Raffelhüschen: Es drohen 27 Prozent Rentenbeitrag
ID: 1405840
Sperrfrist: 28.09.2016 14:30
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In den Parteien werden bereits erste Renten-Wahlversprechen
formuliert und die Gewerkschaften fordern kostspielige
Rentenerhöhungen. Aber würde ein höheres Rentenniveau tatsächlich
gezielt und effizient Altersarmut verhindern? Und was würde das die
Beitragszahler kosten? In Berlin diskutierten heute Rentenexperten
von Union und SPD mit dem Demografie- und Sozialversicherungsforscher
Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen.
Sollte die Politik der Forderung nach einem höheren Rentenniveau
nachgeben, würde sie künftige Beitragszahler einseitig belasten. Das
zeigen Schätzungen des Rentenexperten Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen
(Albrecht-Ludwigs-Universität Freiburg): "Wer die Beibehaltung des
heutigen Rentenniveaus fordert, beseitigt keine Altersarmut, sondern
belastet einseitig zukünftige Generationen. Ab 2040 müssten die
Beitragszahler voraussichtlich fast 27 Prozent ihres Einkommens in
die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Profitieren würden
Rentner, die im Durchschnitt nur 20 Prozent gezahlt haben."
Raffelhüschen diskutierte bei einer Veranstaltung der Initiative
Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) mit den Rentenexperten von CDU
und SPD, Jens Spahn MdB (parlamentarischer Staatssekretär im
Bundesfinanzministerium) und Prof. Dr. Karl Lauterbach MdB (stellv.
Fraktionsvorsitzender). Dabei wurde deutlich, dass das Thema Rente
einer der zentralen Streitpunkte im Bundestagswahlkampf 2017 werden
könnte. Spahn: "Wir haben die Rente für eine älter werdende
Gesellschaft fit gemacht. Diesen Grundkonsens dürfen wir nicht
aufgeben. Gerade in einem Jahr, in dem die Renten so stark steigen
wie lange nicht, sollten wir uns über gezielte Verbesserungen
unterhalten und nicht Rentenpolitik mit der Gießkanne betreiben. Das
hilft niemandem."
Lauterbach kritisierte indirekt die Diskussion um einen späteren
Rentenbeginn: "Ich kann die Finanzierungsprobleme der Rente nicht
damit lösen, dass die Menschen die Rente gar nicht mehr erleben. Die
Finanzierung der Renten muss den Prinzipien der Solidarität und der
Parität entsprechen. Langfristiges Ziel ist der Umbau der
Rentenversicherung zu einer Erwerbstätigenversicherung für alle, in
die auch Abgeordnete, Freiberufler, Selbständige und Beamte
einzahlen."
Raffelhüschen verwies darauf, wer für das Schrumpfen der
Erwerbsbevölkerung verantwortlich sei und argumentierte aus Sicht
künftiger Beitragszahler: "Dafür, dass ihr, die Rentner, so viele
seid - dafür können wir doch nichts. Dafür aber, dass wir so wenige
sind, dafür könnt ihr was. Das habt ihr doch selbst verursacht." Sein
Fazit: "Halten wir im Sinne der Generationengerechtigkeit doch bitte
die Beiträge konstant und passen das Rentenniveau entsprechend der
Fertilitätsleistung der jeweiligen Generationen an!"
Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer der INSM, wies darauf hin,
dass die Warnung vor sinkenden Renten jeglicher Grundlage entbehre:
"Auch in Zukunft werden die Renten weiter steigen - lediglich nicht
mehr ganz so deutlich wie die Löhne. Eine Rentensenkung ist sogar
gesetzlich ausgeschlossen. Die Rentner des Jahres 2030 werden sich
daher mehr leisten können, als die jetzigen Rentner. Und das ist gut
so."
Fotos der Veranstaltung sowie ein Video-Interview mit Prof. Dr.
Bernd Raffelhüschen finden Sie ab ca. 14:30 Uhr unter www.insm.de.
Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft ist ein
überparteiliches Bündnis aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.
Sie wirbt für die Grundsätze der Sozialen Marktwirtschaft in
Deutschland und gibt Anstöße für eine moderne marktwirtschaftliche
Politik. Die INSM wird von den Arbeitgeberverbänden der Metall- und
Elektro-Industrie finanziert.
Pressekontakt:
Pressesprecher INSM: Florian von Hennet, Tel. 030 27877-174;
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