Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Thema "der Iran und der Syrien-Konflikt"
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Land im Nahen Osten - Israel einmal ausgenommen. Die Islamische
Republik hat die größte Armee der Region, das jahrelange Embargo
hat die Wirtschaft dank der Hilfe Russlands und Chinas nur bedingt
geschwächt. Deshalb ist es sicher richtig, dass ohne Hassan Ruhanis
Zustimmung kein Friede in Syrien möglich sein wird. Aber der Iran ist
auch das Land, in dem Frauen, Homosexuelle und Medien keine Rechte
besitzen. Die Zahl der Hinrichtungen nahm unter Ruhani dramatisch
zu. Zwischen Juli 2013 und Juni 2014 wurden 852 Personen
hingerichtet. Auch Minderjährige bleiben nicht verschont. Und als
Hinrichtungsarten sind außer dem üblichen Hängen auch Erschießen,
Enthauptung, Steinigung und die Kreuzigung möglich. Der Iran ist
auch das Land, das einen Feiertag (Al-Quds-Tag) hat, an dem die
Vernichtung Israels gefordert wird. Und ohne den Iran würde es das
Regime von Baschar al-Assad gar nicht mehr geben. Denn Ruhanis Land
hat Milliarden ausgegeben, um das wankende System zu stützen. Hat Öl
geliefert, Waffen und Munition, militärische Berater,
Revolutionsgarden. Der Iran ist Akteur im Syrien-Krieg - der Iran
braucht al-Assad als Brückenkopf in den Libanon. In jenes Land also,
in dem die Hisbollah die Losungen des Al-Quds-Tages umzusetzen
versucht. Viele werden die Einbindung des Irans in die Verhandlungen
als notwendiges Übel bezeichnen. Doch das mit der Akzeptanz des
Nicht-ganz-so-Schlimmen ist schon häufig mächtig daneben gegangen.
Mit verheerenden Folgen für die Menschen. Eine verkürzte Version:
Erst wird der Schah unterstützt, bis die Mullahs - von der
persischen Bevölkerung als kleineres Übel erachtet - die Macht
übernehmen. Jetzt ist Saddam Hussein der Gute. Er wird aufgewertet,
und mit dem Versprechen auf ergiebige Ölquellen marschiert er los -
und scheitert im Iran. Dann versucht sich Hussein, »sein« Öl in
Kuwait zu holen. Rolle rückwärts in der Beurteilung der Lage: Jetzt
ist Hussein der Böse. Wer hat daraus etwas gelernt? Niemand.
Natürlich ist es komplexer. So komplex und kompliziert wie der
syrische Bürgerkrieg, der durch den Auftritt des IS (finanziert auch
von Saudi-Arabien, Katar, Kuwait und Vereinigten Arabischen
Emiraten) noch unübersichtlicher wurde. Klar dagegen ist das Ziel
des Irans in den Wiener Verhandlungen. Die Islamische Republik will
ihre Macht in der Region ausbauen und nach den Atomverhandlungen
nun den Versöhnungsprozess mit der westlichen Welt weiter
vorantreiben. Im besten Fall lässt der Iran al-Assad fallen und
stärkt so sein barbarisches System. Diese politische Flickschusterei
entwürdigt die 220 000 Toten, die es im syrischen Bürgerkrieg
seit 2011 gegeben hat. Es beleidigt die vier Millionen Flüchtlinge,
die - innerhalb und außerhalb des Landes - ein Fünftel der
Bevölkerung ausmachen.
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Datum: 30.10.2015 - 21:00 Uhr
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