufen. Das ist unerträglich. Also wird die Seenotrettung
wieder aufgenommen. Es war ein schwerer Fehler, sie abzuschaffen.
Aber auch dieser Reflex wird nur neue Probleme schaffen. Niemand
sollte sich damit beruhigen. Die Schleuser werden nur noch mehr
Flüchtlinge auf ihre Boote locken, und diese noch mehr überladen.
Außerdem gibt es nicht nur die eine Hauptroute nach Italien, auf der
gerettet werden muss. Es ist, wie das gestrige Schiffsunglück vor
Rhodos zeigt, das ganze Mittelmeer. Sie kommen von überall her. Sogar
über den Atlantik in Richtung Kanaren. Mare Nostrum II wird dauerhaft
keine Lösung sein. Und was ist mit den Zigtausenden, die in den
Wüsten verdursten? Keine Bilder, also keine Hilfe? Die Bilder werden
auch noch kommen. Die Teilung der Welt in Arm und Reich hat im
Mittelmeer zu apokalyptischen Situationen geführt. Sie stürzen Europa
immer tiefer in ein furchtbares Dilemma. Jedes Nichthandeln kostet
Menschenleben. Und jedes Handeln auch. Man hätte es nie so weit
kommen lassen dürfen. Und darf es deshalb so nicht lassen.
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Datum: 20.04.2015 - 21:17 Uhr
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