EU-Verordnung für Medizinprodukte muss in Deutschland nachgebessert werden

EU-Verordnung für Medizinprodukte muss in Deutschland nachgebessert werden

ID: 1361125
(ots) - Skandale wie minderwertige Brustimplantate oder zu
schnell brechende Hüftgelenke sollen durch eine neue EU-Verordnung
für Medizinprodukte in Zukunft vermieden werden. Darauf haben sich
Vertreter des Europäischen Parlaments, des Rates und der Kommission
am Mittwochabend (25. Mai) verständigt. "Strengere Regeln bei den
Hochrisikomedizinprodukten sind längst überfällig. Einige der jetzt
beschlossenen Regelungen sind ein Schritt zu mehr
Patientensicherheit. Aber viele wichtige Vorschläge fanden auf
EU-Ebene leider keine Mehrheiten. Die Bundesregierung sollte jetzt
nachjustieren, wo es geht", sagte Martin Litsch,
Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes.

Dazu gehört vor allem die Forderung nach verpflichtenden
Haftpflichtversicherungen der Hersteller, mit denen Patienten im
Schadensfall finanziell abgesichert sind. Die neue EU-Verordnung
beschränkt sich bisher darauf, dass Hersteller angemessene Rücklagen
für den Fall von Haftungsansprüchen durch fehlerhafte Produkte bilden
sollen, und zwar ohne dass dies konkretisiert wird oder nachprüfbar
ist. "Wenn Patienten unter den Folgen fehlerhafter Medizinprodukte
leiden, dürfen sie nicht auch noch finanziell im Regen stehen. Sollte
es dabei bleiben, muss Deutschland dringend eine eigene
Pflichtversicherung für Hochrisikomedizinprodukte schaffen", forderte
AOK-Vorstand Litsch.

Laut EU-Verordnung sollen zukünftig die Identifizierungsnummern
aller Medizinprodukte so vorgehalten werden, dass bei einer
schadhaften Serie alle Betroffenen informiert werden können.
Verbesserungsbedarf gibt es jedoch auch hier. "Die verpflichtende
Einführung von Identifizierungsnummern ist sehr sinnvoll, auch wenn
die praktische Umsetzung Jahre dauern wird", sagte Litsch. Akuter
Handlungsbedarf bestände jedoch schon heute an anderer Stelle.
Bislang wissen die Krankenkassen im Schadensfall nicht, welche ihrer


Versicherten betroffen sind und können daher weder alle Versicherten
umfassend und effizient beraten, noch die Behandlungskosten im
rechtlich gebotenen Umfang regressieren. In der Folge gehen viele
geschädigte Patienten leer aus und die gesamte
Versichertengemeinschaft wird mit den medizinischen Folgekosten
belastet. Um dies zu verbessern, müssen den Kassen die konkreten
Produktinformationen patientenbezogen unabhängig von der Einführung
der Identifikationsnummern standardmäßig übermittelt werden. "Nur so
können wir unsere Versicherten unterstützen und das
Wirtschaftlichkeitsgebot der Krankenversicherung umsetzen", so Martin
Litsch weiter.

Die Prüfung von Hochrisikomedizinprodukten verbleibt auch mit der
neuen EU-Verordnung bei den privatwirtschaftlichen "Benannten
Stellen". Zusätzlich soll eine von Fall zu Fall einberufene,
international zusammengestellte Expertengruppe die Unterlagen vor
einer Marktzulassung prüfen, deren Ergebnisse jedoch keine
Verbindlichkeit für die "Benannten Stellen" haben. "Die EU-Verordnung
ändert nichts daran, dass die 'Benannten Stellen' von
Wirtschaftsinteressen abhängen. Deshalb ist die AOK im Sinne der
Patientensicherheit nach wie vor für eine zentrale Zulassungsstelle.
In Deutschland sollten wir dringend über eine generelle
Nutzenbewertung für Medizinprodukte sprechen, die die
Erstattungsfähigkeit durch die GKV regelt. Was für Arzneimittel gilt,
muss auch für Hochrisikomedizinprodukte gelten", so Martin Litsch.

Sein Fazit der EU-Verordnung fällt deshalb nüchtern aus: "Bei der
EU-Verordnung für Medizinprodukte haben sich die Patienteninteressen
nur an wenigen Stellen durchsetzen können. Was wir dringend brauchen,
sind wirksame Kontrollen und Strafen, damit diese Ansätze nicht auch
noch von der Industrie unterwandert werden können."

Die Gesundheitsminister der EU-Mitgliedsstaaten werden die
Einigung zur EU-Verordnung in ihrer Ratssitzung am 16. Juni 2016
bestätigen. Die offiziellen Zustimmungen im Europäischen Parlament
und Rat wären dann nur noch Formsache. Die Verordnung könnte im
zweiten Halbjahr 2016 veröffentlicht werden und in Kraft treten. Sie
muss nicht mehr in nationales Recht umgesetzt werden, kann aber in
Teilen von den einzelnen EU-Mitgliedsländern ergänzt werden. Die
neuen Regelungen sollen nach einer Übergangsphase von drei Jahren
gelten.



Ihr Ansprechpartner in der Pressestelle:
Dr. Kai Behrens
Pressesprecher
Tel. 030 34646-2309
E-Mail: presse@bv.aok.de

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Servicestudie: Augenlaserkliniken 2016 / Kompetente Beratungen, aberüberraschende Defizite in puncto Aufklärung - Testsieger ist Euro Eyes Pro Generika startet Kommunikationskampagne zur Umsetzung des Pharmadialogs
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 26.05.2016 - 09:33 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1361125
Anzahl Zeichen: 4886

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Berlin



Kategorie:

Gesundheitswesen - Medizin



Diese Pressemitteilung wurde bisher 398 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"EU-Verordnung für Medizinprodukte muss in Deutschland nachgebessert werden"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

AOK-Bundesverband (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Große Zustimmung zum neuen elektronischen Medikationsplan in der Patientenakte ...
Ab heute wird im Rahmen einer Pilotierungsphase der neue elektronische Medikationsplan in der elektronischen Patientenakte (ePA) Schritt für Schritt in die Versorgung eingeführt. Die Einführung bei den Leistungserbringern beginnt in mehreren Modellregionen und soll bis zum Herbst abgeschlossen se

Reimann zum BStabG: Dieses Gesetz ist dringlich, aber nicht nachhaltig ...
Zur heutigen 2./3. Lesung des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes (BStabG) und zum 2. Durchgang im Bundesrat äußert sich die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Dr. Carola Reimann, wie folgt: "Die Notwendigkeit einer nachhaltigen Stabilisierung der GKV-Finanzen ist unstrittig,

Reimann zur Notfallreform: Mehr Mut zur Steuerung ...
Heute Nacht wird das Gesetz zur Reform der Notfallversorgung in erster Lesung im Bundestag beraten. Aus diesem Anlass weist die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Dr. Carola Reimann, auf Nachbesserungsbedarf hin und fordert mehr Mut bei der Steuerung der Hilfesuchenden in die richtige Ver


Weitere Mitteilungen von AOK-Bundesverband


Servicestudie: Augenlaserkliniken 2016 / Kompetente Beratungen, aberüberraschende Defizite in puncto Aufklärung - Testsieger ist Euro Eyes ...
Ein Leben ohne Brille scheint verlockend: Immer mehr Menschen entscheiden sich für eine Laseroperation, um ihre Fehlsichtigkeit korrigieren zu lassen. Völlig risikolos ist aber auch dieser Eingriff nicht; gute Beratung und Aufklärung sind zwingend nötig. Doch nicht alles läuft hier perfekt,

Mit Diabetes ins Krankenhaus - Warum sich eine gute Vorbereitung lohnt ...
Um Komplikationen bei einer Operation zu vermeiden, sollten Diabetiker ihren Krankenhaus-Aufenthalt gut vorbereiten. Professor Erhard Siegel, Chefarzt am St. Josefskrankenhaus Heidelberg, schildert im Apothekenmagazin "Diabetes Ratgeber", dass der Diabetes bei Eingriffen, die mit der Z

Medizintouristen aufgepasst: Haartransplantate können kostspielige Folgen haben ...
Der Medizintourismus für kosmetische Chirurgie boomt. Die Verlockung schöner Landschaften und weniger kostspieliger Operationen kann sich aber als einfache Fahrt mit dem Resultat erfolgloser und riskanter Eingriffe erweisen, wenn diese illegal von Assistenten anstatt von geschulten, qualifizie

Hypnose-Onlinebehandlung - Ängste, Panikattacken und Unruhe grenzenlos behandeln ...
Während es in vielen anderen Ländern bereits zum Therapiealltag gehört, hinkt Deutschland meilenweit hinterher: Psychotherapie via Internet. Jetzt werden viele Psychotherapeuten aufschreien und im Chor rufen: Das geht nicht! Doch! Der Hypnosefachmann Herbert Schraps arbeitet bereits seit viele


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z