Thüringische Landeszeitung: Seehofers Drohung - Der Brief aus München und die Kanzlerin / Leitartikel von Axel Zacharias zum Koalitionskrach in Berlin und Seehofers Brief aus München
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zu einem zerstrittenen Ehepaar hervorruft, sondern die Art und Weise,
wie Horst Seehofer und Angela Merkel miteinander umgehen. Man
kommuniziert nur noch per Brief, anstatt miteinander zu reden, wie
dies unter Partnern - Stichwort Schwesterparteien - üblich ist. Das
ist Kindergartenniveau oder auch kalkulierte Provokation. Wie man den
CSU-Chef kennt, liegt Letzteres näher. Er provoziert, wo es geht,
weil es beim bajuwarischen Wähler gut ankommt. Und die SPD wird dabei
ganz nebenher aufmunitioniert.
Seehofer ist es egal, ob er die täglich stärker in Bedrängnis
geratende Kanzlerin beschädigt beziehungsweise ob sie aus dieser Lage
ohne Gesichts- und Machtverlust wieder herauskommen kann. Unter
Partnerschaft versteht man eigentlich etwas völlig anderes.
Allerdings ist die Depesche an die Kanzlerin aus Münchner Sicht
wohl die Ultima Ratio, die deutsche Bundeskanzlerin noch zu einer als
dringend notwendig erachteten Kehrtwende zu bewegen - die als wenig
chancenreich geltende Verfassungsklage einmal ausgenommen. Dass
Merkel und ihr hohes Amt unter dem CSU-Trommelfeuer Schaden nehmen,
gilt in der Münchner Staatskanzlei als Kollateralschaden. Man nimmt
ihn in Kauf, weil man nicht mehr weiß, was zu tun ist, um die Lage an
den Grenzen auf das dem Wähler versprochene Normalmaß zu reduzieren.
Es wäre gut, wenn die Kanzlerin und ihr Minister Peter Altmaier
sich nicht nur darauf einigen könnten, dass aus dem Freistaat Bayern
eben immer etwas Gepoltere dazugehört, sondern dass die dortigen
Politiker in ihrer Ohnmacht keinen Ausweg mehr sehen, als Merkel
erneut einen einzuschenken - keine gute Perspektive für ein künftiges
Miteinander.
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Thüringische Landeszeitung
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Datum: 27.01.2016 - 07:00 Uhr
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