Kaiserslauterer Physiker beobachten Diffusion einzelner Atome im Lichtbad

Kaiserslauterer Physiker beobachten Diffusion einzelner Atome im Lichtbad

ID: 1410570
(PresseBox) - Durch eine Kombination aus Experimenten und Theorie konnte erstmals die Diffusion einzelner Atome in periodischen Systemen verstanden werden. Die Wechselwirkung von einzelnen Atomen mit Licht bei ultratiefen Temperaturen fast am absoluten Nullpunkt liefert neue Erkenntnisse zur Ergodizität, der Grundannahme der Thermodynamik. Gemeinsam mit Forscherkollegen haben Quantenphysiker der TU Kaiserslautern ihre Ergebnisse nun in der renommierten Fachzeitschrift ?Nature Physics? veröffentlicht.
Unter Diffusion versteht man ein universelles physikalisches Phänomen, welches die Bewegung von Teilchen in ihrer jeweiligen Umgebung beschreibt, egal ob fest, flüssig oder gasförmig. Die ersten Untersuchungen von Robert Brown und die Erklärungen dazu von Albert Einstein liegen bereits mehr als hundert Jahre zurück: Robert Brown beobachtete die zufällige, unregelmäßige Zitterbewegung von Pollen in einer Flüssigkeit. Albert Einstein und sein Forscherkollege Marian Smoluchowski interpretierten diese ?Brownsche Bewegung? korrekt als Folge der zufälligen Stöße von Flüssigkeitsmolekülen mit den Pollen. Die Diffusion in komplexen Systemen geht noch einen Schritt weiter und kann sehr verschiedene Eigenschaften haben: Tumorbewegung in Lebewesen, DNA-Transport in Zellen, Ionenbewegung in Batterien, atomare Bewegung auf Oberflächen ? all dies sind Diffusionsvorgänge in komplexen Systemen. An der Aufklärung der zugrundeliegenden Mechanismen besteht großes Interesse, die eines Tages bis weit in alltägliche Anwendungen reichen könnten. Physikalische Untersuchungen an ultrakalten Atomen, die an der TU Kaiserslautern durchgeführt wurden, liefern nun ein Verständnis für die Diffusion in periodischen Strukturen, relevant für verschiedenste komplexe Systeme.
Physiker der TU Kaiserslautern haben zusammen mit Wissenschaftlern der Universitäten Erlangen-Nürnberg und Kyoto in Japan einen wichtigen Schritt zum grundlegenden Verständnis der komplexen Diffusion und der Interpretation ihrer experimentellen Daten gemacht.


Für die Studie, die in der renommierten Fachzeitschrift Nature Physics veröffentlicht wurde, entwickelte das Kaiserslauterer Team um Professor Widera (Fachbereich Physik und Landesforschungszentrum OPTIMAS) ein neuartiges Modellsystem: Ein einzelnes Atom wird mit Lasern bis fast auf den absoluten Nullpunkt abgekühlt und in einer Falle aus Licht in einem nahezu perfekten Vakuum gefangen. Das Atom wird dann in eine durch ein Lichtfeld erzeugte Umgebung eingebracht, in der die Licht-Absorption und Licht-Emission der Atome wie Stöße mit einem anderen Teilchen wirken. In dieser Umgebung kann die Diffusion nach Belieben eingestellt und die Bewegung des Atoms mit einer Kamera verfolgt werden. Parallel entwickelten theoretische Physiker aus Erlangen-Nürnberg und Kyoto ein Modell zur Beschreibung der Dynamik des Systems. Zentraler Aspekt hierbei war, die Vorgänge im Hinblick auf die physikalische Größe der Ergodizität zu verstehen. Dank der hervorragenden Übereinstimmung von Experiment und Theorie konnten nun Diffusionsvorgänge jenseits der Brownschen Bewegung verstanden werden. Diese Ergebnisse könnten sich zukünftig auf das Verständnis von verschiedensten komplexen Systemen in Medizin, Biologie, Physik und Technik auswirken.
Grundlagen der Diffusion
Die Bewegung einzelner Zellen im Körper oder der Transport von Ladungsträgern in Energiespeichern sind nur im Zusammenhang mit der jeweiligen Umgebung zu verstehen. Die Teilchen dieser Umgebung stoßen permanent mit einer Zelle oder einem Ladungsträger und beeinflussen so ihre Bewegung. Diese Vorgänge können in vielen Fällen durch die Brownsche Bewegung mit der Theorie von Einstein beschrieben werden. Manchmal lassen sich die Beobachtungen allerdings nicht mit diesem Modell beschreiben, bisweilen kann man dem System diese nicht-Brownsche Dynamik auf den ersten Blick nicht ansehen. Den Wissenschaftlern der drei Universitäten ist es gelungen, sowohl theoretisch als auch experimentell zu zeigen, wie sich in bestimmten komplexen Systemen die Diffusion charakterisieren lässt.
Die Ergodizität als Schlüssel zum Verständnis komplexer Diffusionen
Ein zentraler Aspekt der Studien war es, das atomare System auf Zeitskalen zu untersuchen, die relevant für die Etablierung von Ergodizität sind. Ergodizität ist die Grundlage für die Thermodynamik und eine wichtige Größe für die Beschreibung von Diffusionsvorgängen. In einfachen Worten besagt die Ergodizitätshypothese, dass in einer Ansammlung von Teilchen die Bewegung eines einzelnen Teilchens repräsentativ für das gesamte Ensemble ist. Diese Annahme wird in der Regel allen beobachteten Phänomenen unseres Alltags zugrunde gelegt. Das gilt streng gesehen für die meisten Systeme allerdings nur für sehr große Zeiträume. Die Wissenschaftler konnten in ihrer Studie nun zeigen, dass selbst ?normal? erscheinende Diffusionsvorgänge in bestimmten Fällen die Ergodizität auf überraschend langen Zeitskalen verletzen können. Diese Ergebnisse haben interessante Konsequenzen für das Verständnis der Diffusion in komplexen Systemen und können zum Beispiel helfen, Beobachtungen und Messungen in biologischen Systemen neu zu bewerten und zu interpretieren.
Die Studie wurde in der renommierten Fachzeitschrift Nature Physics veröffentlicht: ?Nonergodic diffusion of single atoms in a periodic potential?.
DOI 10.1038/nphys3911

Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  ASK Chemicals kündigt Bau einer Produktionsstätte in Mexiko an Neue Kongressmesse micro photonics in Berlin eröffnet (FOTO)
Bereitgestellt von Benutzer: PresseBox
Datum: 11.10.2016 - 09:22 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1410570
Anzahl Zeichen: 5502

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Kaiserslautern



Kategorie:

Forschung und Entwicklung



Diese Pressemitteilung wurde bisher 486 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Kaiserslauterer Physiker beobachten Diffusion einzelner Atome im Lichtbad"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

TU Technische Universität Kaiserslautern (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Erfolgreiche rheinland-pfälzische Schüler/innen der 30. Internationalen Biologie-Olympiade experimentieren an der TU Kaiserslautern ...
Am 31.01. und am 01.02.2019 findet im Fachbereich Biologie der TU Kaiserslautern (TUK) das Praktikum der 15 besten rheinland-pfälzischen Schülerinnen und Schüler der 2. Runde der Internationalen Biologie-Olympiade 2018/19 (IBO)  statt. Der ?Bio-Workshop? ist eine Belohnung für das herausragende

Grenzüberschreitende automatisierte Mobilität - die Großregion in Bewegung ...
Sicher, umweltbewusst und flexibel ? so lauten zentrale Forderungen an die Mobilität der Zukunft. In der Grenzregion zwischen Deutschland, Frankreich und Luxemburg ist Mobilität in der Arbeitswelt ein entscheidender Faktor. Sie muss einfach, günstig und für alle verfügbar sein. Die Automatisier

Physikprofessor Henning Fouckhardt mit Lehrpreis der TU Kaiserslautern ausgezeichnet ...
Der Distinguished Teaching Award der TU Kaiserslautern (TUK) ging in diesem Jahr an den Experimentalphysiker Prof. Dr. Henning Fouckhardt. In feierlichem Rahmen wurde ihm der Preis am 18. Dezember 2018 durch Vertreter der Universitätsleitung übergeben. In seiner Laudatio würdigte Dr. Stefan Löhr


Weitere Mitteilungen von TU Technische Universität Kaiserslautern


Elektronik-Innovation mit brandfestem Plagiatschutz ...
Das junge Berliner Unternehmen Greenpack GmbH bietet eine Lösung, um grüne Energie sicher zu speichern. Mit dem Greenpack Akku wird es möglich, erneuerbare Energie sicher zu speichern, zu nutzen oder zu transportieren. Um das Produkt wirksam gegen Plagiate und unlizensierten Nachbau zu schützen

ASK Chemicals kündigt Bau einer Produktionsstätte in Mexiko an ...
ASK Chemicals genehmigt den Bau einer Produktionsstätte in der Nähe von Monterrey, Mexiko. Das neue Werk wird Binder, Schlichten und Speiser für die wachsende mexikanische Gießereibranche produzieren. Die Entscheidung für den künftigen Standort fiel nach sorgfältiger Analyse des mexi

PCAP Lösungen mit Force Touch ...
Die PCAP Touch Technologie ist in der Industrie angekommen und wird immer stärker genutzt. Aufbauend auf der bestehenden projizierend kapazitiven Technologie bzw. diese erweiternd, werden kontinuierlich neue Bedienkonzepte entwickelt. Eine dieser Weiterentwicklungen sind PCAP Touches mit 3

Standard opto-isolierte Multi-I/O-Karte für Messungen in Maschinen und Anlagen ...
Mit der ME-4660i für den PCI-, PCIe oder cPCI-Bus in industriellen Rechnersystemen bietet AMC eine bewährte Multi-I/O-Karte mit schnellen und präzisen 16 Bit Analog-Eingängen an. Die Einsatzbereiche reichen von der Mess- und Prüftechnik bis hin zur Steuerungsanbindung in der Automatisi


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z