Westfalen-Blatt: zu Syrien
ID: 1267583
Pause. Russland bietet sich dem Westen als Partner im Kampf gegen den
»Islamischen Staat« (IS) an und verfolgt dabei eigene Interessen.
Wladimir Putin will den syrischen Diktator Assad unbedingt an der
Macht halten, weil der Herrscher von Damaskus den Russen Präsenz im
Nahen Osten und die einzige Militärbasis im Mittelmeer garantiert -
zumindest so lange, wie er den westlichen Rest des syrischen Staates
halten kann. Dabei hilft ihm Putin mit Waffen und Soldaten - und
schafft militärische Fakten. Das Angebot des Kremls an den Westen und
seine Verbündeten klingt simpel: Wir helfen Euch beim Krieg gegen IS,
wenn Assad dafür syrischer Präsident bleibt. Bevor die USA auf diesen
Deal eingehen können, müssen sie mit ihren sunnitischen Partnern in
der muslimischen Welt verhandeln. Saudi-Arabien und die Türkei wollen
den Alawiten Assad, dessen Glaubensrichtung ein schiitischer Ableger
ist, loswerden. Denn der Kern des Konflikts ist der inner-islamische
Kampf zwischen Sunniten und Schiiten, zwischen den Regionalmächten
Saudi-Arabien und Iran. Dass die USA und Großbritannien, die durch
ihren Irak-Feldzug den IS erst möglich gemacht haben, zögerlich auf
Putins Vorstoß reagieren, ist nachvollziehbar. Der Westen muss
skeptisch sein, weil die Folgen eines Pakts mit Putin und Assad
schwer abzuschätzen sind und beiden nicht vertraut werden kann. Syrer
fliehen eben nicht nur vor IS-Terror, sondern auch vor Assads
Fassbomben, die er auf die eigene Bevölkerung werfen lässt. Putin zu
unterstützen ginge nur unter Bedingungen, zum Beispiel Flugverbote
für syrische Kampfjets, um die Bombardierung von Zivilisten zu
verhindern. Aber was könnte die Alternative dazu sein, Assad vorerst
zu stützen? In seinem Restsyrien befinden sich die großen Städte, in
denen 75 Prozent der Bevölkerung leben. Der Westen sollte aus seinen
Fehlern in Libyen und im Irak sowie aus der naiven Einschätzung des
vermeintlichen »Arabischen Frühlings« lernen: Nach Stürzen der
Gewaltherrscher hat sich die Lage weiter verschlechtert - und die
Fluchtwelle ausgelöst. Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen:
Alles nach Assad würde die Situation noch schlimmer machen, als sie
ist, weil Islamisten in Syrien an die Macht kämen. Eine
Anti-IS-Allianz aus Russland, den USA, Saudi-Arabien und Iran scheint
unvorstellbar, weil die verfeindeten Staaten gegensätzliche
geostrategische Interessen haben. Natürlich geht es Putin nicht
darum, den IS zu besiegen und die Ursachen der Flüchtlingsströme zu
bekämpfen. Russlands Präsident will wieder auf der Weltbühne
mitbestimmen. Putin zurück auf das diplomatische Parkett zu holen
hätte also seinen Preis. Und den darf am Ende nicht die Ukraine
bezahlen.
Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 - 585261
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 25.09.2015 - 21:00 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1267583
Anzahl Zeichen: 3169
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Bielefeld
Kategorie:
Außenhandel
Diese Pressemitteilung wurde bisher 344 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Westfalen-Blatt: zu Syrien"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Westfalen-Blatt (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Der international renommierte Jazz-Trompeter Till Brönner befürchtet, dass Politik und Gesellschaft nichts aus der Zeit der Corona-Pandemie gelernt haben. "Das Erste, was wir tun, wenn es eng wird, ist ausgerechnet unsere DNA, nämlich die Kultur- und die Veranstaltungsbranche und die, die un
34 Polizeischüsse: Autofahrer gelähmt, Ermittlungen eingestellt ...
Die 34 Schüsse, die Polizisten vor zwei Jahren in Bad Salzuflen auf einen Audi und seinen Fahrer (19) abgegeben hatten, bleiben ohne strafrechtliche Folgen - es wird keinen Prozess geben. Die Staatsanwaltschaft Detmold hat nach WESTFALEN-BLATT-Informationen das Verfahren gegen die beiden Herforder
NRW: Polizei überwacht afghanischen Sexualtäter ...
Im Kreis Herford (NRW) wird ein afghanischer Sexualstraftäter in Absprache mit dem Landeskriminalamt "engmaschig" von der Polizei überwacht. Der 24-Jährige, der als rückfallgefährdet gilt, hatte nach einer Sexualtat eine Haftstrafe von drei Jahren und acht Monaten verbüßt und war in
Weitere Mitteilungen von Westfalen-Blatt
neues deutschland: Grünen-Politiker Cremer: Assad "entscheidender Geburtshelfer" für Krieg in Syrien ...
Für den Außenpolitiker Uli Cremer (Grüne) trägt der syrische Präsident Baschar Assad einen Großteil der Verantwortung für den Krieg in dem arabischen Land. "Entscheidender Geburtshelfer für den Aufstand und die Bewaffnung der syrischen Opposition war sicher das Assad-Regime selbst und
phoenix Thema: Gefahr für "Made in Germany" - Montag, 28. September 2015, 10.45 Uhr ...
Inwieweit belastet der VW-Skandal den Ruf und das Image der deutschen Industrie? Diese Frage beleuchtet das phoenix Thema Gefahr für "Made in Germany". Im Studio spricht Moderator Stephan Kulle mit dem Marketingexperten Claudio Montanini. ARD- und ZDF-Korrespondenten in China, de
Flüchtlingskrise in Europa/ Prälat Dutzmann, Bischof Dröge und Diakoniepräsident Lilie reisen nach Griechenland und Italien ...
Vom 27. bis 30. September 2015 werden sich Prälat Dr. Martin Dutzmann, Bevollmächtigter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bei der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union, Dr. Markus Dröge, Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Ober
phoenix-Live: Reden von Obama, Xi Jinping und Putin vor der UN-Vollversammlung - Montag, 28. September 2015, 16.00 Uhr ...
Ab Montag tagt die 70. Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York. phoenix zeigt unter anderem die Reden von US-Präsident Barack Obama, von Chinas Präsident Xi Jinping und von Russlands Präsident Wladimir Putin ab 16 Uhr live. Zeitversetzt im Programm ist die Ansprache von UN-Generals




