Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Detmolder Auschwitz-Prozess
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Verhandlungstagen hat er stoisch geschwiegen. Keine noch so
grauenhafte Schilderung konnte ihm eine sichtbare Regung entlocken.
Eine direkte Ansprache verbat er sich, Holocaust-Überlebende im
Zeugenstand würdigte er keines Blickes. Am 13. Prozesstag zeigte er
sich nun reumütig, bat um Verzeihung, sprach vom lebenslangen
Verdrängen des Grauens. Laut seiner Schilderung war er in Auschwitz
ein Außenseiter, der die Kameradschaft der Frontgemeinschaft
vermisste. Er habe niemandem getraut, habe ständig unter
disziplinarischem Druck gestanden. Also fremdbestimmt statt selbst
Täter? So war es wohl kaum. Aber was tat Hanning in Auschwitz? Dazu
sagte er wenig. Wie echt die Reue ist - nur er selbst weiß es. Denn
bei dem umstrittenen Verhör im Februar 2014, das die Verteidigung als
Beweismittel nicht verwertet wissen will, klang das alles noch ganz
anders: nichts gehört, nichts gesehen, nichts getan. Menschen können
sich ändern - auch wenn sie 94 sind. Das Gericht hat jetzt die
schwierige Aufgabe abzuwägen, inwieweit Hannings Einlassungen
glaubhaft sind. Diese könnten strafmildernd wirken. Denn eines ist
sicher: SS-Unterscharführer Reinhold Hanning hat sich schuldig
gemacht.
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Andreas Kolesch
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Datum: 29.04.2016 - 21:00 Uhr
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