1041 Bäder dicht oder akut von Schließung bedroht / Das Bad um die Ecke gibt es nicht mehr - DLRG begrüßt Sanierungsprogramm des Bundes
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2015 in Deutschland 371 Bäder geschlossen worden. Weitere 670 Bäder
sind akut von der Schließung bedroht. Im gleichen Zeitraum wurden nur
21 Bäder neu gebaut und 90 saniert. Diese Zahlen gab jetzt die
Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Bad Nenndorf bekannt.
In den vergangenen acht Jahren wurden im Durchschnitt 46 Bäder pro
Jahr geschlossen. Besonders hart traf es die Hallenbäder. Von den 371
Bäderschließungen waren 223 Hallenbäder, die die Träger der
allgemeinen Schwimm- und Rettungsschwimmausbildung, des
Schulschwimmens und des leistungsorientierten Schwimmens, des
Sporttauchens und anderer Wassersportarten sind. Von den 7.784
Bädern, die die Sportstättenstatistik in Jahr 2002 ausgewiesen hat,
sind aktuell 13% geschlossen worden oder von der Schließung akut
bedroht. "Die Ausdünnung der Bäderlandschaft muss endlich aufhören",
richtet DLRG-Präsident Hans-Hubert Hatje einen Appell an Städte und
Gemeinden, finanzpolitisch umzudenken und auch über den eigenen
Tellerrand hinauszublicken. Besonders problematisch stelle sich die
Situation in den ländlichen Regionen dar.
Von dem Abbau sind neben den Hallenbädern auch 89 Freibäder, 23
Lehrschwimmbecken, vier Kombibäder, zehn Spaßbäder sowie je zwei
Naturfreibäder und Thermen geschlossen worden. Akut von der
Schließung bedroht sind zudem 291 Freibäder, 255 Hallenbäder, 51
Lehrschwimmbecken, 19 Spaß- und 20 Kombibäder. Vor diesem Hintergrund
begrüßt die DLRG das Sanierungsprogramm für kommunale Einrichtungen
des Bundesbauministeriums, bis zum Jahr 2018 insgesamt 100 Millionen
Euro zur Verfügung zu stellen. Hatje: "Städte und Gemeinden müssen
nun ihre Anträge auf Fördermittel stellen, denn auch Bäder gehören zu
den kommunalen Einrichtungen." Bis zum 13. November haben sie Zeit.
Auch wenn dies lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein sei. Diese
ausschließlich vom Sparzwang geleitete Politik zeige mittlerweile
verheerende Auswirkungen. Die Zahl der schwimmfähigen
Grundschulabgänger geht stetig zurück.
"50% sind keine sicheren Schwimmer mehr, 25% der Grundschulen
haben gar keinen Zugang mehr zu einer Schwimmhalle und die
Wartezeiten auf einen Platz im Schwimmkurs bei privaten
Ausbildungsorganisationen wie der DLRG dauert zwischen ein und zwei
Jahren. In ländlichen Regionen ist die Lage besonders problematisch",
skizziert der DLRG-Präsident die aktuelle Lage. "Die Daseinsvorsorge
ist neben der Sicherheit der Bürger eine originäre staatliche
Aufgabe. Diese müssen wir gemeinsam einfordern und Bund, Länder und
Kommunen in die Pflicht nehmen", zeigt sich Hatje kämpferisch. Die
Medienberichte machen deutlich, dass sich die Bürger zunehmend gegen
Schließungsabsichten zur Wehr setzen. Eine repräsentative
Emnid-Umfrage im Auftrag der DLRG zeigt, dass 87% der Bundesbürger
das Bad wichtig oder sehr wichtig ist.
Die meisten Bäderschließungen gab es im untersuchten Zeitraum mit
102 in Nordrhein-Westfalen (NRW). 48 Bäder wurden in Bayern dicht
gemacht, 46 in Hessen, 45 in Baden-Württemberg, 40 in Niedersachsen
und 31 in Rheinland-Pfalz. Von der Schließung bedroht sind weiter 164
Bäder in NRW, 104 in Niedersachsen, 74 in Bayern, 70 in
Baden-Württemberg, 62 in Hessen und 43 in Rheinland-Pfalz. In den
neuen Bundesländern wurden 27 Badeanstalten seit 2007 dauerhaft
geschlossen, weitere 81 Bäder sind bedroht.
Auch die das Schwimmen ausbildenden Vereine leiden unter den
Bäderschließungen. Mehrere DLRG-Ortsgruppen haben sich in den
vergangenen Jahren bereits aufgelöst und zahlreiche weitere leiden
unter drastisch sinkenden Mitgliederzahlen, die ihre Existenz
gefährden.
Pressekontakt:
Achim Wiese, Pressesprecher der DLRG e.V., Telefon: 05723-955441 oder
mobil 0170-909 6107, achim.wiese@bgst.dlrg.de
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Datum: 19.10.2015 - 11:00 Uhr
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