Neue Westfälische (Bielefeld): Palliativgesetz
Signal für Humanität am Lebensende
PETER STUCKHARD
ID: 1206267
unterschiedlich ausfallen. Der Herztod kommt plötzlich und ist für
den Betroffenen eher gnädig. Völlig anders ist es, wenn ein Mensch
unter einer unheilbaren Krankheit leidet, die zudem seine Lebenszeit
begrenzt. Zum Beispiel dann, wenn der Mensch an Krebs leidet. Diese
Krankheit ist die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Dann
ist das letzte Stück des Lebensweges oft genug ein Leidensweg.
Manchmal ein schwerer, manchmal sogar so furchtbar, dass die
Patienten vor Verzweiflung ihrem Leben selbst ein Ende setzen wollen.
Die moderne Medizin bemüht sich in erster Linie um Heilung. Selbst
wenn kaum noch Aussichten bestehen. Ärztinnen und Ärzte wollen
helfen, es fällt ihnen schwer aufzugeben. So bewirbt die
Pharmaindustrie ein neues Krebsmedikament damit, dass es die
Überlebenszeit eines Kranken um durchschnittlich dreißig Tage
verlängere. Doch oft genug kommt unausweichlich der Punkt, an dem die
kurative Medizin am Ende ihrer Möglichkeiten ist. Nicht aber die
ärztliche Kunst. Jetzt schlägt die Stunde der Palliativmedizin, die
nicht den Anspruch auf Heilung erhebt, sondern den Patienten mit
einem schützenden Mantel umgeben, Schmerzen lindern und sogar trösten
will. Heute hat jedes Krankenhaus, das auf sich hält und es sich
leisten kann, eine Palliativstation. Doch die meisten Menschen wollen
in Würde zu Hause sterben. Die gute Nachricht: In der Region kann
dieser Wunsch in vielen Fällen erfüllt werden. Dank des Engagements
der Palliativnetze in Bielefeld, Herford oder Paderborn, der
Hospizbewegung und mancher Krankenkassen. Es gibt in OWL die "Hilfe
durch Begleitung, nicht durch die Spritze", wie sie Ärztechef Theodor
Windhorst fordert. Ob die zusätzlichen 200 Millionen Euro für die
Palliativversorgung ausreichen, ist zunächst zweitrangig. Wichtiger
ist: Das geplante Gesetz setzt ein Signal für eine humane Versorgung
am Lebensende.
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Datum: 29.04.2015 - 20:30 Uhr
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