Lausitzer Rundschau: Eine Chance für die Welt
Zur Einigung im Atomstreit zwischen dem Westen und dem Iran
ID: 1238414
der Schwelle zum Atomkrieg am nächsten. Oder einem durch einen
israelischen Präventivschlag ausgelösten großen Krieg in der Region.
Diese Gefahr ist mit dem Abkommen von Wien zunächst gebannt. Das
Abkommen ist, wenn alle Seiten es einhalten, eine Chance für die
Welt. Zum einen, weil es endlich einmal gelingen könnte, die
Weiterverbreitung von Atomwaffen friedlich zu stoppen und zudem eine
nukleare Rüstungsspirale im Nahen Osten im Ansatz zu verhindern. Zum
anderen aber, weil der Abschluss zeigt, dass aus Erzfeinden Partner
werden können. Die Besetzung der US-Botschaft ist ebenso Geschichte
wie der Hassprediger-Präsident Ahmadinedschad. Die Zeit ist darüber
hinweggegangen. Darauf hat, auch im Iran, eine neue Generation
sehnlich gewartet, die ihre Zukunft und die ihrer Kinder nicht unter
sinnlosen ideologischen Konfrontationen begraben sehen will. Mit dem
Fortfall der Sanktionen wird dieses stolze Land, dessen Bürger,
Männer wie Frauen, extrem gut gebildet und organisiert sind,
ökonomisch regelrecht explodieren. Die Mullahs werden nun unter Druck
geraten, dem Ende des Atomstreits auch eine gesellschaftliche Öffnung
folgen zu lassen. Entschieden ist dieser Kampf noch lange nicht. Man
kann, ja muss die israelische Angst verstehen. Das Land ist so klein
und so dicht besiedelt, dass schon eine einzige Atomrakete ausreichen
würde, es de facto auszulöschen. Und es gibt keinen Zweifel daran,
dass der Iran sich zumindest die Option dazu beschaffen wollte.
Israel kann eine atomare Bedrohung gegen sich nicht dulden, sondern
muss sie im Ansatz verhindern. Doch wäre das mit einem Militärschlag
gelungen? Nein, die Anstrengungen seiner Feinde, an diese Waffe zu
gelangen, wären nur noch wütender geworden. Israel kann auf Dauer nur
sicher leben, wenn es friedlich mit seinen Nachbarn lebt. Und muss
deshalb auf Veränderungen bei ihnen setzen. Tel Aviv sollte deshalb
diese Chance erkennen. Natürlich, der Iran bekommt nun das verbriefte
Recht, die Atomkraft zu nutzen. Das ist der Preis. Aber die fünf
Atommächte plus Deutschland garantieren die Kontrolle der Anlagen.
Das ist keine hundertprozentige Sicherheit. Aber eine ausreichende.
Präsident Obama hat auf den letzten Metern seiner Amtszeit die
Aussöhnung mit Kuba geschafft und einen Ausweg aus dem Atomstreit mit
dem Iran gefunden. Er hat die USA von zwei Uraltkonflikten befreit,
in die sie sich bis zur Bewegungslosigkeit verstrickt hatten. Allein
dafür hat er jetzt doch noch den Friedensnobelpreis verdient, den er
2009 viel zu früh bekam.
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Datum: 14.07.2015 - 21:20 Uhr
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