US-Verhandlungen der VW-Topmanager geraten ins Stottern / Zwei Vorstände zu Spitzengesprächen mit dem Department of Justice in den USA. Neue Enthüllungen zur Rolle Winterkorns erschweren einen Deal.
ID: 1320955
Volkswagen erschweren eine Einigung mit den US-Behörden. Das
berichtet das Hamburger Wirtschaftsmagazin BILANZ. Der Autokonzern
steht unter großem Zeitdruck: Denn ohne eine Einigung auf
Strafzahlungen und Entschädigungen für die Kunden ist ein von den
Wirtschaftsprüfern testierter Jahresabschluss kaum möglich. Der ist
jedoch Voraussetzung für die fortlaufende Finanzierung des Konzerns.
Eine hochrangige Volkswagen-Delegation unter Führung von
Beschaffungsvorstand Francisco Javier Garcia Sanz (58) sprach zuletzt
vergangene Woche bei den US-Behörden vor. Garcia Sanz ist gemeinsam
mit Christine Hohmann-Dennhardt (65), seit Januar Vorstand für
Integrität und Recht, für die Verhandlungen mit den Amerikanern
zuständig. Beide waren in die USA gereist. Man sei optimistisch, eine
Lösung zu finden, hieß es vergangene Woche in Verhandlungskreisen.
Volkswagen hat in den USA gut 500.000 Fahrzeuge mit Diesel-Motoren
verkauft, deren Stickoxidausstoß nicht den gesetzlichen Vorgaben
entsprach und dies mittels einer Software vor den Behörden jahrelang
verschleiert.
Doch die US-Behörden sind aufgrund eines Berichtes der "Bild am
Sonntag" vom Wochenende alarmiert: Wie die Zeitung berichtet,
belegten Dokumente, dass Volkswagens damaligem Vorstandschef Martin
Winterkorn (68) bereits ab Mai 2014 konkrete Hinweise auf die
Probleme in den USA vorgelegen hätten. Weitere Führungskräfte seien
informiert worden. Erhärtet sich der Verdacht, dürfte das die
fälligen Strafzahlungen deutlich erhöhen und eine Einigung verzögern.
Dies wäre fatal. Anfang Februar hatte der Dax-Konzern die für den
10. März geplante Vorlage der Bilanz und die für den 21. April
angekündigte Hauptversammlung "mit Blick auf noch offene
Fragestellungen im Zusammenhang mit den Folgen der Abgasthematik und
den daraus resultierenden Bewertungsfragen" verschieben müssen. Neue
Termine wolle VW "zeitnah" bekannt geben, hatte VW angekündigt. Das
Gesetz fordert eine Vorlage des Jahresabschlusses bis Ende April.
Das Dilemma: Erst wenn die Höhe der Strafzahlungen, fälligen
Entschädigungen und eventueller Investitionen in Umweltschutz und
alternative Antriebe mit den US-Behörden ausgehandelt sind, kann der
Autobauer eine valide Jahresbilanz für 2015 vorlegen. Die Zahlen nach
neun Monaten hatte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC lediglich
prüferisch durchgesehen. Bisher hat der Autobauer 6,7 Milliarden Euro
zurückgestellt. Doch das wird bei weitem nicht reichen.
Im Fall von Kredit-und Anleiheverträgen kann ein eingeschränktes
Testat dazu führen, dass der Vertragspartner seine Anleihe fällig
stellen darf. Und ohne testierten Jahresabschluss wäre den
Wolfsburgern der Zugang zum Kapitalmarkt praktisch verschlossen - mit
katastrophalen Folgen für die Finanzierung des Konzerns. In Sachen
Finanzierung steckt das Unternehmen schon heute in Schwierigkeiten:
Rating-Agenturen haben die Kreditwürdigkeit herabgestuft, was die
Aufnahme von Fremdkapital verteuert. Zudem kann Volkswagen keine
Anleihen begeben, um sich zu refinanzieren. Denn dazu müsste das
Unternehmen einen Prospekt vorlegen, der die Anleger über mögliche
Risiken aufklärt - ohne Einigung in den USA sind die jedoch nicht
absehbar.
Der Kapitalbedarf des Unternehmens ist groß. In normalen Zeiten,
ohne Strafzahlungen, hat Volkswagen einen jährlichen Kapitalbedarf
von mindestens 30 Milliarden Euro, vor allem wegen des
Leasing-Geschäfts, bei dem Autos vorfinanziert werden. Das
Unternehmen hat deshalb Ende 2015 mit einigen Banken einen
sogenannten Club Deal vereinbart, einen auf ein Konsortium verteilten
Kredit, in Höhe von bis zu 20 Milliarden Euro. Eine Zeit lang ist VW
damit versorgt, zumal das Unternehmen zuletzt über fast 28 Milliarden
Euro an Nettoliquidität verfügte.
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Redaktion BILANZ
Tel.: 040 347-23447
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Datum: 15.02.2016 - 13:00 Uhr
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