Roland Berger-Restrukturierungsstudie: Trügerische Ruhe? - Digitalisierung und andere Faktoren gefÃ

Roland Berger-Restrukturierungsstudie: Trügerische Ruhe? - Digitalisierung und andere Faktoren gefährden Geschäftsmodelle und lassen künftig mehr Restrukturierungsfälle erwarten

ID: 1266040
(ots) -

- Schwächere Konjunktur in China und Europa, niedrige Rohstoffpreise
und Finanzierungskosten bergen Risiken für deutsche Firmen
- Zusätzlich setzen Digitalisierung, Marktkonsolidierung und
regulatorische Veränderungen Unternehmen stark unter Druck
- Automobilindustrie, Energiewirtschaft und Finanzsektor am stärksten
vom Wandel betroffen
- Unternehmensrestrukturierungen und -finanzierungen werden dabei
immer komplexer
- Neben klassischer Restrukturierungsexpertise sind
Branchenverständnis sowie Komplexitäts- und Stakeholder-Management
künftig noch wichtiger für den Sanierungserfolg

Obwohl sich die deutsche Wirtschaft aktuell stabil zeigt, geben
verschiedene Einflussfaktoren Anlass zur Sorge. Denn die schwächere
Konjunktur in Europa und China, niedrige Rohstoffpreise und das
aktuell noch niedrige Zinsniveau bergen deutliche Risiken für
deutsche Unternehmen. Darauf verweisen Experten von Roland Berger in
ihrer neuen "Restrukturierungsstudie 2015". Die Studie, die auf einer
Umfrage von 1.100 Branchenexperten in Deutschland basiert, zeigt die
wichtigsten Herausforderungen, mit denen deutsche Firmen derzeit
konfrontiert sind.

So sehen 40 Prozent der Studienteilnehmer in der anhaltenden
europäischen Staatsschuldenkrise und dem Abflachen der chinesischen
Konjunktur eine Gefahr für die weitere Konjunkturentwicklung in
Deutschland. 14 Prozent sorgen sich eher um den Fachkräftemangel.

"Deutschland profitiert aktuell immer noch von seinem starken
Exportgeschäft - doch der Schein trügt", warnt Sascha Haghani,
stellvertretender Deutschlandchef von Roland Berger und Leiter des
Competence Center Restructuring & Corporate Finance. "Verschiedene
Faktoren können die positive Entwicklung schnell kippen lassen. Auch
Digitalisierung und disruptive Innovationen sind eine Herausforderung


für etablierte, erfolgreiche Geschäftsmodelle von Unternehmen.
Dementsprechend gehen wir von einer steigenden Zahl der
Restrukturierungsfälle in Deutschland aus."

Digitalisierung, Marktkonsolidierung, regulatorische
Veränderungen: Firmen unter Druck

Deutsche Unternehmen stehen aktuell vor einem wichtigen Wandel,
der je nach Industriebereichen von unterschiedlichen Treibern
beeinflusst wird. So sehen 34 Prozent der Befragten die zunehmende
Digitalisierung als wesentlichen Grund für den Industriewandel in
Deutschland. "Unternehmen aus dem Produktionssektor, wie etwa dem
Automotive-Bereich, aber auch aus der Medienbranche stehen vor der
Herausforderung, ihr Geschäftsmodell schnell anpassen zu müssen. Denn
nur so können sie ihren Marktanteil verteidigen bzw. verbessern",
erläutert Gerd Sievers, Senior-Partner von Roland Berger und Autor
der Studie.

Die schnelle Digitalisierung der Industrie verstärkt so auch den
Wettbewerbsdruck: Etablierte Unternehmen sind mit neuen,
branchenfremden Marktakteuren konfrontiert, die Lösungen aus einer
Hand bieten. So empfindet rund ein Viertel der Studienteilnehmer den
Konsolidierungsdruck als entscheidenden Treiber für den Wandel der
deutschen Wirtschaft.

Doch auch regulatorische Veränderungen spielen in bestimmten
Branchen eine wichtige Rolle (11%): "Sektoren wie die Finanz- und die
Energieindustrie müssen auf neue regulatorische Maßnahmen wie Basel
III oder auf politische Entscheidungen etwa zur Energiewende
reagieren und sich strategisch und operativ entsprechend neu
ausrichten", sagt Haghani. Damit erklärt sich auch, warum fast jeder
zweite Befragte davon ausgeht, dass die Anzahl der Restrukturierungen
in den kommenden zwölf Monaten zunehmen wird.

Sanierung erfordert tiefgreifendes Verständnis für
Geschäftsmodelle

Der erwartete Anpassungsbedarf spiegelt sich auch im
Restrukturierungsfokus wider. Unternehmen wollen vor allem flexibler
und effizienter werden, um auf Kundenwünsche und neue
Marktanforderungen schneller reagieren zu können. Um dies zu
erreichen, passen sie in erster Linie ihre Geschäftsmodelle an (16%)
daneben optimieren sie Organisations- und Ablaufprozesse (12%) und
führen Kostensenkungs- und Effizienzsteigerungsprogramme (11%) durch.
Somit wird für Sanierungen ein tiefgreifendes Verständnis von
Geschäftsmodellen sowie deren Anpassung immer wichtiger.

Fast 60 Prozent der Studienteilnehmer gehen außerdem davon aus,
dass Unternehmensrestrukturierungen immer umfangreicher und komplexer
werden. Denn neue Gesetze und Regularien verschärfen die
Anforderungen an Unternehmen. "Ein gutes Beispiel ist das Gesetz zur
weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen ESUG", sagt
Haghani. "Die neuen Regeln bieten zwar mehr Handlungsflexibilität bei
Insolvenzen, erhöhen aber auch die rechtliche Komplexität, zum
Beispiel wenn es zu gerichtlichen Sanierungen kommt."

Komplexitäts- und Stakeholder-Management wichtig

Ein weiterer Komplexitätstreiber ist weiterhin die
Finanzierungsseite bei der Restrukturierung. Die Zunahme von
Finanzierungsinstrumenten und -parteien erfordert die Ausarbeitung
eines gut durchdachten Konzeptes. "Besonders problematisch ist dabei
das Stakeholder-Management", erklärt Sievers. "Denn in den meisten
Fällen müssen die Interessen verschiedener Geldgeber unter einen Hut
gebracht werden." Zudem haben Firmen umfangreichere Berichtspflichten
gegenüber ihren Finanziers. Mehr Transparenz soll Unternehmen dabei
helfen, potenzielle Risiken früh zu erkennen und Bedenken innerhalb
der Firma gegenüber einer Restrukturierung einfacher aus dem Weg zu
räumen.

"Um all diese Herausforderungen meistern zu können, brauchen
Restrukturierungsverantwortliche ein tiefes Branchenverständnis und
Weitblick für die notwendigen Anpassungen des Geschäftsmodells",
fasst Haghani zusammen. "Nur so ist neben der operativen
Restrukturierung mit einem individuellen Finanzierungskonzept auch
eine nachhaltige strategische Neuausrichtung erfolgreich umsetzbar."

Die Studie können Sie kostenlos herunterladen unter:
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