Gröhes Notdienstgesetz gefährdet Überleben der Arztpraxen

Gröhes Notdienstgesetz gefährdet Überleben der Arztpraxen

ID: 1280264
(ots) - Die medizinische Notfallbehandlung ist aus den
Fugen geraten. Sogenannte Portalpraxen an Kliniken als erste
Anlaufstelle für Notfallpatienten sollen es richten und die
niedergelassenen Ärzte sollen das bezahlen. So will es
Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe gesetzlich verankert haben.
Für die Freie Ärzteschaft (FÄ) ist das völlig inakzeptabel. "Mit den
Portalpraxen wird die morbiditätsbedingte Gesamtvergütung der
niedergelassenen Ärzte ausgeräubert", kritisierte Dr. Silke Lüder,
Vizevorsitzende der FÄ, am Montag in Hamburg. "Die Regierung lässt
keine Gelegenheit verstreichen, die freiberuflichen Ärzte und die
ambulante Medizin weiter ausbluten zu lassen."

Nach dem Willen der Politik sollen die Kassenärztlichen
Vereinigungen dafür sorgen, dass parallel zu den Klinikambulanzen
solche Portalpraxen in den Kliniken entstehen, die echte und
"unechte" Notfälle sortieren. "Die Behandlungen dort müssen die
Kassen aber zusätzlich bezahlen", fordert FÄ-Vorsitzender Wieland
Dietrich. "Die morbiditätsbedingte Gesamtvergütung darf nicht
angetastet werden. Sie finanziert die ambulante Medizin in den
Arztpraxen - und das ohnehin schon mehr schlecht als recht." Außerdem
müsse das Prinzip der gleichen Honorierung für Notfallbehandlungen in
Praxen und Klinken gelten, da die Patienten identisch behandelt
würden. Und Dietrich gibt zu bedenken: "Die Portalpraxen verstoßen
gegen das Prinzip ambulant vor stationär und verteuern die Medizin
durch Initiierung unnötiger Krankenhausaufenthalte."

FÄ-Vize Lüder stellt fest: "Die Lobby der großen, international
agierenden Klinikkonzerne hat sich offensichtlich bei der Politik
durchgesetzt. Die Kliniken wollen sich eine lukrative Einnahmequelle
erschließen." Dass dies zulasten der Arztpraxen gehen könnte, davor
hat die Freie Ärzteschaft schon beim vergangenen Ärztetag im Mai in


Frankfurt am Main gewarnt. Im Gespräch seien nun 128 Euro pro
ambulanten Notfall in der Klinik. "Die Rechnung", so Lüder, "ist ganz
einfach: Je mehr Patienten mit medizinischen Notfällen - die häufig
auch in der Regelversorgung behandelt werden könnten - in die
Portalpraxen an den Kliniken strömen, desto mehr Geld fließt aus dem
gedeckelten Topf der Arztpraxen in die Kliniken." Schon in den
vergangenen Jahren seien steigende Kosten in den Klinikambulanzen
über den Weg der Regelleistungsvolumina zulasten der ambulanten
Medizin in den Arztpraxen gegangen.

Über die Freie Ärzteschaft e.V.

Die Freie Ärzteschaft e. V. (FÄ) ist ein Verband, der den
Arztberuf als freien Beruf vertritt. Er wurde 2004 gegründet und
zählt heute mehr als 2.000 Mitglieder: vorwiegend niedergelassene
Haus- und Fachärzte sowie verschiedene Ärztenetze. Vorsitzender des
Bundesverbandes ist Wieland Dietrich, Dermatologe in Essen. Ziel der
FÄ ist eine unabhängige Medizin, bei der Patient und Arzt im
Mittelpunkt stehen und die ärztliche Schweigepflicht gewahrt bleibt.



Pressekontakt:
Daniela Schmidt, Tel.: 0176 49963803, E-Mail:
presse@freie-aerzteschaft.de

V .i. S. d. P.: Wieland Dietrich, Freie Ärzteschaft e.V.,
Vorsitzender, Gervinusstraße 10, 45144 Essen, Tel.: 0201 68586090,
E-Mail: mail@freie-aerzteschaft.de, www.freie-aerzteschaft.de

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Datum: 26.10.2015 - 11:22 Uhr
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