Preisexplosion bei Wohncontainern für Flüchtlinge belastet Kommunen
ID: 1269657
Monaten sind die Preise von Wohncontainern für Flüchtlinge explodiert
und haben sich teils vervielfacht. Das ergaben Recherchen von NDR
Info in fast 20 Kommunen und Bundesländern, vor allem in
Norddeutschland. Kommunen bezeichnen die Preispolitik mancher
Container-Hersteller und Händler als "frech", "unanständig" und
"verantwortungslos". Weil zudem die Lieferzeiten für Container oft
auf sechs bis acht Monate gestiegen sind, weichen Städte und
Gemeinden inzwischen auf teure, aber nachhaltigere Alternativen aus,
was ihre Haushalte aber zusätzlich belastet. Dabei seien die Kassen
der Kommunen durch die hohe Zahl der unterzubringenden Flüchtlinge
bereits "bis an die Oberkante ausgelastet", so der Sprecher des
Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes, Thorsten Bullerdieck:
"Eine schwarze Null ist für fast keinen mehr zu realisieren, in
diesem und wahrscheinlich auch im nächsten Jahr."
Besonders drastische Erfahrungen machte das niedersächsische
Wunstorf bei einer Ausschreibung im April. Ein Händler hatte den
Preis von Mietcontainern für eine Flüchtlingsunterkunft innerhalb
weniger Monate auf knapp 500.000 Euro verdreifacht, andere Bieter
lagen noch darüber. Stadtsprecher Hendrik Flohr bezeichnete es als
"verantwortungslos, dass versucht wird, aus dieser Situation im
Moment derartig Kapital zu schlagen". Auch der Niedersächsische
Städte- und Gemeindebund berichtet von Steigerungen um das Fünf- bis
Zehnfache und "unverschämten Preisen", so Sprecher Bullerdieck. Es
gebe schwarze Schafe mit "frechen" Angeboten weit über normalen
Marktpreisen, sagte eine Sprecherin der Hansestadt Lübeck, weshalb
man versuche, Containerbauten zu vermeiden: "Wir werden nicht zu
horrenden Preisen abschließen, wir lassen uns nicht unter Druck
setzen". Auch Hannover registrierte stark erhöhte Preise bei
einzelnen Firmen, es gebe aber noch "faire Angebote". Städte wie
Hamburg und das nahegelegene Norderstedt haben sich über
Rahmenverträge mit Herstellern stabile Preise gesichert. Niederkassel
nahe Bonn und Immenstaad am Bodensee berichteten von
Preissteigerungen um 50 Prozent innerhalb kurzer Zeit. Einer der von
Kommunen genannten Hersteller, die fränkische KB Container, räumte in
einem konkreten Fall eine Erhöhung um ein Drittel innerhalb eines
Jahres ein und begründete dies unter anderem mit gestiegenen Kosten.
Zudem schrieb der Geschäftsführer der Firma auf Anfrage von NDR Info:
"Der zu erzielende Preis richtet sich nach Angebot und Nachfrage.
Sicher ist die Nachfrage im Moment sehr hoch."
Wegen der Preisexplosion und langer Lieferzeiten von oft sechs bis
acht Monaten für Container weicht man vielerorts inzwischen auf
Alternativen aus. Hannover und Pinneberg etwa planen Unterkünfte in
Holzbauweise, die auch länger und flexibler nutzbar seien. Preislich
gebe es dabei kaum mehr einen Unterschied, heißt es aus dem
schleswig-holsteinischen Amt Itzstedt, das sich ebenfalls für einen
Neubau in Holz entschieden hat. Auch Bremen erwägt, von
Stahlcontainern auf Holzrahmenbau umzusteigen. Wunstorf will jetzt
unter anderem Ferienwohnungen anmieten. Kommunen wie Pinneberg, Mölln
oder Kaltenkirchen finden noch bezahlbare Mietwohnungen. Andere
versuchen, mit der Nutzung leer stehender Altenheime oder
Gewerbegebäude den ursprünglich erwogenen Bau von
Containerunterkünften zu vermeiden.
Redaktionelle Rückfragen: NDR Info/ Reporterpool, Peter Hornung,
Tel. 040/4156-2887.
Pressekontakt:
Norddeutscher Rundfunk
Presse und Information
Ralph Coleman
Tel: 040-4156-2302
http://www.ndr.de
https://twitter.com/ndr
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 01.10.2015 - 01:00 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1269657
Anzahl Zeichen: 4075
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Hamburg
Kategorie:
Kommune
Diese Pressemitteilung wurde bisher 472 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Preisexplosion bei Wohncontainern für Flüchtlinge belastet Kommunen"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
NDR Norddeutscher Rundfunk (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Startschuss für VEREINt im Norden 2026: Im Mittelpunkt der diesjährigen NDR Publikumsaktion stehen Vereine, Initiativen und Projekte, die Jung und Alt zusammenbringen und damit den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken. Unter dem Motto „Zusammen stärker – Vereine, die Generationen verbinde
Einladung zum Gespräch: NDR DialogBus „Für uns in MV“ für drei Monate auf Tour ...
Was beschäftigt die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern? Um möglichst viele Perspektiven einzufangen, ist der NDR DialogBus von Samstag, 6. Juni, bis Samstag, 29. August, in ganz Mecklenburg-Vorpommern unterwegs. An über 20 Stationen – von Gadebusch über Waren (Müritz) bis Strasburg (Uckermark
Investigative „team.recherche“-Doku von NDR und WDR zeigt das Netzwerk des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein in Europas Modelbranche ...
Mit der Aussicht auf eine große Modelkarriere fängt es an: Ein Modelscout spricht eine junge Frau an, macht Komplimente und prahlt von seinen Kontakten zu einflussreichen Branchengrößen. Was nach einer großen Chance klingt, ist für einige junge Frauen offenbar der Beginn eines Albtraums. Sie g
Weitere Mitteilungen von NDR Norddeutscher Rundfunk
Stuttgarter Nachrichten: Kita-Streiks ...
Die Einigung liegt nur neun Millionen Euro über dem Schlichter-Ergebnis - macht bei 240 000 Beschäftigten im Schnitt ein Plus von 3,12 Euro pro Kopf im Monat. Und das Kernproblem bleibt: die Aufwertung der Sozial- und Erziehungsberufe. Erzieherinnen haben eine vierjährige Ausbildun
Für bezahlbare kommunale Wohnungen: Mehr Standardisierung, gegen kostentreibende Standards, mehr Flexibilität in Ausschreibung und Vergabe, ...
"Mit der Aufstockung der Bundeszuweisungen für den Wohnungsbau um jeweils 500 Mio. Euro für die Jahre 2016 bis 2019 geht der Bund einen wichtigen Schritt für eine bedarfsgerechte Unterbringung der Flüchtlinge". Das erklären die Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemei
Umsetzung, Kosten und Regulierung - Strommarktdesign enttäuscht ...
Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) hat am 14. September mit dem Referentenentwurf zum Strommarktgesetz einen weiteren Schritt zur Reform des Strommarkts gemacht. Heute endet mit Abgabe der Stellungnahmen die Verbändeanhörung. Dazu Katherina Reiche, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes k
Stuttgarter Nachrichten: Unterbringung von Flüchtlingen getrennt nach Religion oder Herkunftsland ...
Eine Getrennt-Unterbringung weist den Weg in Teufels Küche. Denn sie signalisiert: Willkommen ist in Deutschland auch, wer Konflikte einschleppt. Wer deutsches Recht und seine Schicksalsgenossen mit Füßen tritt. Diese Klientel hat hier aber nichts zu suchen. Zumal sie in Zukunft so wenig wie




