NOZ: Interview mit Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz
ID: 1208506
Handel mit illegal ausgegrabenem Kulturgut
Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz hofft auch auf
einen Bewusstseinswandel bei Touristen
Osnabrück.- Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer
Kulturbesitz in Berlin, plädiert dafür, den Handel mit illegal
ausgegrabenen Kulturgütern mit verschärften Grenzkontrollen
einzudämmen. In einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung"
(Mittwoch) beklagte er, dass "die Grenze zwischen Syrien und der
Türkei sehr offen für den Schmuggel von Kulturgütern" sei. Es gehe
aber auch um einen Bewusstseinswandel bei Touristen. "Wer heute mit
einem Elefantenstoßzahn aus Afrika bei der Einreise nach Deutschland
erwischt wird, bekommt ein ziemliches Problem. Genau so muss es sein,
wenn jemand ein antikes Objekt im Gepäck hat, weil es nur aus einer
Raubgrabung kommen kann. Die Menschen müssen wissen, dass sie mit dem
Kauf solcher Antiken die Zerstörung von Kulturgut befördern", sagte
Parzinger.
Der Präsident der Stiftung verwies auf ein Projekt zur
"Dunkelfeldforschung", mit dem seine Organisation "die Netzwerke des
illegalen Handels mit Kulturgütern" näher erforschen will. Parzinger
unterstützt nachdrücklich die bevorstehende Novellierung des Gesetzes
zur Rückgabe von Kulturgütern. Danach könnten illegal gehandelte
Kulturgüter schneller beschlagnahmt und zurückgegeben werden.
Parzinger will weiter den Ländern helfen, in denen Zerstörungsakte
zum Verlust von Kulturgut führen. Dabei bezog er sich vor allem auf
Syrien und den Irak. Parzinger verwies auf die Unterstützung bei der
Ausbildung von Restauratoren und Hilfe bei Informationen zu
zerstörten Fundstätten und Kulturorten, wie etwa dem kürzlich von der
ISIS zerstörten Nimrud. "Derzeit digitalisieren wir Informationen
über Fundstätten in Syrien, also Pläne, Aufzeichnungen und
dergleichen mehr. Diese Informationen stehen dann sofort zur
Verfügung", sagte Parzinger.
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Datum: 06.05.2015 - 05:00 Uhr
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