Südwest Presse: KOMMENTAR · ASYLANTRÄGE
ID: 1317827
Ruhig, aber höchst effektiv hat Frank-Jürgen Weise das Bundesamt
für Migration und Flüchtlinge (Bamf) auf Trab gebracht. Es ging bei
weitem nicht so schnell, wie es sich alle Beteiligten einschließlich
ihm selbst gewünscht hätten. Es war ein enormer Kraftakt, die
Kapazität binnen weniger Monate zu vervielfachen, noch dazu in einer
Behörde, die viele Vorurteile über ihre Schwerfälligkeit bestätigte.
Weise agiert nicht als Behördenchef, sondern als moderner Manager,
der in Produktionszahlen und effektiven Abläufen denkt. Das ist der
einzig erfolgversprechende Weg. Und doch muss es für manchen
gestandenen Beamten eine Revolution sein. Das zeigt schon
gelegentlicher Widerstand. Das Bamf war auf die Explosion der
Flüchtlingszahlen nicht eingestellt und brauchte Weise als
Feuerwehrmann von außen, um die Organisation zu verbessern. Wobei
auch abenteuerlich ist, wie wenig die Behörden vom Grenzschutz über
die Länder bis zu den Kommunen vernetzt waren. Es stellt sich die
Grundsatzfrage, ob auch andere Behörden nur bei Schönwetter
funktionieren oder ob sie sturmtauglich sind. Aufgabe des Bamf-Chefs
ist es nur, für eine Verwaltung zu sorgen, die zügig die Asylanträge
abarbeiten kann. Wie viele neue Flüchtlinge ins Land kommen und nach
welchen Regeln über ihre Anträge entschieden wird, ist Sache der
Politik. Ihr muss das Kunststück gelingen, den Flüchtlingsstrom zu
begrenzen - eine Mammutaufgabe.
Pressekontakt:
Südwest Presse
Ulrike Sosalla
Telefon: 0731/156218
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Datum: 05.02.2016 - 19:00 Uhr
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