Westfalen-Blatt: zu Handelsabkommen
ID: 1418493
eilig nachgeholte Gipfel-Zeremonie am Wochenende täuscht darüber
hinweg, dass der steinige Weg zu einem gemeinsamen Binnenmarkt mit
Kanada gerade erst begonnen hat. Schon heute muss sich das
Bundesverfassungsgericht mit einem weiteren Eilantrag der deutschen
Gegner befassen, das Hauptsache-Verfahren der vorliegenden Klagen
steht noch aus. In den Mitgliedstaaten wappnen sich die regionalen
und nationalen Parlamente für eine beispiellose
Ratifizierungsprozedur. Dabei ist nicht einmal in Deutschland sicher,
ob das Abkommen die vorgegebenen Prozeduren übersteht. Der Text in
der nun unterschiebenen Form fällt nicht einmal schlecht aus.
Deutlich besser jedenfalls als alles, was die EU und jeder ihrer
Mitgliedstaaten in den zurückliegenden Jahren abgeschlossen haben.
Aber Ceta und auch die europäisch-amerikanische Variante TTIP
markieren eine Wende. Weil es eben nicht mehr nur um Handelspolitik
geht. Hinter der verklausulierenden Formulierung von den
»nicht-tarifären Handelshemmnissen« stecken Eingriffsmöglichkeiten in
die demokratische Selbstbestimmung der Staaten. Weil Standards in der
Wirtschaftspolitik zumindest torpediert werden könnten, deren
Festlegung Sache des Gesetzgebers und der Volksvertreter ist. Das hat
das Bundesverfassungsgericht bereits zu Recht herausgestellt und
betont, dass alle Rechtsprechung in den Händen der Mitgliedstaaten
bleibt. Aber für die EU ging es um mehr. Nach dem für undenkbar
gehaltenen Votum der Briten für einen Ausstieg aus der Gemeinschaft
war das Ringen um Ceta der zweite Weckruf für die EU. Brüssel
agierte, wie es seit Jahren Politik macht: Fast schon beleidigt
angesichts der Versuche von Öffentlichkeit und diversen Initiativen,
die nicht mehr hinnehmen wollten, dass hinter verschlossenen Türen
ausgekungelt wurde, was Wähler anschließend widerspruchslos hinnehmen
sollten. Aber so funktioniert Politik nicht mehr. Die
Zwangsbeglückung des Bürgers per Diktat wie bei der Abschaffung der
Glühbirne wird von weiten Teilen der Öffentlichkeit nicht mehr
akzeptiert. Eine immer breitere Mehrheit will mitbestimmen, auch wenn
die Argumente viel zu oft polemisch und sachfern blieben. Das machte
Ceta zum Sündenbock, bei dem es keineswegs immer um die konkreten
Regelungen ging. Denn die sind deutlich besser als ihr Ruf. Europa
hat sich weitaus mehr durchgesetzt, als das bei TTIP gelungen wäre.
So unnachgiebig sich die USA zeigten, so störrisch gab sich die EU
bei Kanada. Es stimmt: Ceta ist das beste Handelsabkommen, das die EU
je abgeschlossen hat. Aber das heißt nicht, dass man es nicht noch
besser, vor allem demokratischer hätte machen können. Das Problem
bleibt nicht das Ergebnis, sondern der Weg dahin
Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 - 585261
Original-Content von: Westfalen-Blatt, übermittelt durch news aktuell
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 30.10.2016 - 21:00 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1418493
Anzahl Zeichen: 3242
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Bielefeld
Kategorie:
Außenhandel
Diese Pressemitteilung wurde bisher 407 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Westfalen-Blatt: zu Handelsabkommen"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Westfalen-Blatt (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Der international renommierte Jazz-Trompeter Till Brönner befürchtet, dass Politik und Gesellschaft nichts aus der Zeit der Corona-Pandemie gelernt haben. "Das Erste, was wir tun, wenn es eng wird, ist ausgerechnet unsere DNA, nämlich die Kultur- und die Veranstaltungsbranche und die, die un
34 Polizeischüsse: Autofahrer gelähmt, Ermittlungen eingestellt ...
Die 34 Schüsse, die Polizisten vor zwei Jahren in Bad Salzuflen auf einen Audi und seinen Fahrer (19) abgegeben hatten, bleiben ohne strafrechtliche Folgen - es wird keinen Prozess geben. Die Staatsanwaltschaft Detmold hat nach WESTFALEN-BLATT-Informationen das Verfahren gegen die beiden Herforder
NRW: Polizei überwacht afghanischen Sexualtäter ...
Im Kreis Herford (NRW) wird ein afghanischer Sexualstraftäter in Absprache mit dem Landeskriminalamt "engmaschig" von der Polizei überwacht. Der 24-Jährige, der als rückfallgefährdet gilt, hatte nach einer Sexualtat eine Haftstrafe von drei Jahren und acht Monaten verbüßt und war in
Weitere Mitteilungen von Westfalen-Blatt
Rheinische Post: Kommentar / FBI-Chef verwirrt nur = Von Frank Herrmann ...
FBI-Direktor James Comey muss sich vorwerfen lassen, dass er den Grundsatz verletzt hat, strikte Neutralität walten zu lassen. Mag sein, dass er nur seine eigene Reputation schützen wollte. Mag sein, dass er sich nach der US-Wahl am 8. November nicht nachsagen lassen möchte, Fakten unter den
neues deutschland: Völkerrechtlichen Ächtung der Atomwaffen: Harte Währung der Macht¶ ...
Die Frage, was man heutzutage eigentlich mit über 15 000 nuklearen Sprengköpfen anfangen will, konnte noch niemand überzeugend beantworten. Sicher, es sind keine 70 000 mehr, wie in den kältesten Zeiten des Kalten Kriegs. Aber es bleibt eine nach wie vor monströse Overkill-Kapazität, mit d
ZDF-Politbarometer Oktober II 2016 / Entscheidungen der EU: Mehrheit gegen Einstimmigkeits-Prinzip / Sanktionen gegen Russland wegen Luftangriffen in Syrien umstritten (FOTO) ...
Nach der zeitweisen Blockade der geplanten Unterzeichnung des Freihandelsabkommens (CETA) zwischen der EU und Kanada sprechen sich 58 Prozent aller Befragten dafür aus, dass wichtige Entscheidungen der EU auch mit einer deutlichen Mehrheit unter den Mitgliedsstaaten getroffen werden sollten
neues deutschland: Linke Maduro-Kritiker Evans: Venezuelas Justiz und Wahlrat folgen Instruktionen der Regierung ...
Venezuelas Opposition verstärkt mit einem Generalstreik an diesem Freitag den Druck auf die Regierung von Nicolás Maduro. "Insgesamt habe ich große Zweifel an der Mobilisierungsfähigkeit der rechten Opposition", sagt der linke Maduro-Kritiker Nicmer Evans der in Berlin erscheinende




