Lausitzer Rundschau: Draghis Irrsinn
Europäische Zentralbank flutet Märkte mit noch mehr Geld
ID: 1332052
ganze Weile, dann gebietet der klare Menschenverstand eigentlich,
nach anderen Mitteln und Wegen zur Gesundung des Patienten zu suchen.
Nicht so bei Mario Draghi. Der Chef der Europäischen Zentralbank
macht den ohnehin schon billigen Euro noch billiger. Er flutet die
Märkte noch stärker mit Geld, in der Hoffnung, dass die Banken mehr
Kredite vergeben, um der kränkelnden Wirtschaft in weiten Teilen des
Kontinents endlich auf die Beine zu helfen. Aber, ob der Leitzins
0,05 Prozent beträgt oder jetzt null, macht auch keinen Unterschied.
Denn die Gründe für den Investitionsstreik liegen woanders: In China
ist das Wachstum nur noch mäßig. Anderswo herrschen Krieg und Elend.
Insbesondere in den südeuropäischen Ländern ist die Arbeitslosigkeit
überdurchschnittlich hoch, was den Binnenkonsum lähmt. Und viele
Regierungen sind nicht stabil. Ganz zu schweigen von den
Staatshaushalten. Solche Probleme lassen sich mit Null- und gar
Strafzinsen offenbar nicht lösen. Dafür beschwört Draghis Irrsinn
neue Probleme herauf. Wer spart, ist ja schon an Leiden gewöhnt. Wenn
aber nun auch die gesetzliche Kranken- oder Pflegeversicherung für
unvermeidbare Anlagen verstärkt zahlen muss, statt Gewinne daraus
erzielen zu können, dann bekommt der Irrsinn eine soziale Dimension.
Allein der Gesundheitsfonds musste schon im vergangenen Jahr
1,8Millionen Euro "Strafe" an die Banken zahlen.
Beitragsgeld, das so völlig zweckentfremdet wird. Auch die
Anstrengungen der Bundesregierung zur Aufwertung der Betriebsrenten
drohen ins Leere zu laufen. Denn wenn die Einzahlungen nichts
bringen, kann man sie auch gleich unters Kopfkissen legen. Und noch
eine Gefahr birgt die Politik des Billigst-Geldes: Immobilien sind
gefragt wie nie. Das wiederum kann zu Blasen führen. Eine solche
Blase war 2008 der Auslöser für eine weltweite Finanzkrise. Was
braucht es eigentlich noch, um Draghis Kurs abzuschwören?
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Datum: 10.03.2016 - 21:39 Uhr
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