Südwest Presse: KOMMENTAR · US-DIPLOMATIE
ID: 1211657
Eine Hand wäscht die andere
Die doch angeblich so stark angeschlagenen Beziehungen zwischen
Washington und Moskau sind kaum wiederzuerkennen. So hatte
US-Präsident Barack Obama noch kürzlich mit Genugtuung festgestellt,
dass Russlands Wirtschaft als Folge der Sanktionen im Zuge der
Ukraine-Krise "in Trümmern liegt". Auch lässt Wladimir Putin selten
eine Gelegenheit aus, um die USA als Gefahr für den Weltfrieden zu
beschimpfen. Dann aber reist Obamas Außenminister John Kerry zu
Gesprächen mit Putin und dessen Chefdiplomat Lawrow nach Russland, um
Einigkeit zu demonstrieren. Tatsache ist, dass der erfahrene
Staatsmann Kerry erkannt hat, was sich seinem Chef lange Zeit
verschloss: Dass sich nämlich aller Differenzen zum Trotz das Weiße
Haus und der Kreml gegenseitig brauchen. Im Kampf gegen den IS und
für Stabilität in Syrien, um Irans nukleare Ambitionen einzudämmen
und nun auch, um Schleppern das Handwerk zu legen und den
Flüchtlingsstrom nach Europa zu stoppen. Kerry möchte Putin gerne
davon abbringen, sein Veto gegen eine entsprechende UN-Resolution
einzulegen. Gewiss hat es sich der hohe Gast aus Washington nicht
nehmen lassen, den Konflikt in der Ukraine anzusprechen. Doch Kerry
wird leise treten und dürfte es bei dem Hinweis darauf, wie wichtig
die Umsetzung der in Minsk vereinbarten Waffenruhe ist, bewenden
lassen. Für Optimismus in dem lädierten bilateralen Verhältnis mag es
zu früh sein. Immerhin haben aber beide Seiten einen pragmatischen
Ansatz gewählt und setzten sich nun für jene Interessen ein, die sie
gemeinsam haben. Das allein ist ein wichtiger Fortschritt.
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Südwest Presse
Ulrike Sosalla
Telefon: 0731/156218
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Datum: 12.05.2015 - 18:54 Uhr
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