Aachener Nachrichten: Kommentar: Zschäpe höhnt weiter
Die wichtigsten Fragen sind immer noch offen
Von Christina Merkelbach
ID: 1297967
Schweigen gebrochen. Mit der Erklärung, die sie ihren Verteidiger
Mathias Grasel gestern vorlesen ließ, zückt die 40-Jährige die
Weibchenkarte. Sie inszeniert sich als naives, zart besaitetes
Geschöpf, das auf der Suche nach Liebe in die Gesellschaft von
verbrecherischen Neonazis geraten ist. Erst im Nachhinein will sie
von den Morden erfahren und vollkommen entsetzt reagiert haben.
Mitglied im NSU sei sie nicht gewesen. Eine Pistole habe sie nur
angefasst, um sie - ganz pflichtbewusste Hausfrau - beim Aufräumen
in den Schrank zu legen. Die Selbstdarstellung als Unschuld vom Lande
passt nicht zu dem Eindruck, den Zschäpe seit Beginn des Prozesses
hinterlässt. Als sensible Person mit moralischen Ansprüchen hätte sie
die Hinterbliebenen der Opfer nicht immer wieder mit ihrem Verhalten
vor den Kopf gestoßen. Etwa, indem sie während der Verhandlung
teilnahmslos auf ihrem Laptop spielte, Bonbons lutschte oder mit
ihren Anwälten plauschte und lachte. Auch hätte die Person, die
gestern in der Einlassung beschrieben wurde, sich längst
entschuldigt. Beate Zschäpe höhnt weiter, indem sie vortäuscht, zur
Klärung der beispiellosen NSU-Verbrechensserie beitragen zu wollen.
Sie weiß genau, was sie tut und sie weiß auch, wann es zu tun ist. So
lehnte sie nach ihrer Verhaftung 2011 das Angebot ab, als Kronzeugin
auszusagen. Interessiert hatte sie sich beim Haftrichter erkundigt,
ob sie in dem Fall Namen nennen und Hintergründe berichten müsste.
Als dieser bejahte, entschloss sich Zschäpe nach kurzer Bedenkzeit
dagegen. Angesichts der erdrückenden Beweislast dürfte sie längst
nicht mehr hoffen, mit einem Freispruch davon zu kommen. Zu
Prozessbeginn mag das noch anders gewesen sein. Zielte doch die
Strategie ihrer drei Verteidiger darauf ab, dass Zschäpe es durch ihr
Schweigen dem Gericht unmöglich machen würde, sie wegen Mordes zu
verurteilen. Schließlich habe sie nicht selbst geschossen. Doch da
bislang fast alle Zeugen die Anklage stützen, kann Zschäpe
bestenfalls mildernde Umstände erwarten. Die Rechtsextremistin, von
Bekannten als dominant und selbstbewusst beschrieben, sieht ihre
Felle davonschwimmen. Deshalb hat sie sich erklärt. Die wichtigsten
Fragen der Hinterbliebenen sind weiter offen. Etwa, ob der NSU seine
Opfer gezielt ausgesucht hat. Aus ihrer Sicht hätte Zschäpe auch
weiterhin schweigen können.
Pressekontakt:
Aachener Nachrichten
Redaktion Aachener Nachrichten
Telefon: 0241 5101-388
an-blattmacher@zeitungsverlag-aachen.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 09.12.2015 - 18:18 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1297967
Anzahl Zeichen: 2823
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Aachen
Kategorie:
Innenpolitik
Diese Pressemitteilung wurde bisher 223 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Aachener Nachrichten: Kommentar: Zschäpe höhnt weiter
Die wichtigsten Fragen sind immer noch offen
Von Christina Merkelbach"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Aachener Nachrichten (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Es ist schon fast 20 Jahre her, dass ein geschätzter Kollege einer großen deutschen Wochenzeitung den Begriff "Demokratur, putinesisch" geprägt hat. Damals steckte der Namensgeber, Russlands Präsident Wladimir Putin, mitten in seiner ersten Amtszeit. Inzwischen sind daraus - nach einer
Kommentar zum Brexit: Frieden, Sicherheit und Wohlstand Von Christian Rein ...
Es gibt Bilder, die brennen sich tief ein in das kollektive Gedächtnis, weil sie eine viel größere Bedeutung haben als das Ereignis selbst, das sie zeigen. Etwa als sich Bundeskanzler Helmut Kohl und Frankreichs Staatspräsident François Mitterrand 1984 auf einem deutschen Soldatenfriedhof in
Aachener Nachrichten: Kommentar zu 30 Jahre Mauerfall: Nicht mehr geteilt, aber zerrissen Von Christian Rein ...
Ungläubiges Staunen, ungezügelte Euphorie, tiefe Rührung - der Mauerfall am 9. November 1989 hat die Menschen in Deutschland mit einer emotionalen Wucht getroffen wie kaum ein zweites Ereignis in der Geschichte des Landes. Wildfremde Menschen lagen sich in den Armen, sangen und feierten gemei
Weitere Mitteilungen von Aachener Nachrichten
neues deutschland: NSU-Aufklärung nach Zschäpes Nicht-Aussage: Kein Abducken ...
Erste Feststellung: Beate Zschäpe hat mit ihrer Aussage nichts Wesentliches zur weiteren Aufklärung der NSU-Verbrechen beigetragen. Zweite Feststellung: Das macht die Hauptangeklagte mit den zuständigen staatlichen Stellen von Justiz, Polizei und Geheimdiensten vergleichbar. Es wäre unsinnig
Gauland: Ein trauriger Rekord ...
Zur Registrierung des 1-Millionsten Asylbewerbers erklärt der stellvertretende Vorsitzende der AfD, Alexander Gauland: "Noch vor Jahresende ist die Eine-Million-Marke an Asylbewerbern in Deutschland geknackt. Ein schauriger Rekord, denn er offenbart die absolute Unfähigkeit von Frau Mer
Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zur Bayern-Ei-Affäre: Fehlerhaft, von Christine Schröpf ...
Ein Amtstierarzt in U-Haft, ein Beamter der Regierung von Niederbayern suspendiert - doch Umweltministerin Ulrike Scharf belässt es bei einer Pressemitteilung und reist zur Klimakonferenz nach Paris. Gutes Krisenmanagement sieht anders aus. Scharfs Beitrag zur Rettung des Weltklimas dürfte in F
Weser-Kurier: Kommentar von Ralf Michelüber die Klage des Islamischen Kulturzentrums gegen Bremens Innensenator Ulrich Mäurer ...
Keine Frage, es ist das gute Recht des Islamischen Kulturzentrums (IKZ), juristisch gegen Äußerungen von Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) vorzugehen. Doch in diesem Fall ging der Schuss nach hinten los. Denn mag man sich im Kulturzentrum auch noch so sehr über die Äußerungen Mäurers in ein




