Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar
Terror-Razzia in Deutschland
Ohne Illusionen
Jörg Rinne
ID: 1317425
pünktlich zu den närrischen Tagen ein Signal gesetzt. Mit der Aktion
gegen die islamistische Zelle zeigen die Ermittler, dass sie die
Szene genau beobachten und im Verdachtsfall schnell eingreifen
können. Dieses Zeichen soll beruhigen, Nervosität nehmen, Sicherheit
im Land vermitteln. Doch das Signal ist trügerisch. Allein im Januar
stuften die Sicherheitsbehörden mehr als 400 Personen aus der
Islamisten-Szene in Deutschland als sogenannte Gefährder ein. Ihnen
trauen Polizei und Geheimdienste zu, dass sie einen Terroranschlag
begehen könnten. Die Zahl ist so hoch wie nie zuvor.
Bundesinnenminister Thomas de Mazière und seinen Kollegen in den
Ländern graust es bei dem Gedanken, dass introvertierte Einzeltäter
ohne Vernetzung, ohne größere Logistik und vielleicht sogar ohne
Auftrag aus den IS-Hauptquartieren aktiv werden. Zum Teil handelt es
sich um Rückkehrer aus den Kampfgebieten in Syrien und im Irak. Fast
800 deutsche Islamisten sind bislang dorthin ausgereist - ein Drittel
von ihnen ist inzwischen wieder in der alten Heimat angekommen - eine
tickende Zeitbombe. Die Frage, so sagen Experten, ist nicht, ob es
hier einen Anschlag geben wird, sondern wann. Dass auch Deutschland
im Visier des IS-Terrorismus liegt, ist eben seit langem bekannt.
Verschärft hat sich die Gefährdungslage auch durch unkontrolliert
eingereiste Terrorristen, die sich als Flüchtlinge getarnt haben. Mit
der jüngsten Festnahme haben sich die Sorgen der Sicherheitsbehörden
in diesem Punkt erneut bestätigt. Es wird klar, wie wichtig die
Einführung des Flüchtlingsausweises ist. Fazit: Die Sicherheitslage
in Deutschland ist ernst, darauf müssen wir uns im Jahr 2016
einstellen - ohne panisch zu werden, aber auch ohne zu große
Illusionen.
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Datum: 04.02.2016 - 20:30 Uhr
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