Börsen-Zeitung: Und sie bewegt sich doch,
Kommentar zur Europäischen Union von Detlef Fechtner
ID: 1280560
Regierungschefs vor dem Sondertreffen über Flüchtlingspolitik
lauschte, dem konnte angst und bange werden um die Europäische Union.
Die larmoyanten Einlassungen des Slowenen Miro Cerar, die
besserwisserischen Ratschläge des Kroaten Zoran Milanovic oder gar
die unerhörte "Was geht es mich an"-Haltung des Ungarn Viktor Orbán!
Viele Stellungnahmen waren schlicht schaurig - und hatten nichts mit
der solidarischen Wertegemeinschaft zu tun, als die sich die EU gerne
präsentiert.
Die öffentlichen Beschuldigungen zeigen allerdings nur ein
unvollständiges Bild. Immerhin gelang es nämlich jenen
Regierungschefs, die sich zum Auftakt der Beratungen noch halsstarrig
und streitsüchtig gegeben hatten, im Laufe des Abends, sich
zusammenzuraufen - und gemeinsam mit ihren Amtskollegen ein
Maßnahmenpaket auf den Weg zu bringen, das sogar noch umfangreicher
ausgefallen ist als erwartet. Zwar blieb der große Wurf aus, aber
eben auch der große Knall. Die EU bewegt sich in der Flüchtlingskrise
einmal wieder wie bereits in der Staatsschuldenkrise: im
Schritttempo. Aber immerhin: Sie bewegt sich. Und widerlegt damit die
Mutmaßungen derer, die sie bereits voreilig komplett abgeschrieben
haben.
Gewiss, viele Maßnahmen wirken völlig unterdimensioniert. Wie
sollen 50.000 Quartiere in Griechenland reichen, wenn täglich
Tausende einreisen? Was nutzen Zusagen über die Umverteilung von
160.000 Flüchtlingen, wenn bisher nur einige Dutzend tatsächlich in
ein anderes EU-Land geflogen wurden?
Allerdings zeigen Erfahrungen zurückliegender Wanderungsbewegungen
aus dem Kosovo nach Deutschland, dass es gelingen kann, die Dynamik
zu bremsen - und damit Probleme beherrschbar zu machen. Genau darauf
zielen die Maßnahmen. Niemand behauptet, dass es bereits die Lösung
im Umgang mit den nach Europa strömenden Flüchtlingen ist. Aber es
ist zumindest eine Chance, den Fluss in geordnete Bahnen zu lenken.
Die EU hat insofern an diesem Wochenende zwar ihre "große
Bewährungsprobe", von der Angela Merkel und EU-Kommissionschef
Jean-Claude Juncker zu Recht sprechen, noch längst nicht bestanden.
Genauso, wie die Schuldenkrise keineswegs überwunden war, als man
sich 2010 auf einen gemeinsamen Rettungsfonds geeinigt hatte. Aber
immerhin funktioniert sie noch in ihrer Funktion als Forum der
Aussprache und Verständigung. Das war nach all den Sprüchen vor dem
Sondertreffen nicht unbedingt zu erwarten.
Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion
Telefon: 069--2732-0
www.boersen-zeitung.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 26.10.2015 - 20:05 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1280560
Anzahl Zeichen: 2888
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Frankfurt
Kategorie:
Wirtschaft (allg.)
Diese Pressemitteilung wurde bisher 402 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Börsen-Zeitung: Und sie bewegt sich doch,
Kommentar zur Europäischen Union von Detlef Fechtner"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Börsen-Zeitung (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Die internationale Anleihefamilie ist vor wenigen Tagen um ein neues Mitglied erweitert worden. Nach den Green Bonds gibt es nun einen weiteren Bond mit Farbanstrich: Blue Bonds. Die Pionierrolle übernahm die Inselrepublik Seychellen, die einen zehnjährigen Bond zu einer Rendite von 6,5 Pro
Börsen-Zeitung: Die Hoffnung stirbt zuletzt, Kommentar zum Brexit von Andreas Hippin ...
Die britische Regierung hat derzeit ein großes Interesse daran, einen Deal mit der EU in greifbare Nähe rücken zu lassen. Spindoktoren haben Urlaubssperre. Positive Äußerungen aus London erhöhen den Druck auf die Gegenseite, Zugeständnisse zu machen, so das Kalkül. Zudem will Premiermin
Börsen-Zeitung: Trick or Treat?, Kommentar zur chinesischen Konjunktur von Norbert Hellmann ...
Passend zum Halloween-Fest laufen aus China gruselige Konjunkturdaten ein. Der offizielle Einkaufsmanagerindex für den Industriesektor, der die Stimmungslage bei den großen Zugpferden im Verarbeitenden Gewerbe abbildet, fällt wesentlich stärker als erwartet auf 50,2 Punkte und damit auf den
Weitere Mitteilungen von Börsen-Zeitung
WAZ: Teuer erkaufter Kompromiss. Kommentar von Ulf Meinke zur Kraftwerksreserve ...
Einen Schönheitspreis gewinnt Sigmar Gabriels Kompromiss mit den Braunkohle-Konzernen RWE, Vattenfall und Mibrag ganz sicher nicht. Es dürfte den Minister kaum verwundern, wenn er nun an seine eigenen Worte erinnert wird. "Hartz IV für Kraftwerke", "nicht arbeiten, aber Geld ve
Prokon AG oder die Renaissance der Genossenschaft ...
26.10.2015 - Die Prokon AG hat über 74.000 Anlegern ca. 1,4 Milliarden Euro in Form von Genussrechten verkauft. Den Investoren wurden bis zu acht Prozent Zinsen versprochen und in den vergangenen Jahren auch ausbezahlt. Das Problem: Prokon hat mit seinen Unternehmungen operativ diese Zinsen nicht v
Der Tagesspiegel: Kohleausstieg soll im Oktober 2016 beginnen ...
In weniger als einem Jahr soll der von der Bundesregierung organisierte Kohleausstieg beginnen. Zunächst soll die Anlage Buschhaus des Betreibers Mibrag in Niedersachsen am 1. Oktober 2016 vom Netz gehen. Das berichtet der Berliner "Tagesspiegel" unter Berufung auf den aktuellen Entwu
Glatthaar-fertigkeller Einarbeitungsprogramm jetzt DEKRA zertifiziert ...
Wachsende Anforderungen an Arbeitnehmer, komplexere Produkte, produktspezifisches Wissen, höhere Kundenanforderungen und drohender Fachkräftemangel verlangen von heutiger Personalplanung und -entwicklung durchdachte Wege, um langfristigen Unternehmenserfolg und Fachkräfte für das Unternehmen zu




