Ärzteschwund und Fachkräftemangel: Wege, Lösungen und Initiativen in Ostbrandenburg

Ärzteschwund und Fachkräftemangel: Wege, Lösungen und Initiativen in Ostbrandenburg

ID: 1341390
(ots) - Einige Regionen altern schneller als die
Gesellschaft insgesamt. So fehlen in der Region Ostbrandenburg heute
schon viele Fachkräfte und viele Ärzte; Nachwuchs findet man immer
seltener. Gut eine Fahrstunde vom Landkreis Oder-Spree entfernt
expandiert Berlin, gut ausgebildete junge Menschen strömen in die
Hauptstadt. Im Osten Brandenburgs müssen dagegen Firmen, Arztpraxen
und Krankenhäuser viel Energie in die Fachkräftesuche investieren.

Gute Versorgung kann auch funktionieren, wenn einzelne (Fach)
-Ärzte ausfallen. Allein in Eisenhüttenstadt, dem Standort der
Brandenburgischen BKK, haben sich in den letzten sechs Jahren zehn
Ärzte aus den niedergelassenen Praxen zurückgezogen.

"Der demographische Wandel ist die wichtigste Herausforderung für
uns in der Region", sagt Kathrin Wormann, Chefin der
Brandenburgischen BKK. "Wir warten aber nicht darauf, dass die
Politik uns Lösungen präsentiert, wir finden selber welche". Seitdem
der letzte niedergelassene Kardiologe fortgegangen ist, werden
Patienten, die in der Brandenburgischen versichert sind, nun im
Krankenhaus Eisenhüttenstadt ambulant behandelt. Ein spezieller
Vertrag mit der Klinik macht es möglich.

Fast überall in Deutschland sind Schmerzpatienten nicht optimal
versorgt. In Eisenhüttenstadt können sie auf ein breitgefächertes
ärztliches Konsil in einer speziellen Schmerzpraxis zurückgreifen -
ein Zusatzvertrag der Krankenkasse sorgt dafür.

Die größte Arbeitnehmergruppe in der Region stellt die
Altersgruppe der 45- bis 54-Jährigen. Dies hat Auswirkungen auf den
Krankenstand, vor allem bei den Langzeitfällen. Hier brauchen Firmen
professionelle Unterstützung: Die Brandenburgische BKK entwickelt
individuell zugeschnittene Gesundheitsförderprogramme. In diesem
Monat startet eine Kooperation mit dem Krankenhaus Eisenhüttenstadt


zur betrieblichen Gesundheitsförderung für Mitarbeitende im
Pflegebereich, deren Arbeit sie gesundheitlich stark beansprucht.
"Wir arbeiten Hand in Hand mit unseren Vertragspartnern", sagt
Wormann. "In Zeiten unbesetzter Ausbildungsplätze und knapper
werdender Fachkräfte werden Arbeitgeber attraktiver, wenn sie sich um
die Gesundheit ihrer Mitarbeiter kümmern. Dafür stellen wir als
regionale Krankenkasse gerne unser gesamtes Know-how zur Verfügung."

Dr. Ulrich Müller, Präsident der IHK Ostbrandenburg schildert die
Lage bei kleinen und mittleren Firmen (KMU): "Die Fachkräfte in
Ostbrandenburg werden weniger und im Durchschnitt älter. Daher müssen
sich Unternehmer künftig noch stärker um die Gesundheit und
Motivation ihrer Mitarbeiter kümmern. Das beginnt bei der Ausbildung
- eine junge Mutter schafft ihre Ausbildung eher, wenn sie die in
Teilzeit absolvieren kann. Für Mitarbeiter jeder Generation sollte
die Vereinbarkeit von Familie und Beruf beziehungsweise Pflege und
Beruf möglich sein. Dabei sind Mittel zur 'Förderung
unternehmerischen Know-hows' in KMU vom Bundesamt für Wirtschaft und
Ausfuhrkontrolle (BAFA) nützlich. Damit können auch Beratungen zu
Fachkräftegewinnung und -sicherung, zum Beispiel mit dem Fokus auf
Ältere und Menschen mit Familienpflichten, organisiert werden. Die
Kollegen der IHK beraten zu den Instrumenten und
Fördermöglichkeiten."

Franz Knieps, Vorstand des BKK Dachverbandes, sieht die
mittelfristige Entwicklung der Region durchaus optimistisch: "Die
Initiativen der Akteure aus dieser Region für diese Region gehen in
die richtige Richtung. Allerdings brauchen die Akteure vor Ort mehr
Spielraum vom Gesetzgeber für individuelle Lösungen - das kostet
nicht einmal unbedingt zusätzliche Mittel. Gerade drängt eine
Generation von hochmotivierten, vernetzt denkenden und handelnden
jungen Frauen und Männern auf den Gesundheitsmarkt. Eine gute
Lebensqualität mit mehr Zeit für die Familie und Möglichkeiten
flexibler Arbeitsgestaltung kann aus meiner Sicht die
Oder-Spree-Region optimal bieten. Es muss ja nicht immer die
Einzelniederlassung sein; medizinische Zentren und vernetzte
medizinische Zusammenarbeit waren im Osten Deutschlands bereits vor
dem Mauerfall erprobte Organisationsformen."



Pressekontakt:
Annette Rogalla, Pressesprecherin Brandenburgische BKK
annette.rogalla@brandenburgische-bkk.de
Tel.: 030 8182 1652, mobil: 0172 3099 111

Christine Richter, BKK Dachverband e.V., Pressesprecherin,
christine.richter@bkk-dv.de
Tel.: 030 270 0406 302, mobil 0172 246 5421

Norma Groß, Pressesprecherin IHK Ostbrandenburg,
gross@ihk-ostbrandenburg.de
0335 5621-1032, mobil 0160 98299 330

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Datum: 06.04.2016 - 11:00 Uhr
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