Profil schärfen, Dynamik anfachen
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IHK stellt Studie zur Innovations- und Wissenschaftsregion Bonn/Rhein-Sieg vor

(PresseBox) - Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg hat gut zwanzig Jahre nach der Vereinbarung der Ausgleichsmaßnahmen im Rahmen des Berlin/Bonn-Gesetzes eine aktuelle Bestandsaufnahme des Wirtschafts-, Innovations- und Wissenschaftsstandorts Bonn/Rhein-Sieg vorgenommen. "Unsere Region prosperiert, aber die Dynamik lässt doch nach", führte IHK-Präsident Wolfgang Grießl beim heutigen Pressegespräch aus. Der wahrnehmbare Dynamikverlust auf wichtigen Zukunftsfeldern am Standort Bonn/Rhein-Sieg ist ein zentrales Ergebnis der IHK-Innovations- und Wissensbilanz. Die IHK hat diese umfangreiche Studie zur Analyse der Innovations- und Wissenschaftsregionen in Auftrag gegeben, bei der Bonn/Rhein-Sieg mit 20 anderen Regionen in Deutschland verglichen wird. Dazu zählen etwa die Regionen Aachen, Darmstadt, Dresden, Hannover, Karlsruhe, Mannheim/Heidelberg und Nürnberg/Erlangen.
Die Studie bescheinigt Bonn/Rhein-Sieg eine vielfältige Hochschullandschaft und eine einzigartige Dichte an außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Grießl: "Doch zugleich sind uns Regionen wie Dresden, Darmstadt oder Karlsruhe deutlich voraus, die ihre Stärken in der außeruniversitären Forschung viel stärker nach außen vermarkten und daher auch deutlicher als Innovations- und Wissenschaftsstandort wahrgenommen werden." Ferner sei die Forschungsintensität der Unternehmen im IHK-Bezirk Bonn/Rhein-Sieg vergleichsweise gering. So betragen die betrieblichen Aufwendungen für Forschung und Entwicklung in der Region gerade einmal 0,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. In der Region Karlsruhe sind es 4,4 Prozent, in Dresden 4,2 Prozent. "Dies liegt im Wesentlichen an der vergleichsweise geringen Bedeutung der forschungsintensiven Industrie im IHK-Bezirk. Es muss aber auch festgehalten werden, dass Unternehmen des IT-Sektors und anderer für die Region wichtiger wissensintensiver Dienstleistungsunternehmen ihre Forschung und Entwicklung überwiegend außerhalb der Region Bonn/Rhein-Sieg betreiben", so der IHK-Präsident.
Die IHK spricht sich für ein gezielteres Standortmarketing und eine strategisch ausgerichtete Ansiedlungspolitik im Rahmen einer wachstumsorientierten Wirtschaftsförderung aus. Grießl: "Wir müssen das Profil des Wirtschaftsstandortes schärfen und neue Wachstumsbranchen identifizieren, für welche die Region aufgrund der vorhandenen Wirtschafts- und Wissenschaftsstrukturen besonders interessant sein könnte." Auch sollte die Errichtung eines Technologiezentrums in Bonn als Ergänzung zu den bestehenden Angeboten im Rhein-Sieg-Kreis geprüft werden.
Die Region Bonn/Rhein-Sieg sei zwar nach wie vor für junge Menschen unter 30 Jahren attraktiv; aber Regionen wie Leipzig, Hannover, Mannheim/Heidelberg, Mainz/Wiesbaden und Nürnberg/Erlangen wiesen eine höhere Anziehungskraft auf diese Bevölkerungsgruppe aus.
IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Hubertus Hille ging auf die Sicherung des Fachkräftebedarfs ein, der nur durch Zuwanderung von Menschen aus dem In- und Ausland erfolgen könne. Hier sei der Spagat zwischen Haushaltskonsolidierung und Zukunftssicherung eine der größten Herausforderungen der Zukunft: "Wir brauchen eine langfristig ausgerichtete, strategische Stadtentwicklungspolitik. Dabei kommt dem Wohnungsangebot eine zentrale Bedeutung zu, denn gerade für junge Menschen ist inzwischen bezahlbarer Wohnraum häufig das Hauptkriterium bei der Wohnortwahl. Für Studierende und Berufsanfänger findet sich zurzeit jedoch nur schwer bezahlbarer Wohnraum. Vor diesem Hintergrund ist es notwendig, dass die Kommunen Baulandflächen in ausreichendem Maße zur Verfügung stellen und Möglichkeiten der Nachverdichtung ausgeschöpft werden."
Außerdem gelte es, den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Bonn/Rhein-Sieg zur Anwerbung von Fachkräften stärker als bisher zu profilieren und nach außen zu vermarkten. Ferner bedürfe es für die Gewinnung qualifizierter Arbeitskräfte aus dem Ausland einer entsprechenden Willkommenskultur. Hier fordert die IHK den Abbau bürokratischer Hemmnisse, die Bereitstellung von Informationen und Beratungsleistungen für Fachkräfte aus dem Ausland sowie eine "Willkommens-Atmosphäre". Hille: "Es müssen aber auch Wege beschritten werden, um das vorhandene Arbeitskräftepotenzial besser als bisher zu nutzen. Es ist wichtig, einerseits die Arbeitsmarktchancen älterer Arbeitnehmer weiter zu verbessern und andererseits bereits junge Leute für Naturwissenschaften und Technik zu begeistern, denn hier liegen die Jobs der Zukunft." Und weiter "Dabei ist das Deutsche Museum Bonn am Standort eine tragende Säule. Unternehmer, Bürger und öffentliche Institutionen in der Region müssen auch deshalb gemeinsam mit der Hausleitung an einem alternativen Finanzierungskonzept zum Erhalt des Museums arbeiten.
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Datum: 30.06.2015 - 12:54 Uhr
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