Deutschland krankt nicht nur an seiner demographischen Krise

Deutschland krankt nicht nur an seiner demographischen Krise

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(firmenpresse) - Bonn/Walberberg - FAZ-Feuilletonchef Frank Schirrmacher ist ein Debattenstar. Der Kulturteil der sonst eher betulich-behäbigen "Zeitung für Deutschland" setzt Themen, die von anderen Zeitungen und Zeitschriften übernommen werden. Jüngstes Beispiel Rechtschreibreform: Seit Jahren liess das Frankfurter Blatt nicht locker, um den Unsinn der neuen und den Sinn der alten Rechtschreibung immer wieder zu demonstrieren. So kehrte nie Ruhe ein an der Rechtschreibfront. Die Folge: Mit Springer, Spiegel und Süddeutscher sind nun einige grosse Medienhäuser dem Vorbild der FAZ gefolgt. Auch beim Thema Demographie setzte Schirrmacher einen Trend. Wochenlang wurde über sein Buch "Das Methusalem-Komplott" diskutiert, das Lösungsvorschläge unterbreitet, wie mit dem demographischen Problem zu verfahren sei.

In der aktuellen Ausgabe der "Neuen Ordnung" http://www.die-neue-ordnung.de, die vom Institut für Gesellschaftswissenschaften Walberberg herausgegeben wird und eine grosse Tradition in der christlichen Gesellschaftslehre besitzt, nimmt der Bonner Politikwissenschaftler und Publizist Ansgar Lange Schirrmachers Buch zum Anlass für weitergehende Überlegungen über einen "Aufstand der Alten?". Lange liefert eine kritische Auseinandersetzung mit Schirrmacher, dem er einige reisserische Übertreibungen und Schwächen bei der Frage attestiert, wie das unter demographischen Problemen leidende Deutschland zu therapieren sei. Allerdings hält der Autor es für wichtig, dass Schirrmacher auf ein Problem aufmerksam gemacht habe, dass jahrelang von Medien, Politik und Forschung ignoriert worden sei: "Frank Schirrmacher ist letztlich Kulturjournalist und kennt auch keine ausgefeilten praktischen Lösungen für das geschilderte Problem der Alterung unserer Gesellschaft. Es ist aber auch ein Debattenstar und hat - trotz all der Neider in anderen Medien, die ihm schlicht die Kompetenz absprechen wollen - ein wichtiges Thema auf die Agenda gesetzt."

Lange bringt das Beispiel eines Unternehmens, das sich gegen jede Form des "Alters-Rassismus" wendet. Jedes zweite Unternehmen in Deutschland beschäftigt keine Arbeitnehmer im Alter von über 50 Jahren. Eine Ausnahme stellt das international operierende Beratungsunternehmen Harvey Nash http://www.harveynash.de dar. Laut Harvey Nash-Geschäftsführer Udo Nadolski habe die Ausgrenzung älterer Arbeitnehmer aus dem Arbeitsprozess gravierende gesellschaftliche Folgen, die man sich wegen des demographischen Wandels nicht leisten könne. Sein Unternehmen habe mit der Vermittlung von über 50-jährigen Mitarbeitern gerade in der IT-Branche gute Erfahrungen gemacht.



Strukturelle Probleme verschärfen die demographischen Probleme Deutschlands. Darauf weist Michael Müller hin, der als Geschäftsführer der a & o after sales & onsite Services GmbH in Neuss http://www.ao-services.de in Neuss und Wirtschaftssenator im Bundesverband mittelständische Wirtschaft http://www.bvmw.de tätig ist. Lange zitiert aus Müllers Thesen zum "Wirtschaftsstandort Deutschland", in denen der Neusser Unternehmer moniert, man sei nur noch Freizeit- und nicht mehr Wachstumsweltmeister. Während Udo Nadolski von Harvey Nash beklagt, dass in den "international boomenden Dienstleistungsbranchen Deutschland nur eine vertrocknete Quelle" sei, weist Carlos Braga auf die möglichen Folgen deutscher Selbstüberschätzung hin. Im Fachdienst Competence Report des Krefelder Customer Contact Centers Sitel http://www.sitel.de stellt der Senior Adviser für globalen Handel bei der Weltbank klar, dass auch angebliche Schwellen- und Entwicklungsländer über eine "breite Verfügbarkeit von gut ausgebildetem, englischsprachigen Personal" verfügen. Das Resümee der "Neuen Ordnung": Deutschland dürfe nicht nur auf die Demographie achten, sondern müsse endlich seine Sozial- und Wirtschaftsreformen anpacken. Ansonsten könnte sich die demographische Krise noch zusätzlich verschärfen.
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Datum: 09.08.2004 - 16:30 Uhr
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