Börsen-Zeitung: Quantitative Verlockung, Kommentar zur EZB von Mark Schrörs
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in den vergangenen Jahren immer wieder für eine Überraschung gut
gewesen. Für das morgige Treffen auf Malta herrscht indes - nicht
zuletzt nach den gestrigen Ergebnissen der neuen Umfrage zur
Kreditvergabe in Euroland - die fast einhellige Erwartung vor, dass
die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Politik nicht lockern wird. Zu
Recht. Es gibt jede Menge gute Gründe, warum die EZB der Verlockung
einer Ausweitung der quantitativen Lockerung (Quantitative Easing,
QE) widerstehen sollte - am Donnerstag und darüber hinaus.
Zum einen haben ohne Frage die Risiken für Wachstum und Inflation
zugenommen. Bislang aber präsentiert sich die Euro-Wirtschaft relativ
widerstandsfähig, und in China scheint die Lage nicht so düster zu
sein wie im Sommer oft befürchtet. Wenn das Euro-Wachstum im
Schlussquartal minimal schwächer ausfallen sollte, ist das jedenfalls
kein Grund, gleich die Keule "QE2" auszupacken. Gleiches gilt für die
Inflation. Natürlich ist das Absacken auf -
unschön. Grund dafür ist aber der gesunkene Ölpreis. Wenn es nicht
mit dem Teufel zugeht, sollte die Rate nun allein wegen Basiseffekten
anziehen. Bis das EZB-Ziel von knapp 2
wohl länger als gehofft. Aber auch das ist kein Anlass für eine
Überreaktion. Auf jeden Fall ist die niedrige Inflation nicht gleich
"besorgniserregend", wie Spaniens Notenbankchef Luis María Linde
gestern sagte. Die EZB sollte die Lage nicht schwärzer malen, als sie
ist. Das führt nur zu Attentismus.
Zum anderen ist zweifelhaft, was mehr QE bringen würde. Die
Kapitalmarktzinsen sind bereits extrem niedrig. Ob die EZB den Euro
noch einmal deutlich drücken kann, ist fraglich - weltweit verspürt
derzeit keiner Lust auf Aufwertung seiner Währung. Und für die
Inflation sind aktuell die Rohstoffpreise entscheidend. Eine
vorschnelle Lockerung kann auch rasch zum Zeichen der Hilflosigkeit
werden.
Statt dem aktuellen Flirt mit mehr QE Taten folgen zu lassen,
sollten die EZB-Granden noch viel expliziter als bislang die Politik
in die Pflicht nehmen. Strukturreformen sind das Gebot der Stunde.
Sollte es Impulse für die Nachfrage brauchen, ist die Fiskalpolitik
gefragt. Zukunftsgerichtete Investitionen könnten ein Mittel sein.
Der Blick darf nicht immer nur Richtung EZB und Geldpolitik gehen.
Wenngleich das Management der Markterwartungen aktuell eine große
Herausforderung ist, sollte die EZB jegliche Vorfestlegung auf mehr
QE vermeiden: Die EZB darf nicht vollends zur Getriebenen der Märkte
werden. Das wäre verheerend.
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Datum: 20.10.2015 - 20:55 Uhr
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