Berufskonzepte im Gesundheitswesen

Berufskonzepte im Gesundheitswesen

ID: 1415248
(ots) - Dr. Max Kaplan, Präsident der Bayerischen
Landesärztekammer (BLÄK) sprach im Vorfeld des 75. Bayerischen
Ärztetages mögliche neue Aufgabenverteilungen und Kooperationen im
Gesundheitswesen, den Trend zur Akademisierung von Gesundheitsberufen
und insbesondere das neue Berufsbild des "Physician Assistant" an.
Ziel der Ärzteschaft sei es, hierbei Berufsbildungskonzepte für
Gesundheitsfachberufe mitzuentwickeln bzw. mitzugestalten, dadurch
sowohl deren Attraktivität als auch die Attraktivität des Arztberufs
im Sinne des Delegationsprinzips zu stärken sowie die Substitution
von Teilbereichen der ärztlichen Kernkompetenz und konfliktive
Schnittstellen zu verhindern.

Auf die Frage, was die Ärzteschaft mit dem "Physician Assistant"
erreichen könne, hat Kaplan eine klare Antwort: "Wir wollen Ärzte
angesichts demografischer und epidemiologischer Entwicklungen
entlasten sowie die Übertragung von Aufgaben an ein einheitliches
Berufsbild nach dem Delegationsprinzip gestalten. Gleichzeitig wollen
wir eine weitere Aufstiegsperspektive und Spezialisierungsoption für
die Gesundheitsfachberufe und auch die Medizinische Fachangestellte
schaffen." Wichtig ist für Kaplan, dass eine bundeseinheitliche
Ausbildung des "Physician Assistant" als Weiterbildungsstudium für
Gesundheitsfachberufe eingeführt wird, dass die Qualitätskriterien
für die betreffenden Studiengänge festgelegt werden und - ganz
entscheidend - dass die Berufsausübung nach dem Prinzip des
Arztvorbehalts bzw. nach Delegationsprinzip erfolgt.

Punkte, die einer künftigen Klärung bei den Gesundheitsberufen
bedürfen sind der "Direktzugang zu den Patienten", was aus Gründen
der Patientensicherheit und im Sinne der Qualität abzulehnen ist,
sowie bei der sogenannten "Blankoverordnung" die Klärung von Haftung
und Budgetverantwortung für die Gesundheitsberufe. Dazu gehört auch


der Entwurf des "Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetzes (HHVG)". Er
soll für "mehr Qualität und Transparenz bei der Versorgung mit Heil-
und Hilfsmitteln" sorgen, für die Patienten soll es zahlreiche
Verbesserungen geben und mehr Befugnisse für die Therapeuten. Dazu
zählen verbesserte Beratung über "Hilfsmittel innerhalb des
Sachleistungssystems", qualitative Anforderungen an die Produkte und
die mit ihnen verbundenen Dienstleistungen, spezielle
Vergütungsvereinbarungen in den Jahren 2017 bis 2019 mit den
Verbänden der Therapieberufe wie Physiotherapie, Ergotherapie,
Logopädie und Podologie sowie Modellvorhaben zur sogenannten
"Blankoverordnung" von Heilmitteln. "Die Therapeuten werden mehr
Verantwortung in der Patientenversorgung erhalten, die jedoch mit der
Haftungs- und Budgetverantwortung verbunden sein muss", fordert
Kaplan.

Zur Diskussion um die Akademisierung der Gesundheitsberufe sagte
Bayerns Ärzte-Chef: "Es herrschen derzeit eine hohe Dynamik und eine
große Heterogenität der Aus- und Weiterbildung der
Gesundheitsfachberufe. Ich halte eine Teil-Akademisierung für
sinnvoll, vor allem als Weiterqualifizierung in der Pflege für
Leitungs-, Ausbildungs- und Fortbildungs-Funktionen." Der Blick über
die Ländergrenzen in Europa bestätige zudem, dass die Akademisierung
der Gesundheitsberufe in den Nachbarländern bereits weiter
fortgeschritten ist als in Deutschland.

Ein ganz anderes Thema sei hingegen die "Schnittstelle" mit den
Heilpraktikern. Mit Blick auf die Patientensicherheit plädiert Kaplan
für mehr Transparenz bezüglich der Berufsqualifikation. Was die
Behandlung durch Heilpraktiker betrifft, fordert Kaplan klare
Begrenzungen und Konkretisierungen durch die Aufstellung eines
Kriterienkatalogs, welche Leistungen ein Heilpraktiker nicht
erbringen darf, wie etwa invasive Eingriffe oder die Behandlung von
Krebskranken. "Wenn durch die Behandlung eines Heilpraktikers eine
wirksame Therapie unterbleibt, kann das zu einer Tragödie führen, wie
wir sie jüngst in Brüggen erlebt haben", so Kaplan.



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Bayerische Landesärztekammer
Pressestelle
Dagmar Nedbal
Mühlbaurstraße 16
81677 München
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