Lausitzer Rundschau: Nichts Schlechtes "Gutmensch" ist das Unwort des Jahres

Lausitzer Rundschau: Nichts Schlechtes

"Gutmensch" ist das Unwort des Jahres

ID: 1307618
(ots) - Es ist doch nichts Schlechtes, ein guter Mensch zu
sein. Im Gegenteil: Ohne die Guten wäre eine Gesellschaft verkommen
und auf Angst und Ausgrenzung gegründet. Ein überwiegend friedliches
Miteinander würde nicht funktionieren. Noch sind die Guten deutlich
in der Mehrheit. Obwohl man angesichts der Ereignisse in Köln,
Leipzig und anderswo einen anderen Eindruck haben könnte. Auch die
Flüchtlingskrise wäre in Deutschland ohne sie nicht zu bewältigen.
Das weiß die Politik, die sich auf die "Gutmenschen" sogar verlässt.
Auf jene, die sich kümmern, die Spenden sammeln, Kleidung ausgeben
oder für die Versorgung und Integration der Asylsuchenden sorgen.
Sich für andere in dieser Form zu engagieren, ist übrigens weitaus
schwieriger, als anonym mit ein paar Mausklicks im Netz seinem Hass
freien Lauf zu lassen. Trotzdem ist "Gutmensch" inzwischen zum
politischen Kampfbegriff geworden, wie die Gesellschaft für Sprache
zu Recht bemängelt. Zur Diffamierungskeule. Das freilich nicht erst
seit der Flüchtlingskrise: Politisch wird mit diesem Unwort schon
lange gegen jene gewettert, die sich für eine aus ihrer Sicht gute
Sache einsetzen - sei es für mehr Umweltschutz, mehr soziale
Gerechtigkeit, ja sogar für mehr Tierwohl. Es liegt wohl an der
Penetranz, mit der manche von ihnen ihre Ziele und Positionen
verfolgen. Unterstellt wird ihnen dann, Realitäten zu ignorieren oder
auszuklammern. Auch beim Thema Flüchtlinge. Das gibt es. Aber längst
nicht alle Guten sind auch naiv. Probleme lassen sich nicht allein
dadurch lösen, wenn man nur an das Gute im Menschen oder einer Sache
glaubt. Wenn man allerdings abseits steht und immer nur dagegen ist,
auch nicht.



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Datum: 12.01.2016 - 20:19 Uhr
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