Südwest Presse: KOMMENTAR · ARBEIT
ID: 1202147
Tücken der Flexibilität Minijobs, Teilzeit, befristete Verträge,
Leiharbeit: Für viele Arbeitnehmer in Deutschland ist eine atypische
Beschäftigung inzwischen Alltag. Und ein gewichtiger Anteil davon
beruht sicherlich nicht auf dem Willen der Arbeitnehmer, ihre Zukunft
so ungewiss wie möglich zu gestalten, sondern auf Forderungen der
Wirtschaft nach mehr Flexibilität. So räumte die Agenda 2010 unter
Kanzler Schröder (SPD) die hohen Hürden für die
Arbeitnehmerüberlassung ab und forcierte so massiv den Einsatz von
Leiharbeitern. Verwerfungen ließen nicht lange auf sich warten - erst
durch Branchenzuschläge wurden die allergröbsten Ungerechtigkeiten
zumindest teilweise beseitigt. Und auch die Minijobs erhielten
politische Schützenhilfe. Die Folge: Was früher im Supermarkt mal
eine feste Stelle mit Aussicht auf eine anständige Rente war, wird
heute von mehreren Kassiererinnen auf 450-Euro-Basis erledigt - mit
desaströsen Auswirkungen auf die Altersversorgung. Der Minijob
entpuppt sich so als Armutsfalle. Dafür klingeln die Kassen etwas
lauter, weil die Arbeitgeber Sozialversicherungsbeiträge sparen.
Inzwischen schlägt das Pendel aber wieder etwas zurück - wenigstens,
solange der Konjunkturmotor rundläuft. Auch ist nicht jeder atypische
Job automatisch prekär und der Vollzeitjob nicht in jedem Fall das
Ziel aller Träume. In Teilen ist der Anstieg auf das 2001 gesetzlich
verankerte Recht auf Teilzeit zurückzuführen - und darauf, dass
insgesamt weitaus mehr Mütter arbeiten als noch vor 20 Jahren und
dieses Recht auch in Anspruch nehmen. Dass der Vater mit Teilzeitjob
eher noch eine Ausnahmeerscheinung ist, hat vor allem strukturelle
Gründe.
Pressekontakt:
Südwest Presse
Ulrike Sosalla
Telefon: 0731/156218
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Datum: 21.04.2015 - 19:13 Uhr
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