Lausitzer Rundschau: Die neue Marktmacht
Arbeitslosigkeit in Deutschland auf Rekordtief gesunken
ID: 1220000
nicht einfach nur die übliche Frühjahrsbelebung. Sie markieren
tatsächlich eine Vierteljahrhundert-Belebung der deutschen
Wirtschaft. 6,3Prozent Arbeitslosigkeit, das ist der beste
Wert seit 24Jahren. Und Wunder geschehen: Jetzt liegt die
Quote im gesamten Osten schon einstellig, was vor zehn Jahren nur die
reichen Traumländer Bayern und Baden-Württemberg erreichten. Und der
Abstand verringert sich schnell. Es ist für die verbliebenen
2,76Millionen Arbeitslosen kein Zynismus, wenn man sagt: Das
ist Vollbeschäftigung. Ihre Probleme sind andere, spezifische, oft
auch individuelle. Ihre Arbeitslosigkeit kann nicht mehr durch eine
noch bessere Konjunktur gelöst werden. Sie brauchen eine andere,
gezielte Förderung - und sie brauchen alternative
Beschäftigungsmöglichkeiten auf einem zweiten Arbeitsmarkt. Auf dem
ersten Arbeitsmarkt aber ändern sich mit den Marktdaten auch die
Marktverhältnisse. Über zwei Jahrzehnte lang haben deutsche
Unternehmen immer über ein reichhaltiges Angebot an
Billigarbeitskräften aus dem näheren wie ferneren europäischen Osten
verfügt und es weidlich ausgenutzt. Nun aber kann man damit die Löhne
nicht mehr beliebig drücken, Arbeitsbedingungen nicht mehr beliebig
verschlechtern, Verträge nicht mehr beliebig stückeln. Das gilt
nicht für alle Branchen und alle Regionen, aber für viele. Das gilt
nicht sofort, aber nach und nach. Die Tatsache, dass der Mindestlohn
bislang praktisch ohne Spuren von der Erwerbslosenstatistik verdaut
wurde, zeigt, wie viel Spielraum es für "faire Arbeit" gab und gibt.
Das schlägt sich in den laufenden Tarifrunden ebenfalls nieder. Jetzt
gibt es endlich einen Anbietermarkt auf dem Arbeitsmarkt, jetzt
stehen die Kräfte nicht mehr Schlange und müssen nicht mehr um Jobs
betteln. Das ist auch mal gut. Stattdessen müssen sich nun die
Nachfrager umorientieren. Sie müssen alles daran setzen, das Angebot
wieder zu erhöhen. Damit rücken - auch politisch - ganz neue Themen
in den Vordergrund: Wie können die zahlreichen Kriegsflüchtlinge so
schnell wie möglich beruflich integriert werden? Wie sinnvoll sind
noch die Einschränkungen für Asylbewerber? Muss man ausländische
Berufsabschlüsse schneller anerkennen? Wie sichert man bessere
deutsche Schul- und Berufsabschlüsse? Es sind vor allem die
konservativen Kräfte in der Politik, die hier bisher im Bremshäuschen
saßen. Neuerdings aber gilt die Devise: Je mehr qualifizierte
Deutsche und Ausländer Jobs annehmen können, umso besser für die
Wirtschaft. Da sollte man sich politisch beim Einwanderungsgesetz
vielleicht nicht ganz so zieren und nicht ganz so laut nach der
Rückführung abgelehnter Asylbewerber rufen. Denn eigentlich werden
alle gebraucht. Wirklich alle.
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Datum: 02.06.2015 - 20:48 Uhr
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