Nach katastrophalem Massensterben: Saiga-Bestände in Zentralasien erholen sich

Nach katastrophalem Massensterben: Saiga-Bestände in Zentralasien erholen sich

ID: 1372169
(ots) - Nach dem dramatischen Massensterben der
stark bedrohten Saiga-Antilopen im vergangen Jahr, atmen
Artenschützer wieder auf: Die Populationen in Kasachstan entwickeln
sich positiv, so das Ergebnis der diesjährigen Saiga-Zählung aus der
Luft, das das Ministerium für Landwirtschaft der Republik Kasachstan
nun veröffentlicht hat. "Das Massensterben war ein riesiger Verlust
und eine große Bedrohung für die Art. Dass die Saiga-Bestände wieder
wachsen und es in diesem Frühjahr kein erneutes Sterben gab, sind
gute Nachrichten", sagte NABU-Vizepräsident Thomas Tennhardt.

Insgesamt beträgt die Anzahl der Saiga in Kasachstan 108.300
Tiere, davon 70.200 Tiere in der kasachisch-russischen
Ural-Population, 1.900 in der Ustjurt-Population an der Grenze zu
Usbekistan und 36.200 Tiere in der Bekpakdala-Region in
Zentralkasachstan. Dort grasten im Frühling 2015 noch 242.500 Saigas.
Kurz danach starben davon mehr als 200.000 Tiere während der
Kalbungszeit innerhalb weniger Wochen. Damit schrumpfte die größte
Population Kasachstans mit einem Schlag um 90 Prozent. Für die
globalen Bestände bedeutete dieser Verlust einen Rückgang um 60
Prozent. Der Zustand der von Wilderei ohnehin stark bedrohten
Saiga-Antilopen hatte sich damit weiter verschärft.

Die Ursachen für das Massensterben werden noch immer intensiv
untersucht, es gibt aber erste Ergebnisse: Laut Diagnose sind die
Tiere durch eine hämorrhagische Septikämie oder auch Pasteurellose
gestorben, die von dem Bakterium Pasteurella multocida hervorgerufen
wurde. Diese fatale Krankheit kommt in domestizierten Büffeln und
Rindern sowie in wildlebenden Wiederkäuern vor. Unklar ist bisher
aber, wie diese Krankheit einen nahezu vollständigen Verlust der
betroffenen Herden verursachen konnte. Die Rolle möglicher
zusätzlicher Faktoren wie Klima, Boden und Vegetation wird daher


weiter intensiv untersucht.

Unklar ist auch, warum Pasteurella, ein Bakterium, das
normalerweise harmlos in Saigas lebt, zu einer tödlichen Gefahr für
die Tiere werden konnte. Da das Gebiet des Massensterbens über eine
großes Fläche verteilt war und die Tiere fast synchron
zusammenbrachen, schließen Experten Vergiftungen, etwa durch
Raketentreibstoff oder andere Toxine, aus. Dies bestätigen auch
aktuelle Laboruntersuchungen.

Saiga-Antilopen kommen fast nur noch in Russland, Kasachstan und
der Mongolei vor und gelten als stark gefährdet. Ihre größte
Bedrohung ist die Wilderei, die im letzten Jahr wieder zugenommen
hat, wie aktuelle Zahlen der Association for the Conservation of
Biodiversity of Kazakhstan (ACBK) belegen. Saiga werden für ihr
Fleisch, vor allem aber auch ihrer Hörner wegen gejagt, die ein
begehrtes Mittel in der Traditionellen Asiatischen Medizin sind.

Der NABU engagiert sich seit Jahren in den Saiga-Gebieten, um die
Wilderei zurückzudrängen, und eruiert derzeit die Möglichkeiten für
ein stärkeres Engagement für die stark gefährdete Ustjurt-Population.
Der Verband ist außerdem offizieller Partner des UN-Abkommens zum
Schutz der Saiga-Antilope, welches die Saiga-Verbreitungsländer im
Rahmen der UN-Konvention zum Schutz der Wandernden Wildlebenden
Tierarten (CMS) unterzeichnet haben.



Pressekontakt:
Christiane Röttger, NABU-Referentin Mittelasien, Tel. +49 (0)30.28 49
84-1713,
Mobil +49 (0)171.10 77 766, E-Mail: Christiane.Roettger@NABU.de

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Datum: 23.06.2016 - 08:00 Uhr
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