Börsen-Zeitung: Großes Handicap, Kommentar zu Adidas von Joachim Herr
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Im Quartalsbericht von Adidas widerspricht sich das nicht. Dank des
robusten Geschäftswachstums der wichtigsten Marken Adidas und Reebok
erholt sich der fränkische Sportartikelanbieter von dem schwachen
vergangenen Jahr. Zugute kommt dem Unternehmen, dass die Konsumenten
überall auf der Welt mehr Geld für Fitness und Sport ausgeben. Auch
die Konkurrenz verkauft mehr.
Die Golfsparte von Adidas leidet jedoch weiter: Der Umsatz sinkt
um ein Viertel, das Ergebnis ist negativ und belastet die Marge des
Konzerns. Diese Diagnose wirft aus drei Gründen ein schlechtes Licht
auf Vorstandschef Herbert Hainer. Erstens: Die Restrukturierung des
Golfgeschäfts im vergangenen Jahr war allem Anschein nach halbherzig
und brachte keinen durchschlagenden Erfolg. Auch die nachlassende
Begeisterung für diesen Sport entschuldigt das nicht. Mit einem
verschärften Programm soll endlich die Wende gelingen.
Zweitens hat Hainer wie schon im vergangenen Jahr die
Geschäftsentwicklung falsch eingeschätzt. 2014 nahm er die
Gewinnprognose für den Konzern zurück - zudem relativ spät. Das
bleibt ihm nun dank der Stärke der Hauptmarken erspart. Doch noch vor
drei Monaten äußerte sich Hainer sehr zuversichtlich, die Golfsparte
werde in diesem Jahr den Umsatz mit einer zweistelligen Rate
steigern. Und das trotz eines Rückgangs im ersten Quartal. Daraus
wird nun nichts, und die Zweifel an Hainers Verlässlichkeit wachsen.
Drittens stellt sich wieder einmal die Frage, warum Hainer
erworbene Unternehmen so spät oder gar nicht in den Griff bekommt.
Reebok hat erst nach langem Anlauf und hohen Verlusten die Kurve nun
offenbar geschafft. Gewiss, Salomon (mit der Golfmarke Taylor Made)
kaufte Adidas, noch bevor Hainer zum Konzernchef aufstieg. Doch er
mühte sich vergeblich mit dem französischen Konzernteil. Vor zehn
Jahren trennte sich Adidas von Salomon. Jetzt steht ein Verkauf in
erster Linie für die beiden kleinen Golfmarken Ashworth und Adams zur
Debatte. Beide hat Hainer als Vorstandschef akquiriert.
Eine Lösung für die darbende Sparte will Hainer mit Hilfe einer
Investmentbank rasch finden. Es eilt tatsächlich. Spätestens im März
2017 endet seine Zeit an der Konzernspitze. Der Nachfolger hätte
wenig Freude, wenn Hainer ihm das Golfgeschäft als schweres Erbe
hinterließe. Das wäre ein großes Handicap. Wer weiß schon, welchen
neuen Widrigkeiten Adidas sich dann ohnehin stellen muss?
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Datum: 06.08.2015 - 20:55 Uhr
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