Kölnische Rundschau: Kölner Kardinal Woelki warnt vor Entsolidarisierung - "Bei uns ist ein Dienstleistungsproletariat entstanden"
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Woelki hat entschieden vor Entsolidarisierung der Gesellschaft
gewarnt. Trotz Vollbeschäftigung in Teilen des Landes gebe es Armut
in Deutschland, sagte Woelki am Freitag bei einer Veranstaltung von
Kölnischer Rundschau und Kölner Stadt-Anzeiger sowie des
Oberbergischen Kreises in Waldbröl. Der Kardinal wörtlich: "Bei uns
ist ein Dienstleistungsproletariat entstanden. Und die Menschen, die
dazu gehören, haben keine Chance, da raus zu kommen." Als Beispiel
nannte Woelki eine Paketfahrerin: Wenn so jemand dann 50 Stunden in
der Woche arbeitet und dafür gerade mal 900 Euro verdient, reiche das
einfach nicht. "Genau das ist das Einfallstor für eine
Entsolidarisierung", warnte der Kardinal. Das seien Menschen, die
sich angesichts der Hilfe für Flüchtlinge fragen: "Wer hat mich im
Blick?" Menschen, die sich fühlten, als seien sie zu kurz gekommen.
Woelki warnte davor, sozial schwache Mitbürger und Flüchtlinge
gegeneinander auszuspielen. Woelki nannte den Klimawandel als eine
noch unterschätzte Fluchtursache. "Wir haben nur eine Welt, eine
zweite gibt es nicht", betonte er. Eine Milliarde Menschen lebe ohne
direkten Zugang zu Trinkwasser, 850 Millionen seien unterernährt.
"Vielen von uns ist noch gar nicht bewusst, wie viele vor den Folgen
des Klimawandels zum Beispiel noch aus Afrika flüchten werden", sagte
Woelki. Diese Fluchtbewegung werde weit größere Dimensionen haben als
aktuell die Flucht vor dem Bürgerkrieg aus Syrien. Zugleich könne
sich Europa auch nicht darauf beschränken, den Flüchtlingsstrom bloß
als Chance für die eigene Wirtschaft zu begreifen. "Wir können nicht
die Intelligenz abschöpfen und hier behalten. Wir müssen die Menschen
dazu befähigen, nach ihrer Rückkehr zum Beispiel nach Syrien dort
eine friedliche und demokratische Gesellschaft aufzubauen." Auch mit
der Konsumgesellschaft ging Woelki scharf ins Gericht - gerade mit
Blick auf die Arbeitsbedingungen in anderen Ländern: "Wenn es dann
heute zur Mode wird, für Kleidung drei bis fünf Euro zu bezahlen, um
sie nachher nicht mehr zu waschen, sondern einfach wegzuwerfen, dann
hat Papst Franziskus Recht: Das ist eine Wirtschaft, die tötet."
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Datum: 23.09.2016 - 17:56 Uhr
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