Westfalenpost: zur Buchmesse: Ein Stück Freiheit
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nichts hassen Diktatoren und Fanatiker jedweder Couleur so sehr wie
Texte, die länger als eine Parole sind. Das Nachdenkliche, das
kritische Hinterfragen, die Vielstimmigkeit sind das Geburtsrecht der
Buchbranche. Und sie sind in Gefahr. Nicht nur in den autoritär
regierten Drittwelt-Staaten, sondern in Europa selbst, dem
Mutterkontinent der Demokratie. Wer hätte denn zum Beispiel gedacht,
dass Zensur in all ihren Spielarten wieder ein derart beherrschendes
Thema sein würde. Darf man keine Mohammed-Karikaturen drucken, weil
sich militante Muslime davon so beleidigt fühlen könnten, dass sie
Bomben werfen? Soll man rassistische und revanchistische und
verhetzende Schriften verbieten? Oder soll man auf die Klugheit des
Lesers vertrauen, der sich selbst ein Urteil bilden kann? Diese
Fragen werden auf der Buchmesse diskutiert. Damit spiegelt das
Literaturereignis die brennenden Themen der Zeit. Das muss auch so
sein. Denn das Selbstverständnis der westlichen Welt definiert sich
durch den Umgang mit dem Denken. Dass es hierzulande nicht mehr die
Despoten sind, die eine Suche nach Antworten verdächtig finden,
sondern dass auch viele Bürger ihr Recht auf komplexe Information
verweigern und nach einfachen Lösungen rufen, macht die Lage nicht
einfacher. Aber ohne Freiheit muss der Westen scheitern, mit allen
Werten, für die er steht. So weh diese Freiheit auch im Einzelfall
tun mag.
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Datum: 18.10.2016 - 21:56 Uhr
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