Südwest Presse: KOMMENTAR · DROGEN
ID: 1215428
Cannabis ist in Deutschland die am häufigsten konsumierte illegale
Droge. Mit dieser Erkenntnis belegt der Drogenbericht der Regierung:
Die Prohibitionspolitik ist gescheitert. Denn Cannabis ist nur
illegal, weil es der Gesetzgeber will. Die Menschen rauchen trotzdem,
was das Zeug hält. Wer angesichts des Verbots Angst hat, greift zu
synthetischen Drogen, die nicht dem Betäubungsmittelgesetz
unterliegen - den Legal Highs - und handelt sich mehr
Gesundheitsprobleme ein als mit dem pflanzlichen Original. Es ist an
der Zeit, die Kriminalisierung der Kiffer zu beenden - ganz zu
schweigen von jenen, die Cannabis zu medizinischen Zwecken verwenden
und dazu selbst anbauen. Nach Piraten, Linken und Grünen hat das
mittlerweile sogar die tief in der Bürgerlichkeit verortete FDP
begriffen. Denn obwohl das Bundesverfassungsgericht 1994 in seinem
"Cannabis-Beschluss" ein grundgesetzliches "Recht auf Rausch"
abgelehnt hatte, kam aus Karlsruhe die Ansage: Die staatliche
Verfolgung zumindest volljähriger Kleinkonsumenten ist
unverhältnismäßig. Das endlich anzuerkennen hat nichts mit
Verharmlosung zu tun. Denn Legalisierung bekämpft den Schwarzmarkt,
macht den Weg frei für die kontrollierte Abgabe an Erwachsene und
schützt damit Jugendliche besser als bisher. Dass jeglicher
Drogenkonsum - auch anerkannter Substanzen wie Alkohol und Nikotin -
vermeidbare Gesundheitsrisiken birgt, steht außer Frage. Doch riskant
zu leben ist das Recht freier Menschen in einem freien Land. Eine
alleine an Abstinenz ausgerichtete Gesetzgebung ist unglaubwürdig. Es
ist höchste Zeit für suchtpolitische Entspannungspolitik.
Pressekontakt:
Südwest Presse
Ulrike Sosalla
Telefon: 0731/156218
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Datum: 21.05.2015 - 18:50 Uhr
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