Der Tagesspiegel: Jella Haase: "Ich fand Spießigkeit toll"
ID: 1257853
"Fack ju Göhte", sorgt sich um das politische Klima im Land. "Wir
geben jeder ein bisschen was ab, dann geht es allen besser", sagt sie
im Interview mit dem "Tagesspiegel am Sonntag" zum vernünftigen
Umgang mit Asylbewerbern. "Ich mache zum Beispiel in einer Berliner
Schule Deutsch-Hausaufgaben mit 18-jährigen Flüchtlingen." Vom
Diätwahn einiger Kolleginnen hält sie, die "mehr Kurven als die
meisten" hat, nichts: "Es muss auch noch Leute geben, die normal
sind."
In einem ausführlichen Gespräch mit dem "Tagesspiegel am Sonntag"
für den 6. September 2015 sagt sie:
....über ihr Engagement mit Flüchtlingen:
"Wir geben jeder ein bisschen was ab, dann geht es allen besser.
So denke ich. Ich mache zum Beispiel in einer Berliner Schule
Deutsch- Hausaufgaben mit 18-jährigen Flüchtlingen."
...über das derzeitige politische Klima in Deutschland:
"Ich finde es wichtig, Position zu beziehen und mutig zu sein. Ich
äußere mich ja auch, wenn ich gefragt werde. Ich würde immer auf den
Demos gegen Pegida mitlaufen."
...über den künftige Tatort in Dresden:
"Ich kenne das Drehbuch noch nicht, aber ich fände es toll, wenn
wir da sozialkritisch wären. Wenn man die Chance hat, in so einem
Teil von Deutschland einen Tatort auf die Beine zu stellen, ist es
unumgänglich, dass man sich mit dem Thema beschäftigt."
...über Diätwahn von Models und Schauspielerinnen:
"Mir wurde früher häufig gesagt, ich solle abnehmen. Ich habe ja
mehr Kurven als die meisten. Das hat nur Rebellion ausgelöst: Jetzt
erst recht nicht. Es muss doch auch Leute geben, die normal sind. Ich
will vermitteln, dass man abends auch mal 'ne Lasagne essen kann.
Vegetarisch. Mit doppelt Käse."
...über ihre Rolle als Chantal in "Fack ju Göhte":
"Ich fand das Drehbuch und die Rolle am Anfang erst gar nicht so
witzig. Aber ich habe mich über die Anfrage gefreut, weil ich nicht
dem Tussi-Klischee entspreche. Sätze wie "Sind Sie geboarderlinert,
Sie Geisterkranker?", würde ich nie sagen."
...über ihren ersten Schwarm:
"Richtig verknallt war ich allerdings in Johnny Depp. In der
Grundschule sollten wir unsere Zukunft malen. Ich habe mich mit
Kindern gemalt, im Hintergrund ein Filmplakat, auf dem ich Johnny
küsse. Meine Englischlehrerin sagte: Als ich dieses Bild gesehen
habe, wusste ich, dass du Schauspielerin wirst."
...über ihre linksliberalen Eltern:
"Ich bin mit wenigen Regeln erzogen worden. Wir mussten nicht
aufessen, es gab manchmal erst um elf Uhr nachts Abendbrot. Mir
gefiel es deshalb, wenn andere Leute Regeln hatten. Ich fand
Spießigkeit toll."
...über Glauben und Spiritualität:
"Ich bin nicht konfirmiert, meine Eltern sind aus der Kirche
ausgetreten. Aber ich glaube an eine Macht im Universum. Ich finde es
nicht schlecht, wenn man einen Anker hat, solange es nicht fanatisch
wird."
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Der Tagesspiegel
Chefin vom Dienst
Patricia Wolf
Telefon: 030-29021 14013
E-Mail: cvd@tagesspiegel.de
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Datum: 03.09.2015 - 18:47 Uhr
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