Südwest Presse: KOMMENTAR · BUNDESWEHR
ID: 1202811
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen mustert das
Sturmgewehr G36 aus. Das ist eine harte Entscheidung, doch sie war
überfällig. Denn wenn in dieser Rüstungsposse etwas eindeutig ist,
dann das: Ein Soldat muss sich auf seine Waffe verlassen können - und
zwar immer, überall und sogar bei Sonnenschein. Ein Gewehr, das im
heißen Zustand nur noch eine Trefferquote von 7 statt der geforderten
90 Prozent aufweist, ist, um im militärischen Sprachgebrauch zu
verbleiben, nicht verwendungsfähig. Für den Hersteller Heckler und
Koch ist das ein kaum abzusehender Imageschaden, selbst wenn sich am
Ende herausstellen sollte, dass das G36 doch nicht so schlecht ist
wie nun behauptet. Mit ihrem klaren Schritt hat Ursula von der Leyen
deshalb vor allem ihre spätere Anschlussverwendung nach dem
Ministeramt gesichert. Denn sie hat von ihren Vorgängern mehr als ein
Ausrüstungsproblem übernommen - der Skandal um das G36 war schlicht
einer zu viel. Nach Jahren der Labor- und Gefechtsbeurteilungen der
Waffe wäre jedes weitere Zögern nicht mehr zu vermitteln gewesen -
nicht in der Politik und erst recht nicht in der Truppe. In Sachen
G36 werden wohl am Ende die Juristen das Sagen haben: Es ist nicht zu
erwarten, dass Heckler und Koch die Schmach der krummen Knarre auf
sich sitzen lässt. Und von der Leyen muss jetzt nachdenken: Wer soll
rasch 167 000 Gewehre liefern, die tauglich sind?
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Südwest Presse
Ulrike Sosalla
Telefon: 0731/156218
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Datum: 22.04.2015 - 18:43 Uhr
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