Westfalen-Blatt: zu Donald Trump
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Religionsgruppe ist verwerflich, weil sie das Klima im Inneren der
Einwanderer-Nation vergiftet. Aber sie ist auch gefährlich für die
Auseinandersetzung mit islamistischen Extremisten. Trump betreibt
deren Geschäft. Denn nichts wünschen sich die Kalifats-Krieger mehr
als einen Kampf der Kulturen. So unerträglich Trumps Äußerungen auch
sein mögen, so scheinheilig kommen nun die Distanzierung-Versuche der
Republikaner von ihrem Spitzenreiter in den Umfragen daher. Trump
fiel nicht vom Himmel. Er stammt aus dem Schoß einer Partei, die seit
Jahren mit Rechtspopulisten im Bett lag. Als Trump vorschlug, eine
Mauer entlang der 2000 Meilen langen Grenze zu Mexiko zu bauen, gab
es Beifall. An der Gleichsetzung von Mexikanern mit Vergewaltigern
und Drogenhändlern störte sich kaum jemand. Eher verhalten fiel die
Kritik aus, als »The Donald« dann die Muslime ins Visier nahm.
Anti-islamische Sprüche gehören so selbstverständlich zu den
Wahlkampfreden republikanischer Kandidaten wie Sternenbanner und
patriotische Lieder. Nach dem Terror von Paris überboten sich die
Wortführer der Republikaner in Panikmache. Jeb Bush kam als erster
auf die Idee, eine Art Religionstest entscheiden zu lassen, wer ins
Land kommen darf. Der jung-dynamische Marco Rubio gab nicht minder
tiefe Ressentiments zu erkennen, als er kategorisch forderte,
überhaupt keine Flüchtlinge mehr aus dem Mittleren Osten aufzunehmen.
Klar, dass die Forderung Trumps nach einer Registrierung aller
Moslems in den USA irgendwie vertraut klingt. Dass er nun überhaupt
keine Muslime mehr ins Land lassen möchte, spricht einem
signifikanten Teil der Basis aus dem Herzen. Laut einer Umfrage von
»Public Policy Polling« (PPP) findet fast jeder dritte Republikaner,
der Islam sollte illegal sein. Der Aufschrei der Parteivorderen
dürfte mehr ein Erschrecken über den Geist sein, den sie schon vor
Jahren aus der Flasche gelassen haben. Den Korken öffnete
tragischerweise John McCain. Der erkor 2008 die schrille Sarah Palin
zu seiner Vizepräsidentschaftskandidatin und machte damit den
Rechtspopulismus hoffähig. Seitdem marschiert die Tea-Party durch
die Institutionen der Bewegung. Im US-Kongress wimmelt es nur so von
»Mini«-Palins und »Mikro«-Trumps. Dass sich zwei von drei
Republikanern seit Monaten für einen der rechtspopulistischen
Kandidaten aussprechen, zieht in Zweifel, ob die Rebellion der einst
willkommenen Wutbürger noch einmal eingedämmt werden kann. Ohnehin
wird das nur gelingen, wenn sich die Parteiführung schnell hinter
einem »Anti-Trump« sammelt. Trump wird dank der demographischen
Realitäten der USA niemals ins Weiße Haus einziehen. Aber der
Frankenstein-Kandidat bedroht schon jetzt seinen Schöpfer.
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Datum: 08.12.2015 - 21:00 Uhr
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