NRZ: Das Duell ist aufgeschoben - ein Kommentar von JAN JESSEN

NRZ: Das Duell ist aufgeschoben - ein Kommentar von JAN JESSEN

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(ots) - Die Absage des AfD-Parteitags ist ein Erfolg für
Bernd Lucke. Er kann durchatmen, das finale Duell mit seinen
parteiinternen Kritikern ist aufgeschoben. Es wird aber kommen, so
oder so. Und Lucke wird es aller Voraussicht nach verlieren, selbst
wenn es der Parteitag jetzt als Mitgliederversammlung abgehalten
werden sollte. Sein Einfluss und sein Renommee schwinden von Tag zu
Tag. Der liberale Flügel in der AfD lahmt, die Nationalkonservativen
um Luckes Co-Vorsitzende Frauke Petry haben mächtig Aufwind. Mit
Eurokritik gewinnt man aktuell nur noch wenig Wählerstimmen bei den
Unzufriedenen, mit der Bedienung fremdenfeindlicher Ressentiments,
Abschottungspolitik und erzkonservativen Familienbildern umso mehr.
Lucke wirkt ein wenig wie der Zauberlehrling, der die Geister, die er
rief, nicht mehr in den Griff bekommt. Aber so ist das eben: Wer auf
der nationalistischen Klaviatur spielt, und sei es mit so
professoraler Zurückhaltung wie Lucke, der sollte nicht überrascht
sein, wenn er diejenigen anlockt, die ansonsten eher für die
schrillen Töne empfänglich sind. Der Machtkampf in der AfD tobt mit
der erbarmungslosen Brutalität, die für junge Parteien typisch ist;
die Grünen haben es vorgemacht, ebenso die Piraten. Den potenziellen
Wählern dürfte schwanen, dass es mit der "Alternative" für
Deutschland nicht so weit her ist, sondern dass die AfD auf dem Weg
ist, entweder eine höchst gewöhnliche Partei zu werden oder in der
Versenkung zu verschwinden. Die Union kann entspannt zuschauen. Eine
Konkurrenz ist diese AfD nicht.



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