Thüringische Landeszeitung: Zschäpes Taktik - Mutmaßliche NSU-Terroristin will Strafe mindern / Leitartikel von Elmar Otto zu den Einlassungen von Beate Zschäpe im Münchner NSU-Prozess
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dennoch nichts gesagt. Die mutmaßliche Neonazi-Terroristin ließ ihren
Anwalt sprechen und der malte das Bild eines Mädchens mit schwerer
Kindheit, das als junge Frau, ohne es eigentlich zu wollen, in die
rechtsextreme Szene abdriftete.
Jahrelang lebte sie mit Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt unter einem
Dach, liebte zunächst den einen, war später dem anderen zusammen.
Wenn sie Pistolen in der Wohnung rumliegen sah, legte sie sie
ordentlich in den Schrank.
Von den Morden will sie erst immer im Nachhinein erfahren haben.
Beate Zschäpe, ein treu sorgendes Heimchen am Herd und naives
Dummchen, das die beiden Jungs verpflegte und für die bürgerliche
Fassade sorgte, aber deren Augen und Ohren geschlossen waren für das,
was in der realen Welt geschah.
Die nicht mitbekam, wie ihre Freunde zehn Menschen aus Fremdenhass
umbrachten, Bomben bauten und Banken überfielen, um für den
Lebensunterhalt zu sorgen. Die am Ende nicht mehr die Kraft hatte,
auszubrechen aus dem Leben im nationalsozialistischen Untergrund. Die
sich jetzt im Gericht entschuldigt und zumindest "moralisch schuldig"
fühlt, aber sich weigert, Fragen der Hinterbliebenen zu beantworten
und damit zeigt, wie sehr sie das Leid dieser Menschen wirklich
interessiert.
Glaubhaft sind die Ausführungen nicht. Aber sie offenbaren die
Taktik, mit der die Komplizin der beiden Uwes versucht, ihre Haut zu
retten. Beate Zschäpe will nicht eiskalt kalkulierende Mittäterin,
sondern allenfalls willfährige Gehilfin gewesen sein.
Dieser Unterschied ist für sie entscheidend. Denn er könnte ihre
zu erwartende Haftstrafe deutlich reduzieren.
Pressekontakt:
Thüringische Landeszeitung
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Norbert Block
Telefon: 03643 206 420
Fax: 03643 206 422
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Datum: 10.12.2015 - 07:00 Uhr
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