Rheinische Post: Kommentar / Merkel und die repressive Toleranz = Von Michael Bröcker

Rheinische Post: Kommentar /
Merkel und die repressive Toleranz
= Von Michael Bröcker

ID: 1395970
(ots) - Man muss kein Politikwissenschaftler sein, um
zu ahnen, dass der erwartete Erfolg der AfD in Mecklenburg-Vorpommern
zu einem Großteil auf das Konto der dort heimischen Bundeskanzlerin
geht. Angela Merkel hat mit ihrer Version der "Basta"-Politik und
ihrer Weigerung, die Fehler in der Flüchtlingspolitik zu reflektieren
und Risiken zu benennen, dem latent vorhandenen Bürgerfrust gegen die
Elite Auftrieb gegeben. "Die machen doch eh, was sie wollen", heißt
es nicht nur am Stammtisch der Rechtspopulisten, sondern in den
Salons des Bürgertums. Dabei geht es weniger um Merkels Grenzöffnung
im September - diese war in der konkreten Situation nachvollziehbar
und richtig. Es geht darum, dass die Kanzlerin fortan ihre Macht in
Europa über- und die Sorgen vieler von der (Integrations-)Politik
Enttäuschter unterschätzte. Was sollen wir schaffen? Der Philosoph
Herbert Marcuse hat einen solchen Anti-Diskurs in den 60er Jahren
"repressive Toleranz" genannt. Neudeutsch: Tunneldenken. Die
Kanzlerin sagt, man könne die Menschen nur erreichen, wenn man
Probleme löse. Das stimmt nicht. Man erreicht die Menschen, indem man
Probleme benennt. Jahrelang haben die Merkel-Regierungen - mit SPD
und FDP - Italienern und Griechen die kalte Schulter gezeigt, als
diese um Hilfe bei der Flüchtlingskrise riefen. Lampedusa war weit
weg. Jahrelang war es nur Altbundespräsident Horst Köhler, der sich
wirklich für Afrika und Fluchtursachen interessierte. Und natürlich
galt eine Debatte über Ausländer, die sich nicht so gut benehmen, als
unfein. Weil das so war, können nun rechte Populisten aus jedem
Übergriff eines Flüchtlings im Schwimmbad einen Sturm der Entrüstung
erzeugen, selbst wenn Hunderttausende Flüchtlinge brav im
Deutschunterricht sitzen. Die rechte Propaganda gedeiht im Sumpf des
Herumdrucksens. Eine Politik mit Herz und offenem Visier könnte


helfen, ebenso wie der Satz: "Wir wissen noch nicht, wie wir das
Problem lösen, aber ja, es ist eins und wir sind dran."
Differenzieren ist anstrengend, aber unverzichtbar. Jetzt sitzen
beide Seiten in den Schützengräben und schießen wild durch die Luft.
Die Kanzlerin muss umdenken, um die Frustrierten und Verunsicherten,
die mit rechtem Gedankengut nichts gemein haben, wieder für die Sache
zu gewinnen. Was wir brauchen, ist eine starke humanitäre
Flüchtlingspolitik mit einer Integrationspolitik, die das Fordern
betont. Nur so werden auch die Rechten in diesem Land wieder leiser
und ihre Truppen kleiner. Und das ist wirklich jeden Schweiß wert.

www.rp-online.de



Pressekontakt:
Rheinische Post
Redaktion

Telefon: (0211) 505-2621

Original Content von: Rheinische Post, übermittelt durch news aktuell

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Rheinische Post: Kommentar / 
Merkels doppeltes Signal 
= von Eva Quadbeck Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zu Gewalt gegen Polizisten: Prügelknaben, von Marianne Sperb
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 02.09.2016 - 20:56 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1395970
Anzahl Zeichen: 3011

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Düsseldorf



Kategorie:

Politik & Gesellschaft



Diese Pressemitteilung wurde bisher 420 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Rheinische Post: Kommentar /
Merkel und die repressive Toleranz
= Von Michael Bröcker
"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Rheinische Post (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Gladbachs Neuhaus mag keine Kroos-Schweinsteiger-Vergleiche ...
Neu-Nationalspieler Florian Neuhaus mag keine Vergleiche mit Toni Kroos und Ex-Nationalspieler Bastian Schweinsteiger. "Beide sind große Spieler, die eine Ära des deutschen Fußballs geprägt haben. Natürlich ist es faszinierend, wie Kroos die Kontrolle über ein Spiel hat, und alles, was er

Ex-Nationalspieler Uwe Rahn an Darmkrebs erkrankt ...
Der frühere Nationalspieler und Torschützenkönig der Fußball-Bundesliga, Uwe Rahn, ist an Darmkrebs erkrankt. Das sagte der 58-Jährige im Interview mit der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (Dienstag). "Die Diagnose war für mich natürlich ein Schock. Da der Krebs fortgeschritten

NRW-Oppositionsführer Kutschaty fordert Ende von Armin Laschets "Stop-and-Go-Politik" ...
Kurz vor dem Treffen der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montag dringt die SPD-Landtagsfraktion auf einen klaren Kurs der nordrhein-westfälischen Landesregierung: "Armin Laschet muss seine Strategie überdenken und rauskommen aus dieser Stop-and-Go-Politik. Lock


Weitere Mitteilungen von Rheinische Post


Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu dem Prozess gegen Holocaustleugnerin ...
Muss man das wirklich noch ernst nehmen? Ja, leider. Wer die Verhandlung gegen die notorische Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck aus Vlotho verfolgt hat, kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier eine 87-Jährige mit ihren konfusen Darbietungen der deutschen Justiz auf der Nase herum

Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur Armenien-Resolution ...
Die Armenien-Resolution war Bekennertum am falschen Objekt. Frei nach dem Motto: Am deutschen Wesen soll die Welt genesen; so vorbildlich wie wir müssen auch andere mit ihrer Geschichte umgehen. Nein, das müssen sie nicht, bei Erinnerungskultur hat jeder seinen eigenen Weg und braucht seine eig

Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Sturmgewehr G36 ...
Die G36-Affäre bleibt dubios: Warum sind Soldaten in der Praxis mit einem Gewehr zufrieden, das in der Theorie des Testlabors miserable Werte erzielt? Diese Diskrepanz konnte und musste das Gericht nicht auflösen. Für das Bundesverteidigungsministerium ist der Prozess nicht gut verlaufen. D

Lausitzer Rundschau: Wir. Schaffen. Das. Vor einem Jahr sagte Angela Merkel einen legendären Satz ...
Ein Jahr "Wir schaffen das". Mit "Wir" meinte die Kanzlerin ihre Regierung, die Verwaltung, die Freiwilligen, letztlich alle Deutschen. Und die Europäer. Flüchtlingsströme über Kontinente hinweg, wohlorganisiert von Schleppern, sind ein Phänomen unserer Zeit. Man kann sic


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z