Roland Berger-Studie: Kfz-Versicherer müssen sich neu erfinden - deutliche Marktkonsolidierung bis 2030
ID: 1275211
- Branchenfremde Akteure wie Automobilhersteller,
Internet-/Hightech-Giganten, Vergleichsportale und FinTechs setzen
Branche zunehmend unter Druck
- Kfz-Versicherer stehen bei Digitalisierung erst am Anfang
- Vernetze Autos liefern wertvolle Kundendaten
- teilautonomes Fahren reduziert Prämieneinnahmen signifikant
- Versicherer sollten permanentes Innovationsmanagement betreiben
- Kooperationen und Partnerschaften werden entscheidend für den
Markterfolg
Deutsche Kfz-Versicherer stehen vor einer großen Herausforderung.
Denn Vergleichsportale, neue Geschäftsmodelle wie Carsharing, das
vernetzte Fahrzeug und die zunehmende Verbreitung von
Fahrzeugassistenzsystemen bis hin zum teilautonomen Fahren verändern
schrittweise die traditionellen Marktregeln der eher konservativen
Branche. Einige Autoversicherer haben zwar bereits begonnen, mit
Einzelinitiativen ihr Geschäftsmodell digitaler und stärker
kundenorientiert auszurichten. Dem Großteil fehlt aber noch eine
strategische Zielvorstellung für ihr künftiges Geschäftsmodell unter
den veränderten Marktbedingungen.
In ihrer neuen Studie "Geschäftsmodell der Kfz-Versicherung im
Umbruch" analysieren die Versicherungsexperten von Roland Berger,
Jürgen Thiele und Dr. Carsten Schmidt-Jochmann, die Treiber des
künftigen Kfz-Versicherungsmarkts und deren Auswirkungen auf das
Geschäftsmodell. Zudem geben sie Empfehlungen, wie Versicherer darauf
reagieren sollten, um weiterhin erfolgreich zu sein. Die Studie
basiert auf Gesprächen mit rund 30 Top-Entscheidern aus dem deutschen
Kfz-Versicherungsmarkt.
"Veränderte Kundenpräferenzen und die zunehmende Digitalisierung
rund um das Thema Mobilität werden die Versicherungslandschaft
deutlich verändern", sagt Jürgen Thiele, Partner von Roland Berger.
"Unter dem Druck, neue innovative Geschäftsmodelle zu entwickeln und
effizienter zu werden, werden einige deutsche Versicherer in Zukunft
vom Markt ausscheiden." Diese Einschätzung bestätigt auch die Roland
Berger-Befragung: Knapp 60 Prozent der Entscheider rechnen bis 2030
mit einer starken Marktkonsolidierung. 1997 haben noch 132
Versicherungsunternehmen in Deutschland Kfz-Versicherungen angeboten,
2013 waren es nur noch 96 und bis 2030 wird diese Zahl nochmals
spürbar sinken.
Kooperationsfähigkeit wird zur Schlüsselkompetenz
Durch die zunehmende Vernetzung von Fahrzeugen werden
Automobilhersteller (OEMs) künftig zahlreiche Daten zu Fahrverhalten
oder Defekten sammeln und neue Produkte sowie Dienstleistungen auf
den Markt bringen können. Für Kfz-Versicherer sind solche
Informationen etwa über Schadenereignisse oder Pannen ebenfalls
wettbewerbsrelevant, zumal die zunehmende Ausstattung mit Sensoren
oder Assistenzsystemen in den kommenden Jahren die Anzahl an Unfällen
und Schäden reduzieren und in der Folge zu rückläufigen
Prämieneinnahmen bei den Versicherern führen wird. "Der Wettlauf um
Kunden und Daten wird durch attraktive Angebote für den Kunden
entschieden", sagt Dr. Carsten Schmidt-Jochmann, Principal bei Roland
Berger. "Doch beim vernetzten Kfz sitzen die Automobilhersteller im
Fahrersitz."
Versicherer müssen daher attraktive Angebote entwickeln, damit
Kunden bereit sind, ihre Daten zu teilen. Ansonsten laufen sie
Gefahr, in eine permanente Abhängigkeit von OEMs oder anderen
branchenfremden Akteuren zu geraten. Bis 2030 erwarten die befragten
Branchenexperten für Telematik-basierte Kfz-Versicherungen einen
Marktanteil von über 20 Prozent - davon ein großer Teil von
branchenfremden Anbietern. Insbesondere der zunehmende Abschluss von
Policen über Vergleichsportale setzt die Kfz-Versicherer unter Druck.
Darüber hinaus stellt das wachsende Angebot von FinTech-Unternehmen
ein noch schwer einzuschätzendes Bedrohungspotential für die
Versicherungsbranche dar. Versicherer werden künftig stärker auf
Kundenwünsche eingehen müssen und dabei verstärkt mit
Kooperationspartnern zusammenarbeiten müssen, um Produkte und
Dienstleistungen schnell und einfach on- und offline verfügbar zu
machen.
Innovationsmanagement als Teil des Geschäftsmodells
Um auf neue Wettbewerber und deren innovative Geschäftsmodelle
reagieren zu können, müssen Versicherer aktives und dauerhaftes
Innovationsmanagement betreiben. Mehr als die Hälfte der für die
Roland Berger-Studie Befragten ist der Meinung, dass zukünftig ein
fester Anteil von zwei bis drei Prozent der Kfz-Prämieneinnahmen in
Forschung & Entwicklung investiert werden wird. Den digitalen Wandel
verfolgen deutsche Versicherer aktuell mit unterschiedlichen
Ansätzen: Etwa 30 Prozent der Befragten haben bereits Gesellschaften
für Innovationsmanagement gegründet. Rund zehn Prozent kooperieren
oder betreiben eigene Inkubatoren oder Innovationslabs, um das eigene
Geschäftsmodell mit neuen Ideen und Ansätzen weiterzuentwickeln.
Darüber hinaus sollten die Unternehmen einen kulturellen Wandel
vollziehen. "Eine Kultur des 'ausgesteuerten Scheiterns' ist nötig",
sagt Jürgen Thiele. Das heißt, es werden gezielt mehrere
Innovationsansätze gestartet und ausprobiert. Die, die funktionieren,
werden fortgeführt, die anderen werden wieder 'ausgesteuert', also
gestoppt. Das steigert die Agilität, um im digitalen
Wettbewerbsumfeld künftig erfolgreich zu bestehen. "Gewinner werden
die Versicherer sein, die bereits heute bereit sind, in die
erforderlichen Innovationen und Anpassungen ihres Geschäftsmodells zu
investieren", fasst Thiele zusammen. "Die Erschließung neuer
Umsatzquellen in angrenzenden Geschäftsfeldern wird sich fortsetzen.
Kooperationen und Partnerschaften mit Firmen außerhalb der
Versicherungsbranche sind deshalb ein entscheidender Erfolgsfaktor."
Die Studie können Sie herunterladen unter:
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Datum: 14.10.2015 - 09:14 Uhr
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