EU gibt grünes Licht für Löwenjagd - NABU International und Pro Wildlife fordern Einfuhrverbot vo

EU gibt grünes Licht für Löwenjagd - NABU International und Pro Wildlife fordern Einfuhrverbot von Trophäen und verweisen auf stark dezimierte Bestände

ID: 1263980
(ots) - Die NABU International Naturschutzstiftung
und Pro Wildlife kritisieren die Entscheidung der EU vom 15.
September, die Einfuhr von Löwentrophäen aus Tansania trotz massiver
Bestandsrückgänge zu genehmigen und fordern ein umgehendes
Importverbot.

Afrikas Löwen verschwinden: Laut der Roten Liste bedrohter
Tierarten der Weltnaturschutzunion ist der Bestand des "Königs der
Tiere" seit 1993 um 42 Prozent eingebrochen. Das Verbreitungsgebiet
der Löwen schrumpfte auf weniger als 20 Prozent. Auch Löwen in
Tansania sind massiv betroffen. In mindestens zwölf, vielleicht sogar
16 afrikanischen Ländern sind Löwen bereits ausgestorben. Als
Hauptursache gelten Lebensraumverlust und Konflikte mit
Viehbesitzern. Wissenschaftler machen auch die Großwildjagd
mitverantwortlich für den Niedergang der Löwenbestände.

"Trotz des gravierenden Rückgangs von Tansanias Löwenpopulation
erteilt die EU grünes Licht für die Einfuhr von Jagdtrophäen der
schrumpfenden Bestände und treibt damit die Ausrottung der Löwen
voran", sagte Daniela Freyer von Pro Wildlife. Thomas Tennhardt,
Vorsitzender der NABU International Naturschutzstiftung, ergänzt: "In
Tansania herrschen Korruption, Intransparenz und Missmanagement. Die
EU-Entscheidung ist inkonsequent, unverantwortlich und steht im
klaren Widerspruch zu den EU-Vorschriften für Nachhaltigkeit." NABU
International und Pro Wildlife fordern, diese umgehend zu
revidieren.

Die illegale Jagd auf den Löwen Cecil in Simbabwe im Sommer dieses
Jahres löste internationale Empörung aus. Jedoch werden jedes Jahr
von der Öffentlichkeit unbemerkt Hunderte Löwen von Jägern legal
getötet. Tansania ist eine der letzten Hochburgen für Löwen -
gleichzeitig ist das Land ein Hauptreiseziel für Löwenjäger. Studien
zeigen, welche negativen Auswirkungen die Großwildjagd dort in den


letzten 30 Jahren hatte. Und obwohl die Tiere bedroht sind, können
Jäger die Trophäen auch in die EU importieren, sofern die EU-Behörden
dies genehmigen. Neben der USA ist die EU Hauptabsatzmarkt für
Löwentrophäen.

Auch der amerikanische Löwenforscher Professor Craig Packer, mit
dem NABU Internatioal in Tansania an einem Löwenschutzprojekt
zusammenarbeitet, betonte in einem Brief an die EU-Behörden die
starke Abnahme der tansanischen Löwenpopulationen und fordert deshalb
ebenfalls ein umgehendes Einfuhrverbot tansanischer Jagdtrophäen.

Hintergrund:

· Löwen sind durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen
(CITES) international geschützt. Eine Einfuhr in die EU ist nur mit
Genehmigung der zuständigen Behörde des Einfuhrstaates möglich. Diese
muss laut EU-Artenschutzverordnung unter Berücksichtigung von
Entscheidungen der "Wissenschaftlichen Prüfgruppe" (Scientific Review
Group - SRG), der alle EU-Staaten angehören, bescheinigen, dass die
Einfuhr den Erhaltungsstatus der Art oder das Verbreitungsgebiet der
Population nicht beeinträchtigt.

· Jäger haben es insbesondere auf erwachsene männliche Tiere im
besten Fortpflanzungsalter abgesehen. Sie schießen die für den Erhalt
der Population wichtigsten Tiere und betreiben eine unnatürliche
Selektion, die fatale Folgewirkungen für den Bestand hat: Wenn der
Anführer eines Rudels getötet wird, übernimmt ein neues Männchen das
Rudel und tötet den Nachwuchs seines Vorgängers, um seine eigenen
Fortpflanzungschancen zu erhöhen.

· Jagdbefürworter rechtfertigen die Jagd als wichtigen
Devisenbringer, der einen Beitrag zum Schutz bedrohter Arten leiste.
Verschiedene Studien widerlegen dies allerdings. In Tansania
kritisieren Verbände zudem seit Jahren, dass die Landbevölkerung kaum
an den Jagderlösen beteiligt wird und dass gerade in Jagd und
Naturschutz massive Korruption herrscht.

· Im Mai 2015 wurde bekannt, dass Tansanias Elefantenbestände in
fünf Jahren um 60 Prozent zurückgegangen waren. Tansanias Regierung
hatte die Bestandszählungen zuvor monatelang zurückgehalten.

· Bedrohte Rote Liste bedrohter Arten der IUCN zum Afrikanischen
Löwen: http://www.iucnredlist.org/details/full/15951/0

Pressefotos zu Löwen kostenfrei unter: https://www.nabu.de/presse/
pressebilder/fotos-international.html#tansania



Pressekontakt:
NABU International: Dr. Barbara Maas, Leiterin Internationaler
Artenschutz, Mobil +44 (0)7970.98 77 42, E-Mail: barbara.maas@NABU.de

Pro Wildlife: Daniela Freyer, Pro Wildlife e.V., Tel. 089-81299 507,
E-Mail: daniela.freyer@prowildlife.de

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Datum: 17.09.2015 - 15:30 Uhr
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