Selbstbestimmt dement
ID: 1260566
Der schmale Grat zwischen einem möglichst selbstständigen Leben
und dem Eingriff in die Persönlichkeitsrechte steht im Mittelpunkt
der aktuellen Ausgabe von ProAlter über ethische Herausforderungen
in einer alternden Gesellschaft.
Was macht einen Menschen aus, wenn er seine kognitiven Fähigkeiten
verliert? Sind Demenz und Autonomie per se ein Widerspruch? Und sind
Illusion und Täuschung zu entschuldigen, wenn es darum geht, das
Leben mit Demenz lebenswerter zu machen? Dies sind nur einige der
Fragen, mit denen sich Sozialethiker und Gerontopsychiater, aber auch
demenzkranke Menschen und ihre Angehörigen im Schwerpunkt der
Septemberausgabe von ProAlter beschäftigen.
Bei schwierigen ethischen Entscheidungen sollten vor allem die
Menschen mit Demenz selbst in den Blick genommen werden, sagt der
Wuppertaler Gerontopsychiater Nikolaus Michael. Nie dürfe dabei zu
einer Entscheidung gedrängt werden, Ängste könnten die
Entscheidungsfreiheit enorm einengen, weiß Nikolaus Michael. Das
empathische Herangehen an ethische Konflikte bedeute auch das
Einbringen eigener Empfindungen wie Bedauern oder Mitleiden. Gerade
dies werde von Betroffenen oft als entlastend empfunden.
Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Menschenbild in der
Leistungsgesellschaft mit Blick auf das Leben mit Demenz fordert der
Wiener Sozialethiker Ulrich H. J. Körtner. Viel zu häufig noch
erlaubten wir uns ein Urteil über die Bedürfnisse von demenzkranken
Menschen und schaffen für sie eine Umwelt, die aus Täuschungsmanövern
besteht - alles dem (vermeintlichen) Wohlbefinden zuliebe.
Dies kritisiert auch der Philosoph Klaus Peter Rippe. Der Einsatz
fiktiver Bushaltestellen oder von Pflegerobotern habe durchaus
Einfluss auf die Zufriedenheit, deshalb seien solche Maßnahmen aber
nicht notwendigerweise auch moralisch akzeptabel. Täuschungen und
Technik seien vor allem dann entwürdigend, wenn damit ein menschlich
fürsorgliches Umfeld ersetzt werden solle, sagt der
Pflegewissenschaftler Hartmut Remmers. Und auch Christine Sowinski,
KDA-Mitarbeiterin und Diplom-Psychologin, erklärt: "Gerade beim
Einsatz von Systemen zur Personenortung ist der schmale Grat zwischen
Selbstständigkeit und dem Eingriff in die Persönlichkeitsrechte nur
allzu schnell überschritten." Dass sich die Selbstständigkeit im
Alltag mit einem offensiven Umgang mit der Krankheit aufrechterhalten
lässt, davon erzählen zwei Menschen, die selbst von Demenz betroffen
sind, als Erkrankte und als Ehemann.
Männer müssen sich stärker in der Pflege engagieren, sagt der
Reutlinger Gerontologe Eckart Hammer. Denn Pflegebedürftigkeit und
Altersdemenz werden künftig zum biografischen Regelfall. Mehr als ein
Drittel Männer sind bereits in der Pflege von Angehörigen aktiv. Doch
ihr Engagement wird oft unterschätzt und bleibt im Verborgenen,
kritisiert Eckart Hammer in seinem Interview mit ProAlter. Weitere
Informationen zu Themen und Texte sind
unter[nbsp]www.kda.de/proalter.html zu finden.
Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) Das KDA entwickelt seit mehr
als 50 Jahren im Dialog mit seinen Partnern Lösungskonzepte und
Modelle für die Arbeit mit älteren Menschen und hilft, diese in der
Praxis umzusetzen. Es trägt durch seine Projekte, Beratung,
Fortbildungen, Tagungen und Veröffentlichungen wesentlich dazu bei,
die Lebensqualität älterer Menschen zu verbessern.
ProAlter, das unabhängige Fachmagazin des KDA, bietet allen, die
sich beruflich, ehrenamtlich oder privat mit Fragen des Älterwerdens
beschäftigen, wertvolle Anregungen und Impulse für ihre Arbeit. Ein
Abonnement kostet 30,90 Euro, ein Einzelheft 6,90 Euro.
Pressekontakt:
Ansprechpartnerin
Dagmar Paffenholz / Telefon: +49 221 931847-23/ presse@kda.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 10.09.2015 - 13:00 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1260566
Anzahl Zeichen: 4203
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Köln
Kategorie:
Soziales
Diese Pressemitteilung wurde bisher 191 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Selbstbestimmt dement"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Kuratorium Deutsche Altershilfe (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
(ddp direct) Köln, 7. Mai 2013. Vor wenigen Wochen ist das Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz in Kraft getreten. Menschen mit erhöhtem Betreuungsbedarf wie einer Demenz können seitdem zusätzliche Leistungen bei den Kassen erhalten, wenn die Erkrankten zu Hause versorgt werden. Doch viele Betroffene w
Schüler entwickeln Projekte zum Altern im vertrauten Wohnumfeld ...
(ddp direct) Köln, 30. Oktober 2012. Wie können Menschen auch im Alter in ihrem vertrauten Wohnumfeld bleiben? Mit dieser Frage haben sich Altenpflegeschüler aus dem gesamten Bundesgebiet beim Wettbewerb Wir im Quartier! auseinandergesetzt. Das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) hatte ihn anlÃ
Niemand muss befürchten, nicht versorgt zu werden, wenn er pflegebedürftig wird. ...
(ddp direct) Köln, 30.10.2012. Laut eines Berichts in der Welt am Sonntag wird die Pflege für immer mehr alte Menschen in Deutschland unbezahlbar. Diese seien zunehmend auf staatliche Unterstützung angewiesen, um sich den Platz im Altenheim oder die häusliche Betreuung leisten zu können. Der Ar
Weitere Mitteilungen von Kuratorium Deutsche Altershilfe
Integration: Feuerwehren gehen auf Flüchtlinge zu / Rekord: 130 Parlamentarier bei 10. Berliner Abend der deutschen Feuerwehren (FOTO) ...
"Wir sagen ,Unsere Welt ist bunt' und ,Willkommen bei uns'!", würdigte Hans-Peter Kröger, Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV), beim 10. Berliner Abend der deutschen Feuerwehren das Engagement von ehren- und hauptamtlichen Feuerwehrangehörigen angesichts d
IGMG-Maßnahmenaket für Flüchtlinge / Moscheen nehmen Familien auf, Opfertierkampagne in Deutschland, IGMG-Liegenschaften werden Flüchtlingsheime, Kontingente für Flüchtlingskinder in Privatschul ...
Mit einem umfangreichen sofort-Maßnahmenpaket reagieren die Islamische Gemeinschaft Millî Görüs (IGMG) und der Hilfs- und Sozialverein e.V. (HASENE) auf die aktuelle Flüchtlingssituation in Deutschland und Europa. "In einem ersten Schritt wird jede IGMG-Moschee und Einrichtung in Deuts
Bundesverband Deutscher Kinderausstattungs-Hersteller e.V. (BDKH) zieht positives Resümee und treibt das Thema Kindersicherheit weiter voran ...
Der Bundesverband Deutscher Kinderausstattungs-Hersteller e.V. (BDKH) vertritt die Kinder- und Baby-Ausstatter in Deutschland und hat es sich zum Ziel gesetzt, die Sicherheitsstandards bei Kinderprodukten zu verbessern. Nach zweijährigem Bestehen zieht der BDKK eine positive Bilanz und setzt s
Wichtelhäuschen und Kinderbänke statt Fiesta (FOTO) ...
- Ford Beschäftigte helfen in den Caritas-Kindertagesstätten Bensberg und Ferrenberg - Aufbau eines Wichtelhäuschen für das Außengelände und sechs Kindersitzgarnituren - Langjährige Kooperation zwischen Ford und Caritas Zu Beginn des "Global Caring Month",




