Südwest Presse: KOMMENTAR zu MERKEL
Ausgabe vom 19.02.2016
ID: 1323357
Ausgabe vom 19.02.2016 In der Flüchtlingskrise spielt die EU auf
Zeit,dabei dulden weder die Probleme an den Grenzen noch in den
Aufnahmeländern Aufschub. Somit birgt die vom Brüsseler Gipfel
bewirkte Hängepartie viele Risiken, denn bis zum nächsten
Sondertreffen Anfang März schaffen Österreich und die Länder entlang
der Balkanroute Fakten. Grenzzäune werden errichtet, Flüchtlinge
abgewiesen oder nach Deutschland durchgeleitet. Die "Koalition der
Willigen" ist Geschichte, Angela Merkel allein zu Haus. Die Hoffnung
auf den Aktionsplan mit der Türkei schwindet angesichts der
instabilen Lage des Nato-Partners im Schatten immer neuer
Terroranschläge. Wer mag da - außer der Bundeskanzlerin - noch daran
glauben, dass Ankara der EU bei der Lösung des Flüchtlingsproblems
aus der Patsche hilft? Der Druck im Kessel steigt, das Unverständnis
über die Uneinigkeit der Europäer wächst. Die Geduld, um die Angela
Merkel seit Monaten fleht, ist nahezu aufgebraucht - bei den Bürgern
und in ihrem eigenen Lager. Horst Seehofer droht mit Karlsruhe und
sucht schon wieder den Schulterschluss mit Viktor Orban. Für die
CDU-Chefin eine glatte Provokation! Wie lange hält die Kanzlerin an
ihrem Kurs noch fest? Durch die Vertagung von Brüssel hat sie Zeit
gewonnen und vermieden, dass sie mit leeren Händen nach Berlin
heimkehrt. Doch es ist Zeit, die sie eigentlich gar nicht hat. Und
die Wahlkämpfer ihrer Partei schon gar nicht.
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Südwest Presse
Ulrike Sosalla
Telefon: 0731/156218
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Datum: 19.02.2016 - 18:35 Uhr
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