Lausitzer Rundschau: Die zwei Schwestern
Zum Verhältnis von CDU und CSU nach Karlsruhe
ID: 1300383
nur natürlich. Die CDU hat den Anspruch, Volkspartei auf dem Land wie
in vielen Städten, in SPD-dominierten Gegenden wie in Hochburgen der
Linken oder Grünen, in katholischen wie in protestantisch oder
nicht-konfessionell geprägten Regionen zu sein. Die CSU agiert in
einem vergleichsweise homogen strukturierten Gebiet: Bayern. So lange
die beiden Schwestern sich ihres Unterschiedes bewusst sind und ihn
bewusst nutzen, haben sie beide Gewinn davon. Die eine, die CDU, kann
ohne die Bayern im Bund nicht regieren, die andere ohne ihre
Sonderrolle nicht den bundespolitischen Einfluss haben, den sie hat.
Wenn die Spannungen aber überdehnt werden, kann es zum Riss kommen.
In der Flüchtlingsfrage hat Horst Seehofer das getan. Nicht nur mit
seiner Forderung nach einer Obergrenze, von der er weiß, dass die
Kanzlerin sie mit nationalen Mitteln nicht durchsetzen kann.
Jedenfalls nicht human. Sondern auch in der zuspitzenden, gegenüber
Angela Merkel sogar persönlich verletzenden Art, wie er sie
durchzusetzen versuchte. Das war nicht auf Biegen, das war auf
Brechen. Es wundert nicht, wenn irgendwelche einfachen
Parteimitglieder manchmal nicht mehr verstehen, wo die produktive
schwesterliche Konkurrenz endet und der unproduktive Schwesternkrieg
beginnt. Es verwundert, dass es der Vorsitzende der CSU selbst war.
Nach dem Auftritt Seehofers beim CDU-Parteitag in Karlsruhe ist
dieser Konflikt nur scheinbar beigelegt. Angela Merkel hat vom
CSU-Chef lediglich etwas mehr Zeit bekommen, den Flüchtlingszustrom
zu stoppen. Maximal bis Mitte 2016. Dann wird der Bayer sich wieder
melden - und zur Not mit Bruch drohen.
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Datum: 15.12.2015 - 20:26 Uhr
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